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Recherchen des Magazins "Fakt"
MDR: CDU in Sachsen-Anhalt in Homo-"Heilung" verwickelt
- 28. Januar 2014 5 Min.

Angebote zur "Heilung" Homosexueller in Deutschland rücken einmal mehr in den Mittelpunkt
Führende Politiker sind an einem Verein beteiligt, der Seminare zum "psychischen Problem" Homosexualität anbietet. Linke beantragt Landtagsdebatte.
Von Norbert Blech
Skandal in Sachsen-Anhalt: Nach Recherchen des TV-Magazins "Fakt" sitzen führende Köpfe der Christdemokraten im Kuratorium eines Vereins, der Seminare anbietet, in denen Homosexualität als psychische Krankheit bezeichnet wird.
Der Verein "Gesellschaft für Lebensorientierung" wurde von dem früheren CDU-Landtagsabgeordneten Bernhard Ritter im Ort Bennungen im Landkreis Mansfeld-Südharz gegründet. Im Kuratorium sitzen der ehemalige Ministerpräsident des Landes und heutige Bundestagsabgeordnete Christoph Bergner und der aktuelle Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, André Schröder.
Laut dem MDR sagte Ritter in einem der Seminare, die Strukturen psychischer Erkrankungen seien ähnlich: "Ob Depression oder Homosexualität oder irgendetwas anderes, die haben ganz viele gleiche Gesetzmäßigkeiten". In einem Buch hatte Ritter 1998 geschrieben: "Wir sehen in jeder Form der Homosexualität eine Entwicklungsstörung. Deshalb halten wir den Rat, Homosexualität als eine normale Gegebenheit im Leben zu akzeptieren und entsprechend zu leben, für schädlich und verantwortungslos."
Der "Fakt"-Beitrag soll in dem Magazin am Dienstagabend um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt werden. Einem Vorabbericht ist nicht zu entnehmen, an wen sich die Seminare richten und was genau sie beinhalten. In einem Gastbeitrag für das Gemeindenetzwerk beschrieb Ritter 2011 allerdings die "Therapieformen" seines Vereines, die "Methoden zur objektiven Selbsterkenntnis und Methoden zur Behandlung des chronischen Selbstmitleides und der Minderwertigkeitskomplexe" umfassen.
"Ausprügeln" von Homosexualität

Das 1992 erschiene Buch "Das Drama des Homosexuellen" ist bei amazon über Drittanbieter erhältlich, wie auch "Selbsttherapie von Homosexualität" vom gleichen Autor
Nach Angaben des MDR orientiert man sich in den Seminaren an dem niederländischen Psychologen Gerard J. M. van den Aardweg. Dieser sei "ein besonders homopher Therapeut, der extrem menschenfeindliche Ansichten und Therapiekonzepte vertritt", so Hartmut Rus von der Mission Aufklärung des LSVD zu queer.de. "Vor allem seine Bücher zur Selbstherapie sind meiner Meinung nach gefährlich für Betroffene."
Was Rus mit "menschenfeindlich" meint, wird einem schnell klar bei einem Blick in den Aardweg-Klassiker "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen", den er in Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft der Offensive Junger Christen bei einem deutschen Verlag publizierte. Als "Gegenmittel mit Sofortwirkung" werden etwa Methoden des "Ausschimpfens" und des "Durchprügelns" empfohlen.
Letzteres ist eine Art Anschreien mit Gewaltandrohung: "Los, hinunter mit der Flasche Blausäure, dann kannst du dich auf dem Boden wälzen, dann weißt du wenigstens, wieso du hier herumschreist", nennt er ein Beispiel. Ein anderes: "Ich habe große Lust, dich zum Fenster hinauszuwerfen, dort unten in die Dornenbüsche, und das tue ich jetzt auch! Hier bekommt du eins mit einem Rohr aus Blei über. Da hast du einen Fußtritt, dass du mitten durchbrichst."
Homosexualität ist für van den Aardweg eine "Krankheit aus Selbstmitleid", eine Neurose von Menschen mit einer "Doppelpersönlichkeit". "Homosexuelle Pädofilie ist in unserer Definition mit eingeschlossen", so der Therapeut.
CDU weist Kritik zurück

