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  • 23. Januar 2014 69 4 Min.

Im Erfurter Landtag wird wie zuvor in Stuttgart darüber gestritten, ob Toleranz ein Bildungsziel sein soll (Bild: Wiki Commons / TomKidd / CC-BY-SA-2.0)

Im Landtag von Erfurt streiten die Parteien darüber, ob mehr LGBT-Themen in Schulen behandelt werden sollen: Die CDU tut sich schwer damit, die FDP hat sogar Angst um die Kinder, wenn diese zu viel über Toleranz lernen.

Von Dennis Klein

Einen Tag nach dem baden-württembergischen Landtag debattierte auch das Parlament von Thüringen am Donnerstag über Schulaufklärung. Die Grünen hatten beantragt, "sexuelle und geschlechtliche Vielfalt" im Thüringer Bildungswesen zu verankern (Drucksache 5/6835). Die Forderung: Homo-, Bi- und Transsexualität sollten fächerübergreifend als gleichwertig mit Heterosexualität dargestellt werden, so dass ein Coming-out für Jugendliche erleichtert wird.

Bei der ersten Debatte am Donnerstagnachmittag erklärte die Grünenabgeordnete Astrid Rothe-Beinlich, dass "eine ausschließliche Betrachtung einer heteronormativen Gesellschaft der heutigen Lebenssituation nicht gerecht" werde. Sie sehe "dringenden Handlungsbedarf", da in Studien deutlich werde, dass homo- oder transsexuelle Schüler noch immer zu wenig unterstützt werden würden. Es mangele besonders an spezifischen Bildungsangeboten für Lehrer, die in dieser Frage auf Unterstützung angewiesen seien.

Selbst Lehrer outen sich nicht


Astrid Rothe-Beinlich (Grüne)

Die Sozialdemokraten, die derzeit in einer Koalition mit der CDU das Land regieren, stimmten den Grünen weitgehend zu. Der SPD-Abgeordnete Hans-Jürgen Döring sagte in der Debatte, dass der Anti­diskriminierungsgedanke zwar im thüringischen Schulsystem integriert sei, aber die Realität komplexer sei. Er selbst kenne homo­sexuelle Lehrer, die sich aus Angst nicht outeten. Dies sei zwar ein gesamtgesellschaftliches Problem, müsse aber auch im Bildungsbereich angegangen werden. Insbesondere kritisierte er, dass homophobe Schimpfworte allgegenwärtig seien. So sei es ganz normal, strenge Lehrer als "Schwuchteln" zu diffamieren. "Hier braucht es verstärkte Aufklärung und Sensibilisierung", so Döring. Er sei sich aber nicht sicher, ob dafür wie von den Grünen gefordert ein Landesprogramm notwendig sei.

Die Linksfraktion unterstützt den grünen Verstoß dagegen uneingeschränkt: Dirk Möller erklärte in seiner Rede, die Situation in Russland zeige, "wie weit Angst vor sexueller Andersartigkeit getrieben werden kann". Homophobie beruhe aber lediglich auf Unkenntnis. "Das Zurückführen von Homophobie geht nur, wenn man Angst und Unwissen zu diesem Thema beseitigt", so Möller.

"Man muss manche Dinge einfach nicht so breit erörtern"


Franka Hitzing (FDP)

Dieser Appell prallte an Franka Hitzing ab. Die Landesvizechefin der FDP erklärte zunächst, dass Homosexualität "weitgehend" ihr Stigma verloren habe, was den "Errungenschaften der freiheitlichen Gesellschaft" zu verdanken sei. Zwar gebe es noch Probleme, Bedenken habe sie aber eher, wenn Schüler sich zu sehr mit dem Thema Gleichstellung beschäftigten. "Man muss manche Dinge einfach nicht so breit erörtern", glaubt die Liberale.

Sie äußerte außerdem die Befürchtung, dass Schulaufklärung über LGBT-Themen heterosexuellen Jugendlichen schaden könne: Die Schule solle sich nicht so sehr mit Transsexualität beschäftigen, sie habe sich "um jedes Kind zu kümmern". In Richtung des grünen Erzfeindes empörte sie sich: "Ja, was verlangen Sie von unseren jungen Leuten?" Das könne man "Kindern nicht zumuten".

In ihrer Rede spielte sie auch die Bedeutung homophober Schimpfwörter herunter. Diese würden sich im Laufe der Zeit eben verändern, so Hitzing. Vor 20 Jahren habe man "dumme Schweine" gesagt, nun heiße es "du Schwuler". Diese Gleichsetzung führte zu Unruhe und Protesten im Parlament.

Der CDU-Abgeordnete Volker Emde gab schließlich den Pateipolitiker und ging auf die Grünen los, indem er ihren Antrag mit dem "Veggie Day" aus dem Bundestagswahlkampf 2013 gleichsetzte. Dieser sei auch ein "dirigistischer Eingriff". Insgesamt stellte er dem thüringischen Schulsystem eine gute Note in dieser Frage aus: Bereits jetzt sei das LGBT-Thema "vielfältig in Lehrplänen verankert", etwa in Projektarbeiten. "Ich wende mich prinzipiell dagegen, die Schule als Reparaturbetrieb für alles und jedes zu missbrauchen", so Emde.

Am Ende ergriff Staatssekretär Thomas Deufel (SPD) das Wort, der seit 2001 in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt. Er lobte die Fortschritte in den letzten Jahrzehnten. Immerhin sei der homophobe Paragraf 175 erst vor 20 Jahren abgeschafft worden. Allerdings widersprach er den Rednern von CDU und FDP, die bereits jetzt kaum Diskriminierung mehr erkennen können: "Wir müssen dazu kommen, dass Emanzipation und das Vertreten eigener Lebensformen nicht Kraft kostet, nicht Mut braucht, sondern selbstverständlich wird".

Immerhin wird jetzt über den Antrag im Ausschuss für Wissenschaft und Kultur gesprochen. Die Überweisung erfolgte mit Zustimmung aller Fraktionen, nur drei Abgeordnete der CDU stimmten dagegen.

-w-

#1 Timm JohannesAnonym
  • 23.01.2014, 19:37h
  • Mitterlweile wird das Thema aufgebauscht; auch hier im Artikel von Dennis Klein.

    Mehr Sachlichkeit würde dem Thema helfen, anstatt das es von Journalisten "hochgejubelt" wird.
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#2 Eva BrunneAnonym
#3 David77Anonym
  • 23.01.2014, 19:53h
  • Antwort auf #1 von Timm Johannes
  • Ach nee... sonst wird von gewissen Usern immer wieder aufgebauscht welche Partei wen verraten habe und User als linke Socken, nee, ähm "Kleinhirne" verschrien, selbst wenn sie nicht die Linke oder überhaupt nicht wählen.

    "Mehr Sachlichkeit würde dem Thema helfen"

    Ja, das meine ich auch.

    Wer hat uns (nicht nur 1982) verraten?
    Soz... ähmm FREIE DEMOKRATEN!

    Fast Drei Prozent!
  • Direktlink »