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Baden-Württemberg
Streit um Bildungsplan in Landtag und Talkshow
- 21. Januar 2014 2 Min.

Die homophobe Petition gegen den Bildungsplan kommt inzwischen auf fast 155.000 Unterzeichner aus ganz Deutschland
Die CDU hat für Mittwoch eine aktuelle Debatte beantragt. Zum SWR-"Nachtcafé" ist auch der Generalsekretär der evangelikalen Deutschen Evangelischen Allianz eingeladen.
Eine Online-Petition gegen Pläne der baden-württembergischen Landesregierung, im Rahmen einer Überarbeitung des Bildungsplans Schüler ausführlich über sexuelle Vielfalt aufzuklären und Vorurteile über Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender abzubauen, sorgt weiter für Streit.
So hat die CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag für den Mittwoch eine aktuelle Debatte zu dem Thema beantragt – unter dem Titel "Spaltet ein ideologisierter Bildungsplan unser Land?" Für diesen ersten Tagespunkt um 9 Uhr sind 40 Minuten angesetzt. Die Debatte lässt sich über die Homepage des Landtags live verfolgen – queer.de wird danach eine Zusammenfassung bieten.
Unter dem Titel "Schwul, lesbisch, hetero – wirklich selbstverständlich?" befasst sich am Freitag zudem die SWR-Talkshow "Nachtcafé" mit dem Thema. Zu der Show mit Wieland Backes eingeladen ist Gabriel Stängle, der die Petition erstellt hat. "Ich habe nichts gegen Homosexuelle, ich finde nur, dass eine kleine Gruppe nicht unsere demokratische Grundordnung torpedieren sollte", wird er auf der Homepage der Sendung zitiert.
Für die Gegenseite lässt die Sendung Kultusminister Andreas Stoch (SPD) zu Wort kommen, ebenso wie Stephan Schmidpeter, dessen 17-jähriger Sohn Michael sich nach homophoben Mobbing das Leben genommen hatte. Die Kirchengemeinderätin Traudl Fuchs erzählt von ihrem Einsatz für ihren schwulen Sohn, Bent Vansbotter von seinem Leben mit Mann und Pflegekind. Auch die lesbische "taz"-Chefin Ines Pohl hält die Petition für "populistische Stimmungsmache".
Neben Stängle als einziger Befürworter wurde noch Hartmut Steeb eingeladen, der Generalsekretär der evangelikalen Deutschen Evangelischen Allianz, der Homosexualität früheren Aussagen zufolge für veränderbar hält. In "The European" bezeichnete er den Bildungsplan als "Diktion einer sexuellen Minderheiten-Interessengruppe", die gegen das Naturrecht verstieße: "Die Nachhaltigkeit sexueller Entfaltung durch Kinder, die ein Recht auf Vater und Mutter haben (…) wird geopfert auf dem Altar sexueller Lust und Beliebigkeit. Homosexualität, Transgender, Polyamoröses Leben – folgerichtig dann ja auch Polygamie – soll als gleichwertig anerkannt und gefördert und beschult werden." (nb)















Ich finde es sehr schade, dass die Grün-Rote Landesregierung von Baden-Württemberg es offenbar nicht für notwendig erachtet hat, im Vorfeld der Ausarbeitung des Bildungsplans, eine möglichst breite Elternbeteiligung anzustreben. Das Ausmaß der Proteste von Eltern ist jedenfalls bemerkenswert. Nichts festigt Trotz gehört Homosexualität selbstverständlich in den schulischen Aufklärungsunterricht. Aber eine intellektuelle Überfrachtung bereits im Vorschulalter, scheint mit sicher nicht zielführend. Vielleicht sollte die Landesregierung von Baden-Württemberg nochmals in sich gehen und das Vorhaben auf eine breitere, gesellschaftliche Basis stellen.