CDU-Fraktionschef André Schröder spielt das Thema herunter
Der frühere Ministerpräsident Bergner sagte gegenüber "Fakt", man habe sich im Kuratorium nie mit den Thesen zur Homosexualität beschäftigt. Er persönlich habe die Ansicht, Homosexualität sei therapierbar, "immer für falsch gehalten". Bergner, der seit 2002 im Bundestag sitzt und bis zum Regierungswechsel Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium war, hatte im Bundestagswahlkampf 2009 für Schlagzeilen gesorgt, als er homosexuellen Jugendlichen eine "massive Persönlichkeitsstörung" unterstellt hatte (queer.de berichtete).
Fraktionschef Schröder sagte laut dem Magazin, bei der Arbeit des Vereins müsse man die Gesamtheit der Angebote berücksichtigen und sehen, "was man an Förderung des bürgerschaftlichen Engagements an der Vereinsarbeit selber vor Ort hat". Was er nicht wolle, sei die Reduzierung des Vereins "auf wenige kontroverse Thesen, wie sie einzelne Mitglieder vertreten".
Via Facebook ließ Schröder später mitteilen: "Wir sind dafür: Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften tolerieren und die Ehe von Mann und Frau besonders schützen. Fakt ist, dass Homosexualität keine Krankheit ist!" Die Fraktion der Linken hat inzwischen eine Aktuelle Debatte im Landtag zum Thema "Öffentliche Auseinandersetzung zum Umgang mit Homophobie" beantragt, in der es neben Haltungen zum Bildungsplan in Baden-Württemberg auch um die Vorwürfe des MDR gehen soll.
Die Union hat immer wieder Probleme mit der Abgrenzung von Homo-"Heilern": Im letzten Jahr besuchte Angela Merkel im Wahlkampf einen evangelikalen Verband und gratulierte einem anderen, die beide in der Öffentlichkeit Therapien für Homosexualität bewerben. Im Bundestag stimmten zudem Union und FDP gegen einen Antrag der Grünen, die sogenannten "Konversionstherapien" bei Jugendlichen zu verbieten (queer.de berichtete). Die Offensive Junger Christen wird weiter durch das Land Hessen und den Bund mit Mitteln für ein Freiwilliges Soziales Jahr gefördert (queer.de berichtete).
Update 20.35h: Weitere Details
Im Kuratorium sitzen zwei weitere CDU-Landtagsmitglieder: Der frühere Fraktionschef Jürgen Scharf und die Abgeordnete Marion Fischer. Im "wissenschaftlichen Beirat", definiert als Unterstützung in "speziellen Fragen", sitzen unter anderem der bereits erwähnte Therapeut Gerard van den Aardweg und Christa Meves, eine der bekanntesten Gegnerinnen von Homosexuellenrechten in Deutschland.
Nach Angaben der "Mitteldeutschen Zeitung" bietet Ritter zweimal im Jahr einen einwöchigen Kurs mit dem Titel "Schritte zur Freiheit aus zwanghaften Gefühlen" an, der sich nicht nur an Homosexuelle richte. Laut einem anonymen Teilnehmer komme das Thema immer wieder in den Vorträgen Ritters vor und sei für einen halben Tag Programmschwerpunkt.
Update 29.1., 0.15h: Beitrag online
Video: Der "Fakt"-Beitrag in der ARD-Mediathek
Update 11h: LSVD-Reaktion
"Die Auffassungen des von führenden CDU-Politikern aus Sachsen-Anhalt unterstützten Vereins sind unwissenschaftlich und werden von allen seriösen Fachwissenschaftlern abgelehnt", kritisiert Martin Pfarr vom LSVD in Sachsen-Anhalt in einer Pressemitteilung. "In diesem Zusammenhang ist zu klären, ob der Verein LEO e.V. noch länger Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und des Paritätischen Bildungswerkes sowie anerkannter freier Träger der Jugendhilfe sein kann."
Die Distanzierung von CDU-Mitgliedern von dem Verein wirkten "unglaubwürdig", so Pfarr, so lange diese ihm noch angehörten. "Glaubwürdig würde eine Distanzierung von den Ansichten und Praktiken des Vereins nicht nur mit einem Austritt aus diesem sondern auch mit einer Zustimmung der CDU zum Aktionsplan für Vielfalt und gegen Homo- und Transphobie, der sich auf Initiative des Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches derzeit in den Beratungen des Landtags befindet."















Weil die CDU eine in sich Homo-hassende Partei ist..
Es wäre interessant was denn der LSU-Vorsitzende zu solchen "Aktivitäten" seiner "Partei-Freunde" zu sagen hat..