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"Ausufernd"
DFL kritisiert Hitzlsperger-Berichterstattung
- 21. Januar 2014 2 Min.

Titelseite einer Berliner Boulevardzeitung
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) ist unzufrieden, wie die Medien mit dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger umgegangen sind.
"Ich war nicht glücklich über die meiner Meinung nach ausufernde Berichterstattung zu diesem Thema, das nichts anderes betrifft als eine natürliche Sache, die sexuelle Orientierung eines Menschen", erklärte Ligapräsident Reinhard Rauball nach dpa-Angaben beim DFL-Neujahrsempfang in Frankfurt. Er persönlich könne einem aktiven Profi nach wie vor nicht zu einem vollständigen Coming-out raten, weil er die Folgen "nicht abschätzen" könne. Allerdings empfiehlt er schwulen Fußballern, sich "im Rahmen des Arbeitsumfeldes", also bei Trainern, Mitspielern und der Vereinsführung, zu outen.
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert kritisierte ebenfalls die Berichterstattung, weil diese einem "entspannten Umgang" mit dem Thema eher abträglich gewesen sei. Das könne dazu führen, dass der betroffene Spieler zu "einer Ikone" der Schwulenbewegung werde – dann sei ihm verwehrt, "einfach nur Fußballer" zu sein.
Hitzlsperger hatte sich vor rund zwei Wochen in einem "Zeit"-Interview als erster ehemaliger deutscher Fußballprofi als schwul geoutet (queer.de berichtete). Er äußere sich über seine sexuelle Orientierung, "weil ich die Diskussion über Homosexualität unter Profisportlern voranbringen möchte", sagte er damals. Damit schaffte er es auf die Titelseite aller großen deutschen Zeitungen und Zeitschriften. Das Thema wurde unter anderem auch in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" behandelt (queer.de berichtete). Der 31-Jährige, der mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde, ist dabei von allen Seiten Respekt gezollt worden.
Öffentliche Kritik kam lediglich von Extremisten oder Populisten wie AfD-Chef Bernd Lucke. Er hatte Hitzlsperger "keinen besonderen Mut" attestiert und ihm ein Bekenntnis zur heterosexuellen Ehe und Familie empfohlen (queer.de berichtete). (dk)















Die Einlassungen von Rauball und Seifert sind ein katastrophaler Offenbarungseid für das Klima im deutschen Profifußball und zeugen von der latenten Homophobie, die dort selbst im Kreis der Funktionäre vorherrscht.
Lippenbekenntnisse und Sonntagsreden, um der PC zu entsprechen. Aber wenn's drauf ankommt lieber darauf hinweisen, dass Homosexualität nicht sichtbar sein sollte. Einen entspannten Umgang gibt es also nur, wenn die Homosexualität eines Spielers geheim bleibt.