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Kommentar
Der Bärendienst des David Berger
- 10. November 2013 2 Min.

Versucht die Homo-Politik neu zu erfinden: "Männer"-Chefredakteur David Berger
Der "Männer"-Chefredakteur fordert eine "schlagkräftige Homo-Lobby" – indem er diejenigen demontiert, die sich seit Jahren für LGBT-Rechte einsetzen.
Von Micha Schulze
Es ist eine sehr bedenkliche Stimmung, die David Berger in seinem Kommentar "Wir brauchen eine schlagkräftige Homo-Lobby!" gegen den Lesben- und Schwulenverband (LSVD) schürt. Ein großer Schuss plumper Populismus, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Eitel- und Überheblichkeit, dazu Halbwahrheiten und möglicherweise noch unbeglichene Rechnungen. Am LSVD gibt es gewiss einiges zu kritteln, ihn in der jetzigen Situation aber indirekt als unfähig zu verdammen und als Alternative eine "schlagkräftige Homo-Lobby" zu fordern, grenzt an Boshaftigkeit und politischer Naivität.
Eines stimmt: Die Wut und Enttäuschung in der Community ist groß. Obwohl es im Bundestag eine Mehrheit für eine Ehe-Öffnung gibt, scheint sich die SPD in den Koalitionsverhandlungen von der Union über den Tisch ziehen zu lassen – trotz des durchaus existierenden Drucks von Medien, LSVD, Schwusos oder auch zahlreicher User von queer.de, die die Verhandlungsführer mit Emails bombardieren. Doch noch liegt kein schriftliches Verhandlungsergebnis vor, noch haben die SPD-Mitglieder nicht das letzte Wort über die Große Koalition gesprochen. Professionelle Politik reagiert auf Fakten, nicht auf Gerüchte.
Die erfundenen "Geldhähne der Parteipolitik"
Dem LSVD und seinem ehrenamtlichen Vorstand vorzuwerfen, "aufs engste mit den Geldhähnen der Parteipolitik verbandelt" zu sein und damit zu suggerieren, sein angebliches Schweigen sei erkauft, ist eine Unverschämtheit. Fakt ist: Projektbezogene öffentliche Fördermittel machen nur einen Bruchteil seiner Gesamteinnahmen aus, und erst vor wenigen Tagen hat der LSVD seine Forderungen an Union und SPD deutlich formuliert (queer.de berichtete). Wenn dem Lesben- und Schwulenverband etwas gelungen ist, dann ist es auf jeden Fall der Spagat, wirklich überparteilich und gleichzeitig parteiisch für LGBT-Rechte zu sein. Die unabhängigen Wahlprüfsteine zu Bundes- und Landtagswahlen sind dafür ein eindrucksvoller Beweis.
Ist die bisherige Kritik an den vermutlich künftigen Regierungspartnern CDU, CSU und SPD zu zahm, sollte der queere Protest lauter und radikaler sein, brauchen wir neue Aktionsformen? Darüber lohnt es sich wirklich zu streiten. Am besten aber in einem breiten Bündnis, das alle Interessierten gleichberechtigt an einen Tisch versammelt und dabei niemanden ausschließt oder öffentlich demontiert. "Die Community mit einer Stimme sprechen lassen", fordert David Berger – versucht aber gleichzeitig, ausgerechnet den engagiertesten Aktivisten das Rederecht zu nehmen. Dem Kampf um gleiche Rechte hat der "Männer"-Chefredakteur damit einen Bärendienst erwiesen.
Micha Schulze ist Geschäftsführer von queer.de. Er ist Mitglied in keiner Partei und keines Verbandes.
Links zum Thema:
» David Berger: Wir brauchen eine schlagkräftige Homo-Lobby!















Zu lange im Kloster gesessen, zu viel mit dem Problembär Bruno G. abgehangen? Man weiß es nicht, jedenfalls haben diese Schöneberger konservativen Schwulen wie der katholische Berger, oder auch Johannes Kram mit seinem Nollendorfblog, allesamt einen Schatten. Anders kann man es nicht formulieren. Reine Selbstinszenierung auf Kosten echter Aktivisten. Während sich die selben Schöneberger Gestalten (Berger und Kollegen), nicht zu schade sind, gegen andere Menschengruppen rassistisch zu hetzen (siehe September-Ausgabe von "M"). Pfui!