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- 24. November 2004 2 Min.
Wer die angeblich freie Homosexualität im Orient verherrlicht, verrät die dort verfolgten Schwulen und Lesben.
Von queer.for.israel
Die arabisch-islamischen Gesellschaften des Nahen Ostens sind homosexuelle Gesellschaften. In einem Zustand der Geschlechterapartheid ist mann-männliche Sexualität die logische Konsequenz und gebiert gesellschaftlich akzeptierte Formen homosexueller Beziehungen - ein in jeder Hinsicht attraktives Ziel für schwule Sextouristen, die bereit sind hinzunehmen, dass sie von der brutalen Unterdrückung der Frauen profitieren.
Solche Zustände haben nicht nur Ikonen der Schwulenbewegung wie Jean Genet oder Michel Foucault denen der säkularen westlichen Gesellschaften vorgezogen, die manifest Homosexuellen die Notwendigkeit, eigene Subjektivität auzubilden, zumuten. Genau diese Subjektivität ist Anlass für die Schwulenverfolgung in islamischen Ländern - sie steht dort für dieselbe Gefahr wie der zionistische Staat und westliche Frauenemanzipation: dass die Emanzipation des oder der einzelnen die Bedingung für die Emanzipation aller sein könnte.
Solches Unbehagen vor ausgelebter Individualität oder auch nur der Forderung danach, bringt im nahen Osten Schwule und Lesben in Lebensgefahr und zwingt sie in den Untergrund oder in die Emigration. Im freien Westen rumort ein durchaus verwandtes Gefühl des Überdrusses mit der Lust und der Last als notwendig bürgerliches Individuum bestehen zu müssen. Auch hier macht sich ein Heimweh nach scheinbar konfliktfreien Zeiten, in denen der einzelne nichts, das Kollektiv dagegen alles war, bemerkbar.
In der Verherrlichung angeblich freier Homosexualität im "vorkolonialen" Orient durch linke schwule "Experten" liegt nicht nur die Beschönigung und manchmal sogar die Leugnung zunehmender homophober Gewalt aus den islamistischen Communitys in Berlin und anderswo.
Solch antirassistisch getarnte Sehnsucht nach der autoritären Gemeinschaft liefert den schwulen Türken oder die lesbische Araberin dem Furor der eigenen Community aus, sie verrät zugleich die verfolgten Schwestern in Palästina und anderswo, um schließlich ohnmächtig, weil kritiklos, der nicht nur latenten Homophobie im ganz deutschen Deutschland gegenüberzustehen.
Die Initiative queer.for.israel wurde 2003 auf einer linken Konferenz gegründet. Sie sammelt u.a. Spenden für die "Israelische Gesellschaft zum Schutze der Privatsphäre", die ein Rettungsprojekt für verfolgte palästinensische Schwule betreibt. Im Juni 2003 nahm sie sowohl an großen Berliner CSD-Parade als auch am alternativen Kreuzberger CSD teil. Dort wurden die Teilnehmer wegen mitgeführter israelischer Flaggen attackiert.
Ein Vortrag und eine von taz-Redakteur Jan Feddersen moderierte Diskussion zum Thema "Männer (Alb) Träume - Mann-männliche Sexualität und Schwulenverfolgung im Nahen Osten" findet am 25. November in Berlin statt. Beginn. 19.30 Uhr, Ort: Max & Moritz, Oranienstraße 162, Berlin-Kreuzberg.
Links zum Thema:
» Website der Initiative














