https://queer.de/?20024
- 11. September 2013 2 Min.

Grindr ist eine weltweilt beliebte App
Nutzer in der Türkei bekommen statt der Grindr-Webseite einen Gerichtsbeschluss zu sehen. Auch die Serververbindungen der App sind blockiert.
In der Türkei ist derzeit das schwule Dating-Portal Grindr gesperrt. Nutzer, die die Webseite des Portals aufrufen, bekommen seit gestern eine Fehlermeldung mit dem Hinweis auf eine Gerichtsentscheidung angezeigt.
Auch die Dating-App selbst kann sich nicht mehr mit ihren Servern verbinden. Internet-User werden auf eine Sperrungsentscheidung eine Gerichts in Istanbul vom 26. August verwiesen, die von der Telekommunikationsbehörde umgesetzt wurde.
Eine Anwältin der LGBT-Organisation Kaos GL sagte, die Entscheidung sei online noch nicht verfügbar, daher könne sie noch keine Gründe dafür nennen. "Vermutlich steht das in Bezug zu 'allgemeiner Moral', ein vieldeutiger Begriff, der unter anderem gegen transsexuelle Sexarbeiter eingesetzt wird".
Filterlisten und -systeme

Kein queer.de für NRW-Finanzbeamte – dank Sperrliste
Während schwule Dating-Apps und -Portale auch im Westen immer wieder Probleme mit dem Jugendschutz bekommen (sei es durch strikte Vorgaben des jeweiligen App-Stores oder durch nationale Jugendschutzgesetze, die etwa Gayromeo und Gayroyal zum Umzug von Deutschland in die Niederlande geführt haben), geht es hier um eine schnell mögliche Zensur durch staatliche Filterlisten.
Angeblich im Kampf gegen Kinderpornografie standen diese eine Zeit lang auch in Deutschland zur Debatte und werden als System privat durchaus eingesetzt: Selbst queer.de ist etwa an vielen Hotspots der Telekom, etwa bei McDonalds, oder in einigen Behörden nicht erreichbar, darunter im Gast-Wlan des NRW-Landtags oder im gesamten Netz der NRW-Finanzministerien.
Grindr-Sperre Teil staatlicher Repression?
Auch in der Türkei ist diese eher ungeschickte Art der (Vor-)Zensur denkbar. Allerdings sieht Ömer Akpinar von Kaos GL die Grindr-Sperrung in einer ganzen Reihe von Zensurmaßnahmen "in der Folge der Demonstrationen im Gezi Park": "Grindr zu zensieren ist nur der letzte Schritt in willkürlichen Einschränkungen der Freiheiten in der Türkei."
Personen mit "jedem Lebensstil und jeder Ideologie, die nicht zu der Staatsideologie passen", würden ihrer Rechte und Freiheiten beraubt, so Akpinar weiter. In den letzten Monaten hatten besonders zahlreiche Razzien der Polizei bei Transsexuellen und Transgendern für Empörung gesorgt. Dabei kam es häufig zu Gewalt.
Grindr, eine Dating-App, die anhand der Lokalisierungsfunktion des Handys Kontakte in der Nähe anzeigt, wird eigenen Angaben zufolge ganz oder teilweise auch in China, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gesperrt. (nb)














