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Anklage gegen weiteren "Occupy"-Anführer geplant
Russland: Neue Razzia gegen Selbstjustiz-Bewegung
- 26. Dezember 2013 2 Min.

Philip Razinsky (r.) mit einem seiner Opfer
Die Moskauer Polizei durchsucht die Wohnung des homophoben Jung-Neonazis Philip Razinsky und bestellt ihm zum Verhör. Auch ihm droht eine Anklage wegen der Videos, in der schwule Jugendliche vorgeführt werden.
Die Polizei der russischen Hauptstadt hat am Donnerstag die Wohnung eines 16-Jährigen Neonazis durchsucht, der für viele Videos verantwortlich ist, in denen junge Schwule zu einem Date gelockt und dann teilweise gewalttätig vorgeführt werden.
Der Nationalist Philip Razinsky, der sich in sozialen Netzwerken den Nachnamen Dönitz nach Karl Dönitz gibt, hatte die Gruppe "Occupy Gerontophilia" gegründet, deren Opfer oft besonders jung waren. Videos der Vorführungen verbreitete die Gruppe über soziale Netzwerke. Oft wurden die vorgeführten Jugendlichen gezwungen, ihre Eltern oder Freunde per Handy über ihre Homosexualität zu informieren, während sie dabei gefilmt wurden (queer.de berichtete).
Im Beisein seines Vaters wurde Razinsky später im Büro eines Staatsanwalts verhört. Ihm soll eine Anklage wegen Volksverhetzung und menschenunwürdiger Erniedrigung bevorstehen. Sein viel beachtetes Profil in der russischen Facebook-Variante hat Dönitz inzwischen auf privat gestellt.
Gründer der Bewegung international gesucht

Maxim Martsinkewitsch (r. mit Razinsky) wird international gesucht und ruft seine Anhänger zu Spenden für seine Flucht auf
Lange hatten die Behörden Anzeigen gegen Razinsky und andere Neonazis ignoriert, im Falle einer anderen "Occupy"-Gruppe aus Tambow, bei der ein vorgeführtes Opfer erst zwölf Jahre alt war, wurden begonnene Ermittlungen gar eingestellt (queer.de berichtete). Gegen eine weitere Gruppe aus Kamensk-Uralski, die besonders gewalttätige Videos produzierte, wird noch ermittelt (queer.de berichtete).
Alle "Occupy"-Gruppen in Russland und anderen Ostblockstaaten gehen auf den vorbestraften Neonazi Maxim Martsinkewitsch und seine "Occupy Pedophilia"-Bewegung zurück. Gegen diesen liegt inzwischen ein internationaler Haftbefehl vor: Er wurde wegen mehrerer gewalttätiger Videos und der Anstiftung zum Rassenhass angeklagt. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft.
Offenbar stehen die Ermittlungen gegen Razinsky mit diesem Verfahren in Zusammenhang: Der Jugendliche war einst Assistent von Martsinkewitsch, bevor er seine eigene Gruppe gründete. Die Behörden erhoffen sich von ihm vielleicht auch Hinweise auf den Aufenthaltsort des geflüchteten Neonazis.
Weitere Verhaftung in Spanien

In Spanien stritt die Gruppe "Proyecto Pilla Pilla" zunächst die Verwandtschaft zu den russischen ab
Die Selbstjustiz-Videos hatten zu internationaler Empörung, aber auch zu Nachahmern geführt. So tauchten vor wenigen Wochen auch aus Spanien Videos einer Gruppe auf, die sich am russischen Vorbild orientierte (queer.de berichtete). Die Behörden in Barcelona hatten allerdings schnell gehandelt: An diesem Montag wurden vier Jugendliche festgenommen (queer.de berichtete), am Mittwoch ein fünfter. Sie sollen wegen Aufwiegelung zum Hass aufgrund sexueller Orientierung und einem Verstoß gegen die öffentliche Moral und Ordnung angeklagt, ihre Webseiten und Gruppen in sozialen Netzwerken geschlossen werden. (nb)















Sehen Sie demnächst in diesem Theater die Neuinszenierung der burlesken Komödie "Nackichtes Männlein zu Pferde".