https://queer.de/?20695
Politisch nicht korrekte Comic-Satire
Al-Qaida-Kämpfer in der Christopher Street
- 24. Dezember 2013 5 Min.

Ein Dreier für den Dschihad: Terrorist Mahmoud macht in New York City ganz neue Erfahrungen... (Bild: Northwest Press)
Der Comic "Al-Qaeda's Super Secret Weapon" ist ein satirischer Schlag ins Gesicht muslimischer Extremisten: Ein Geheimagent aus Afghanistan will die US-Streitkräfte mit Homosexualität zersetzen – und muss am eigenen Leib erfahren, wie kompliziert schwules Leben ist.
Von Kevin Clarke
Jedem Buch, das mit einer "vorbeugenden Fatwa" beginnt und gleich im ersten Absatz den Satz enthält, "Fatwas sind wie Arschlöcher, jeder hat eins", schenke ich gern meine volle Aufmerksamkeit. Denn gerade in unseren politisch überkorrekten Zeiten, wo viele Angst haben, selbst fundamentalistischen Vertretern des Islam auf die Füße zu treten, egal wie verabscheuungswürdig sie ihr Verhalten finden, gerade in diesen Zeiten also ist es erfrischend, dass ein Autor wie David Zelman aus Los Angeles die ganze hirnverbrannte Logik von "Der böse Westen vs. die guten Muslime" gehörig auf die schwule Schippe nimmt.
Selbst auf die Gefahr hin, dass sich Apple (natürlich) weigert, diese pornographisch explizite Politik-Farce via iBooks zu verkaufen. Auch sonst haben sich zwölf Druckereibetriebe geweigert, das Buch zu drucken, aus Angst, auf Terror-Listen zu laden und in die Luft gesprengt zu werden. Auch der Berliner Bruno Gmünder Verlag lehnte das Buch ab, als es ihm angeboten wurde, Pornoelemente hin oder her.
Letztendlich hat der bekannte schwule US-Comic-Verlag Northwest Press das zirka 60-seitige englischsprachige Werk "Al Qaeda's Super Secret Weapon" herausgegeben und bietet es als Download an; man kann es aber auch bei Amazon in gedruckter Fassung bestellen.
Auch die Gay Community bekommt ihr Fett weg

Der Bruno Gmünder Verlag traute sich nicht, den Comic zu drucken – nun ist er bei Northwest Press erschienen
David Zelman hatte bereits zuvor unter dem Pseudonym "Pastor Brett Pirkle" einen Comic geschrieben, der sich genussvoll radikalen Christen und pädophilen Priestern widmet: "The Intelligent Design Coloring Book" mit dem Zusatz "100% Fact Free". Nun wendet er sich Al-Qaida-Kämpfern und ihrer kruden Weltsicht zu, wobei der Humor nie einseitig auf Kosten der Muslime geht, sondern gut verteilt alle trifft, besonders auch die Gay Community, deren Disco/Drogen/Sex-Fokussierung Zelman kritisch kommentiert.
Es geht im Comic um Folgendes: In einem kleinen afghanischen Wüstenlager überlegt eine Hand vollreligiöser Vorkämpfer, wie sie die übermächtige US-Armee zu Fall bringen könnte. Die Idee ihres smarten Anführers ist, eine Truppe pseudo-schwuler Helden in die US-Streitkräfte einzuschmuggeln. Sie sollen die nach der Abschaffung von "Don't Ask, Don't Tell" verunsicherten homophoben US-Soldaten so durcheinanderbringen, dass sie kampfunfähig werden. Natürlich müssen die auserkorenen arabischen Terroristen zuerst lernen, sich als glaubwürdige westliche Schwule zu tarnen, indem sie in amerikanischen Metropolen das Verhalten dieser Spezies genauer studieren und kopieren…
Daraus ergibt sich eine haarsträubende Geschichte, denn der Held des Comics, Mahmoud ("Al-Qaida-Agent 333"), verliebt sich in sein blondes Studienobjekt, das wiederum den stoppligen Terroristen-Look "heiß" findet. Während Mahmoud einen Crash-Kurs in Sachen Gay Lifestyle bekommt, erlebt er als Frischverliebter auch die Höhen und Tiefen des schwulen Beziehungslebens, inklusive Eifersucht, als es zum ersten Dreier zur obligatorischen Beziehungsauffrischung kommt.

