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Schwule Zeitgeschichte

Liberace-Film: Der Kitsch kollabiert


Tuntenbarock in den 1970er Jahren: Michael Douglas (re.) spielt den Glamour-Pianisten Liberace (Bild: dcm)

Steven Soderberghs Drama "Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll" ist eine bewegende Charakterstudie, so unterhaltsam wie tragisch.

Von Peter Fuchs

Zu Beginn ein Warnhinweis: In wessen Gayromeo-Profil Worte wie "heterolike" oder "Hetero-Optik" auftauchen, sollte diesen Film nicht anschauen. Der Streifen von Regisseur Steven Soderbergh kann Spuren von Tunten enthalten, und man weiß ja nie genau, welche Allergien das bei Liebhabern der Straight-Acting-Fraktion auslöst. Alle anderen müssen diesen Film sehen, denn er ist eine bewegende Charakterstudie, so unterhaltsam wie tragisch. Außerdem reflektiert er obendrauf ein Stück finsterer schwuler Zeitgeschichte.

Das Bio-Pic zeigt einen Ausschnitt vom Leben des Glamour-Pianisten Liberace. Der junge Tiertrainer Scott (Matt Damon) lernt im Jahr 1977 Liberace (Michael Douglas) nach einem Konzert Backstage kennen. Der damals 58-jährige Künstler verknallt sich in Scott und lädt ihn in seine palastartige Villa ein. Bald entwickelt sich eine Liebesbeziehung und Scott wird so etwas wie der Edel-Chauffeur für den Pianisten. Diese Funktion ist notwendig, weil Liberace nach außen den Hetero spielt. Unglaublich, aber er kommt damit sogar durch.

Rolls-Royce-Fuhrpark, Pelze, Putten und Champagner


Filmposter: Bundesweiter Kinostrart ist am 3. Oktober 2013

Jahre voll Luxus, in denen der Kitsch kollabiert, folgen: Der Rolls-Royce-Fuhrpark ist strassgeschmückt und ebenso maßgeschneidert wie die strahlend silbernen Uniformen des Chauffeurs, der Hermelin-Pelz hat eine fünf Meter lange Schleppe, Kurztrips unternimmt man schon mal mit Lear Jets, Hektoliter von Champagner fließen und immer wieder taucht man in Whirlpools ein, dabei nur von goldenen Putten beobachtet.

Der Zenit dieser Geschmacklosigkeiten ist aber überschritten, als das Leben der beiden durch Drogenmissbrauch, absurde Schönheits-OPs, Affären und Eifersucht geradlinig auf eine erbittert ausgefochtene Trennung zuläuft. Hinter der Fassade, dass sich ein Arbeitgeber und ein Chauffeur trennen, tobt ein Scheidungskrieg. Das alles passiert ein paar Jahre vor dem Aids-Tod von Liberace, einem der ersten berühmten Opfer des Virus. Die Todesursache wird von den Hinterbliebenen heftig dementiert.

Der Film ist weit mehr als ein Spektakel über das Leben einer berühmten Klemmschwester, gehüllt in fette Pelze, auf die goldener Flitter niederregnet. Der als HBO-TV-Movie produzierte Film – angeblich fanden sich wegen des schwulen Stoffs keine Kinoproduzenten – ist selbst ein glänzend polierter Strassstein, der zwei Hollywoodstars auf der Höhe ihrer Schauspielkunst zeigt.

Matt Damon überzeugt im String-Tanga

Matt Damon, offensichtlich schon älter als Scott zu dieser Zeit, aber das macht überhaupt nichts, verkörpert die Transformation vom Liebhaber-Chauffeur über den Luxus-Junkie zum frustrierten Verlassenen großartig uneitel – und auch schon mal im String-Tanga. Dennoch setzt er dabei so subtile Marken, dass die Rolle nicht zur Karikatur gerät.

Das gleiche gilt für Michael Douglas als Liberace. Er stellt dabei nicht nur den Exoten und Freak aus, sondern gibt ihn gleichzeitig raubtierhaft und väterlich, angsteinflößend und liebevoll. Am Ende gelingt es ihm, dass man Liberace zu mögen beginnt und man bedauert, dass diese Liebe zum Scheitern verurteilt ist. Der Film legt so ein berührendes Zeugnis ab von zwei schwulen Männern, die sich gefunden haben – und dann alles verlieren.

Youtube | Offizieller deutscher Trailer zum Film
Infos zum Film

Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll. Originaltitel: Behind the Candelabra. Drama. USA 2013. Regie: Steven Soderbergh. Darsteller: Michael Douglas, Matt Damon, Dan Aykroyd, Rob Lowe, Scott Bakula, Debbie Reynolds, Cheyenne Jackson u.v.m. Bundesweiter Kinostart: 3. Oktober 2013
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Queere TV-Tipps
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#1 David77Anonym
  • 02.10.2013, 11:23h

  • Gröhl!! Wenn man sich die Galerie anschaut sind so einige dabei um die genannten gr-user zu ärgern. Man sollte die einfach als profilbilder benutzen.
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#2 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 02.10.2013, 11:38h

  • Unterhaltsam ja. Schaltet sich zwischendurch jedoch das Hirn ein, bleibt einem womöglich das Lachen im Halse stecken!

    Denn es ist ein mehr als tragisches und trauriges Versteckspiel. Klar kriegt die Umwelt mit, das die ein Paar sind, aber alle spielen mit um den Schein zu wahren weil das ein zu grosser Tabubruch gewesen wäre.

    Schrankschwestern sind heute lustig, wobei eigentlich mehr lächerlich und schon gar nicht erst zu nehmen.

    Früher aber, wo teilweise strafrechtliche Konsequenzen drohten und alle mitspielen MUSSTEN war es überhaupt nichts lustiges!
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#3 Anti-VerarscheAnonym
  • 02.10.2013, 11:46h
  • Hier geht es zu allerletzt darum, "heterolike"-Idioten bei GayRomeo oder sonstwo zu ärgern, sondern gerade darum, Schwulsein immer und immer wieder - und sei es in pseudo-progressiver Verpackung - zu stereotypisieren und zu stigmatisieren und daraus Kapital zu schlagen (und das absurde gesellschaftliche Konstrukt heterosexueller Männlichkeit zu zementieren).

    Klischeeferne, nicht-stereotypisierte Schwule, insbesondere schwule Jugendliche, die auch nicht immer todtraurig sein müssen, sondern Spaß haben und glücklich sind, werden dagegen von der Filmindustrie und den Massenmedien weiterhin gezielt unsichtbar gemacht.
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