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Anti-Homo-Kongress
Compact-Konferenz: Weitere Redner sagen ab
- 12. November 2013 3 Min.

Das neueste Plakat zur Konferenz
Nun verzichten auch Peter Scholl-Latour und Eva Herman auf eine Teilnahme – sie sieht sich wie das Magazin als Opfer. Zugleich verschärft "Compact" die Rhetorik.
Von Norbert Blech
"Linke SA macht gegen 'Compact'-Familienkonferenz mobil" – derart verägert berichtet der Chef des Magazins, Jürgen Elsässer, über neue Absagen von Rednern bei dem Kongress gegen die Gleichstellung von gleichgechlechtlichen Paaren am 23. November in der Nähe von Leipzig.
Das Magazin, das angeblich nicht homofeindlich sein will, zugleich aber online abstimmen lässt, ob die Lebenspartnerschaft nicht wieder abgeschafft werden soll (derzeit 61 Prozent Zustimmung), ist nach der frühen Absage von Norbert Geis nun auch von Peter Scholl-Latour (angeblich wegen eines plötzlichen Auslandseinsatzes) und Eva Herman versetzt worden.
Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin sei derart angefeindet und bedroht worden, dass sie nun abgesagt habe, schreibt "Compact". Sie wolle aber mit einer Videobotschaft zur Meinungsfreiheit bei dem Kongress präsent sein. "Durch die letzten einseitigen und hetzenden Presseveröffentlichungen melden sich immer wieder politisch Gegenspieler in Leipzig an, die mir dies auch mitteilen", so Herman laut dem Magazin. "Sie drohen vor allem mit Eskalation. Ich lehne Gewalt ab, ich lehne Vorverurteilungen ab, und ich weigere mich, mich den öffentlichen Medienvertretern ein weiteres Mal zum Fraße vorzuwerfen."
Dabei seien Homo-Ehe und Adoptionsrecht nicht ihr Thema, schreibt Herman noch. Allerdings hatte sie in einem aktuellen "Compact"-Gastbeitrag behauptet, die Aufnahme des Merkmals sexuelle Identität in den Gleichheitsartikel 3 des Grundgesetzes könnte ein Einfallstor "für die Legalisierung des Kindsmissbrauch" sein, da der Begriff "nicht nur Homos, Transgenders und Intersexuelle" umfasse.
Elsässer will kämpfen

Das Originalplakat; mittlerweile kommt nur noch Thilo Sarrazin
Es ist das alte Spiel, die Täter- und Opferrolle zu vertauschen. Elsässer geht in seinem Text noch weiter und sieht sich als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit: "Von der Mainstreampresse ebenso wie von ihrem fanatisierten Prügelmob, einer SA in linker Kostümierung, werden wir – zu Unrecht! – in eine homophobe, reaktionäre Ecke gestellt", schreibt er. "Je stärker 'Compact'" wird, je mehr wir Auflage und Bekanntheitsgrad steigern, umso mehr werden wir die Angriffe der aggressivsten Kräfte des Finanzkapitals auf uns ziehen."
Nebenbei verrät er, dass der Veranstaltungsort, eine Kongresshalle am Leipziger Flughafen, den Vertrag wieder auflösen wollte – allerdings habe "Compact" das "juristisch abwehren" können.
Man wolle an dem Kongress festhalten: "Jetzt nachzugeben, hieße den Gegnern der Meinungsfreiheit und den Gegnern der Familie, im Grunde also den Gegnern der Werte unseres Grundgesetzes, das Feld zu überlassen", so Elsässer, der kritischen Medien, darunter queer.de und taz, eine Akkreditierung für den Kongress verweigerte. Für den Schutz der Veranstaltung sei durch die Polizei und "unsere eigene professionelle Security" gesorgt.
Diverse Gegenproteste

Neben Gleichstellungsgegnern aus Russland kommt auch Béatrice Bourges, eine Anführerin der Massenproteste gegen die Ehe-Öffnung in Frankreich
Direkt an dem Konferenzzentrum in Schkeuditz soll es ab 8 Uhr morgens einen Gegenprotest des linken Bündnisses No Compact geben. Es wolle "aktiv werden gegen die ungestörte Durchführung" der Konferenz.
Den ganzen Tag über finden zudem in der Leipziger Innenstadt Aktionen statt: Das Bündnis Souverän genug für Vielfalt plant Infostände, Redebeiträge, ein kleines Kulturprogramm und eine Demonstration. Am Tag zuvor ist zudem eine Gegenkonferenz geplant.
Am Montag war bekannt geworden, dass Elsässer die russische Parlamentsabgeordnete Elena Misulina für die Konferenz gewinnen konnte (queer.de berichtete). Sie ist die Autorin des landesweiten Gesetzes gegen "Homo-Propaganda". (nb)













"Jetzt nachzugeben, hieße den Gegnern der Meinungsfreiheit und den Gegnern der Familie, im Grunde also den Gegnern der Werte unseres Grundgesetzes, das Feld zu überlassen"
Meinungsfreiheit heißt nicht, dass man Meinungen nicht kritisieren darf.
Gegner der Familie? Es wäre vielleicht sinnvoll seine Meinung durch neue Erfährungen zu überdenken. Wir leben im Jahre 2013 bzw. fast 2014. Familie ist da nicht mehr nur Mutter, Vater und Kinder. Akzeptiert endlich die Wissenschaft als eine Diskussionsgrundlage und deren Studien zu dem Thema Homosexuelle und Kinder. Die Wissenschaft ist weiter als ihr, die verändert sich nämlich stetig mit neuen Erkenntnissen und bleibt nicht in der Vergangenheit stehen.
Werte unseres Grundgesetzes? Bevor man davon spricht, sollte man das Grundgesetz doch zumindest mal gelesen haben oder nicht? Haben diese Menschen anscheinend nicht.