In seiner Eifersucht besinnt sich Mahmoud auf den ursprünglichen Plan und tritt der US-Army bei. Wie er dort unter der Dusche und im Schlafsaal versucht, für schwules Chaos zu sorgen, ist die zweite extrem komische Komponente des Buchs. Es werden dabei wiederum alle Klischees durch den Kakao gezogen. Die Army beendet schlussendlich den Kampf gegen Al Qaida und feiert mit deren Jungs lieber eine ausgelassene Disconacht.
Der US-Präsident sprengt derweil Teile der muslimischen Welt selbst in die Luft, aber Mahmoud und sein Liebster sind daheim in New York wieder vereint, während der Präsident mit seinem Pentagon-Chef die Homo-Liebe entdeckt. Eine einzige große glückliche Familie sozusagen, die sich zum Happy End vögelt. Während erst Islamabad und New Delhi von Atombomben getroffen werden, dann Washington und New York. Das Happy End ist also ein kurzes Vergnügen.
"Hot Arabs" als schwule Überlebensstrategie

Homo-Kunde für Terroristen: Das Verhalten von Männern unter der Dusche (Bild: Northwest Press)
Autor Dave Zelman hat sich entschieden, die Geschichte mit sexuell eindeutigen Passagen zu spicken, die aussehen wie Szenen aus einem der "arabischen" Pornos vom Raging Stallion. Nur viel amüsanter, versteht sich. Aber Mahmoud ist in der Tat "heiß" und sein stoppliger Terroristen-Look wirklich attraktiv.
Kulturforscher Mischa Gawronski hatte erst kürzlich die These aufgestellt, dass Schwule die Gabe besitzen, Angstobjekte wie beispielsweise Muslim-Terroristen in Lustobjekte umzuinterpretieren – als Überlebensstrategie; daher die Flut von Araber-Pornos und "Hot Arabs" im Netz. Denn durch die Neuinterpretation nehmen Schwule dem feindlichen Gegenüber die Bedrohlichkeit, eine Strategie, die sie bereits in den 1980er und 90er Jahren im Zusammenhang mit Skins und Neonazis angewandt hatten.
Zelman selbst sagt, er habe seinen Comic geschrieben, weil er Araber so begehrenswert findet. Terrordrohungen hat er bislang nicht erhalten – vermutlich weil Al-Qaida-Kämpfer das Buch auf ihrem iPhone 5 nicht bei iBooks finden konnten (Apple sei Dank!). Dafür hat ein Literaturagent den Stoff zur Firma Fox mitgenommen, um zu eruieren, ob man daraus nicht einen Film machen könnte. Was angesichts der allgemeinen politischen Ausrichtung der Fox Broadcasting Company, die zu Rupert Murdochs News Corporation gehört, schon die ultimative Pointe wäre. Allerdings läuft bei Fox auch die LGBT-Serie "Glee" von Ryan Murphy, der als Regisseur Mahmoud & Co. sicher ideal zum Tanzen bringen könnte…
Kurz: "Al-Qaeda's Super Secret Weapon" ist ein hochamüsantes Buch, das man als schwulen Befreiungsschlag sehen kann, als wichtigen Meilenstein in der Überwindung der Homophobie in Teilen der muslimischen Welt. Vielleicht sollte man den Comic zur Zwangslektüre von Al-Qaida-Sympathisanten erklären, um die Welt 2014 zu einem friedlicheren Ort zu machen?

Links zum Thema:
» Mehr Infos zum Buch und Bestellmöglichkeit bei Amazon
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.















