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  • 14. November 2013 38 4 Min.

Moderator Arkady Mamontow bemühte zum Schlusswort Sodom und Gomorra

Bei der einstündigen Show wurde auch heimlich aufgenommenes Material von einer Strategiesitzung von LGBT-Aktivisten gesendet.

Von Norbert Blech

Der Staatssender "Russland-1" hat am am Dienstag eine einstündige Show ausgestrahlt, die sich als reinstes Propagandawerk gegen Schwule und Lesben herausstellte. Der Moskauer CSD-Organisator Nikolai Aleksejew, der interviewt worden war, aber nicht in der Show auftauchte, sprach von "der homophobsten Sendung im russischen Fernsehen aller Zeiten".

Die Sendereihe, in der es hauptsächlich um "Gegner" des Staates geht, setzt auf eine ungewöhnliche Mischung aus Reportagen und Talk. In der Homo-Folge zu Gast war unter anderem Vitali Milonow, der Autor des Gesetzes gegen Homo-Propaganda aus St. Petersburg.

Seine Kollegin Elena Misulina, die das landesweite Gesetz verantworte, kam in Einspielfilmen zu Wort. Wie auch LGBT-Aktivisten, die nun beklagen, dass ihre Statements nur selektiv gegen sie genutzt wurden.

Westliche Verschwörung kritisiert


Die Sendung zeigte heimlich mitgeschnittene Aufnahmen und versuchte auch sonst alles, die LGBT-Bewegung als kriminell darzustellen

Dargestellt wurde das Bild einer vom Westen unterstützten Homo-Bewegung. Dazu wurde auch heimlich mitgeschnittenes Ton-Material eines Strategietreffens des LGBT Network ausgestrahlt. In einem eingespielten Schnipsel bedankt sich der Aktivist Igor Koschetkow bei "allen westlichen Organisationen und jedem, der uns unterstützt hat".

"Ausländer sind besorgt, dass die Homosexualisierung Russlands zu langsam geht", sagt dazu die Stimme aus dem Off. Der Mitschnitt sei ein Beispiel "der exzessiv radikalen, aggresiven Progaganda" Homo­sexueller, die Russland zu einem "Krieg" mit dem Westen führen könnte.

Möglich sei eine "schwule Revolution, in der sich der Westen offen in Russlands interne Angelegenheiten einmischt", sagte auch der Putin-nahe politische Kommentator Alexei Mukhin in der Sendung. Der Reporter der Filmbeiträge sagte, "der Angriff auf Russland" sei bereits in vollem Gang, das Land solle mit der "massiven LGBT-Propaganda" zu einer Homo-Ehe gezwungen werden.

Moderator Arkadi Mamontow las zum Schluss Bibelzitate zu Sodom und Gomorra vor und warnte, "dass wir Familientraditionen behalten sollen, traditionelle Liebe, sonst enden wir nicht nur mit dem Meteor von Tscheljabinsk, sondern vielem mehr."

Strafanzeige und Sorge

Das russische LGBT-Network hat inzwischen angekündigt, Strafanzeige wegen Volks­verhetzung stellen zu wollen. Nikolai Aleksejew plant für den 26. November eine Demonstration vor dem Gebäude des Senders. Aktivisten sind besorgt über die heimlichen Mitschnitte, die nach der Befürchtung einiger Aktivisten vom Inlandsgeheimdienst kommen könnten. Als queer.de vor zwei Jahren vor Ort von den Planungen zum CSD in Moskau berichtete, äußerten Aktivisten bereits die Befürchtung, vor der verbotenen Demonstration ausgehorcht und beschattet zu werden.

Auch gibt es Sorge unter Aktivisten, die Sendung könnte erneut zu Anklagen nach dem Gesetz gegen "internationale Agenten" führen. Entsprechende Prozesse gegen die St. Petersburger Organisationen Coming-out und Side by Side hatten zwar zu Freisprüchen geführt, allerdings teils aus formalen Gründen. Auch musste das LGBT-Filmfestival seine Organisationsform ändern, eine bereits bezahlte Strafe bekam es so nicht zurück.

Fragen an die Europäische Rundfunkunion


Elena Misulina kam auch zu Wort, unter Olympischen Ringen

Die homophobe Sendung wirft auch neue Fragen an die EBU auf, "Russland-1" ist Teil des Sendernetzwerks und strahlt in Abwechslung mit einem anderen staatlichen Sender den Eurovision Song Contest aus.

Vor einigen Wochen hatte der "Stern" berichtet, ESC-Verantwortliche des "Stern" hätten einen "Warnbrief" an die beiden russischen Sender verschickt (queer.de berichtete). In Wirklichkeit wurden den Sendern in dem Brief vier Fragen gestellt, um "akkurate Antworten auf Anfragen der Presse" geben zu können.

Konkret wurden die Sender befragt, ob sie einen homo­sexuellen Kuss in der Show auch nach dem neuen Gesetz ausstrahlen würden und ob dieser bei einer Austragung in Russland möglich wäre. Zudem wurde allgemein nach Auswirkungen des neuen Gesetzes auf eine mögliche Ausrichtung gefragt und ob Sender und Regierung für "Delegationen, Medienvertreter und Fans" Redefreiheit garantieren könnten.

Als "Warnbrief" kann man das Schreiben auffassen, weil es darum bittet, bis zur nächsten Sitzung der Eurovision-Verantwortlichen zu antworten – Mitglieder der Reference Group hatten der Presse auch gezielt gesteckt, dass einzelne Länder eine Teilnahme bei einem ESC in Russland überdenken würden. Allerdings soll Eurovision-Supervisor Sietse Bakker inzwischen gesagt haben, dass die Antworten vorliegen und man mit ihnen zufrieden sei.

Sollte Russland den Contest durch einen Gewinn des Festivals erneut austragen, droht der EBU spätestens nach dieser homophoben Sendung eine Diskussion, wie sie die Veranstalter eines anderen Großereignisses seit Monaten quält. Zu der Anti-Homo-Propaganda blendete "Russland-1" die Olympischen Ringe ein.

Youtube | Die komplette Sendung
-w-

#1 ARD und ZDFAnonym
  • 14.11.2013, 12:05h
  • Wir werden Faschismus auch weiterhin nicht Faschismus nennen.
  • Direktlink »
#3 FinalmSposatoEhemaliges Profil
  • 14.11.2013, 12:21h

  • Russische Fernsehstationen dürfen nichts positives über LGBTI senden.

    Dann kommt sowas dabei raus.
    Und tausende Schwule Jugendliche in diesem riesigen Land werden sich demnächst wieder das Leben nehmen.

    Man sollte alle russischen TV-Stationen aus der EBU rausschmeissen und eine Teilnahme dieses Faschostaates am ESC verhindern.
  • Direktlink »