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- 27. Januar 2014 3 Min.

CDU-Fraktionschef Peter Hauk will trotz der Umfrage an seiner Linie festhalten
Im Südwesten gibt es eine Mehrheit für bessere Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität, sogar unter CDU-Wählern.
Die Mehrheit der Baden-Württemberger spricht sich dafür aus, sexuelle Vielfalt im Unterricht zu behandeln, um Verständnis und Toleranz zu fördern. In einer am Wochenende veröffentlichten Emnid-Umfrage im Auftrag des Kampagnennetzwerks Campact gaben 60 Prozent der Befragten an, dem Bildungsplan der Landesregierung zuzustimmen. 35 Prozent lehnten ihn ab.
Für den Bildungsplan gibt es demnach eine Mehrheit bei Anhängern aller im Landtag vertretenen Parteien: So unterstützen selbst 53 Prozent der CDU-Wähler die Pläne von Grün-Rot, 43 Prozent lehnen ihn ab. Bei FDP-Wählern sind sogar 74 Prozent dafür, dass das Thema sexuelle Vielfalt in den Schulen behandelt wird. Vergangene Woche hatten Christdemokraten und Liberale im Stuttgarter Landtag noch Front gegen die Schulaufklärung gemacht (queer.de berichtete).
CDU-Fraktionschef Peter Hauk beteuerte nach Bekanntwerden der Zahlen, dass er weiter gegen Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität kämpfen werden: "Dieses Thema eignet sich nicht für Zahlenspiele", sagte er nach dpa-Angaben. Die aktuelle Umfrage ändere nichts an den Sorgen der Menschen im Ländle. "Unzählige Mails erreichen uns täglich mit der Bitte, gegen die Pläne der Landesregierung vorzugehen". Ihm seien die Pläne zu einseitig auf Homosexuelle ausgerichtet, so Hauk. Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand forderte die CDU auf, zur "Versachlichung der Debatte" beizutragen. Auch ihm sollte daran gelegen sein, "unbegründete Ängste abzubauen – und diese nicht aus parteitaktischen Gründen zu schüren".
Am höchsten liegt die Unterstützung bei Anhängern der Grünen, von denen 80 Prozent den Bildungsplan befürworten. Einzig Anhänger der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), die bislang nicht im baden-württembergischen Landtag vertreten ist, haben sich mehrheitlich gegen den Bildungsplan ausgesprochen, wenn auch äußerst knapp mit 48 zu 52 Prozentpunkten. Die AfD unterstützt offen die homophobe Petition des Lehrers Gabriel Stängle, die vor einer "Umerziehung" von heterosexuellen Schülern warnt und fordert, Homosexuelle zu tabuisieren (queer.de berichtete).
Vier von fünf finden Hitzlspergers Coming-out gut
Campact ließ fragen, wie das Coming-out des ehemaligen Fußballprofis Thomas Hitzlsperger von den Baden-Württembergern bewertet wird. 79 Prozent gaben an, das "Bekenntnis" sei gut, nur zwölf Prozent halten es für nicht gut. Hitzlsperger wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister.
"Die Emnid-Umfrage zeigt das wahre Gesicht Baden-Württembergs. Toleranz hat im Ländle eine gute Tradition. Dazu gehört heute auch die Akzeptanz von Vielfalt bei den sexuellen Orientierungen", sagte Maritta Strasser von Campact. "Insbesondere der CDU sollte es zu denken geben, dass eine Mehrheit ihrer Anhänger die zögerliche Haltung gegenüber Aufklärung im Unterricht ablehnt.
Insgesamt hatte TNS Emnid vom 20. bis 23. Januar ein tausend Menschen aus Baden-Württemberg befragt. (dk)
Links zum Thema:
» Details zur Umfrage (PDF)















Die Bücher zur Psychologie, Arbeitsrecht, Familienbildung müssen geändert werden. Das ganze System ist veraltet. Z. B. Familien der aktiven und passiven Fortpflanzung als optimale Gestaltung der futuristischen Ehen.