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"Regierungs-CSD"
Abgeordnete von CDU und SPD streiten mit CSD-Organisatoren
- 11. Februar 2014 2 Min.

Schon im letzten Jahr gab es Streit zwischen Parteipolitikern und CSD-Organisatoren - jetzt bekriegen sich die Gruppen über die Medien (Bild: easy-berlin / flickr / by-nd 2.0)
In Berlin gibt es seit Sonntag eine bizarre öffentliche Auseinandersetzung zwischen zwei schwulen Abgeordneten und den CSD-Organisatoren.
Der Berliner CSD hat am Montag vor der Einrichtung eines "Regierungs-CSDs" gewarnt. Anlass war tags zuvor ein Bericht des Boulevardblatts B.Z. mit der etwas irreführenden Überschrift "SPD und CDU wollen eigene Schwulen-Parade".
In dem Text kritisieren die Mitglieder des Abgeordnetenhauses, Stefan Evers (CDU) und Tom Schreiber (SPD), die geplante Umbenennung des CSDs in "Stonewall Parade" und die Pläne, die Veranstaltung "weniger glamourös und mehr politisch" (B.Z.) zu machen (queer.de berichtete). Die Koalitionspartner äußerten in der Zeitung die Befürchtung, dass der CSD damit unattraktiver werde und weniger Besucher nach Berlin locke: "Der CSD lebt seit Jahren davon, dass er bunt und wild ist. Dabei soll es auch bleiben", erklärte Evers. Schreiber kritisierte die Organisatoren scharf: "Der Veranstalter hat über die Köpfe hinweg entschieden. Mit der Community wurde nicht gesprochen."
CSD schlägt zurück

Stefan Evers ist Vize-Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus und Vize-Chef der Berliner LSU
CSD-Geschäftsführer Robert Kastl reagierte ungehalten auf die Kritik: "Es ist schon erstaunlich, dass die beiden großen Regierungsparteien SPD und CDU dem kleinen Berliner CSD e.V. über die B.Z. ausrichten lassen, dass sie den CSD jetzt lieber selber machen wollen, damit er nicht, wie vom Verein geplant, politischer werde". Mit dieser "Posse" würden die beiden Politiker "ohne Rücksicht auf Verluste das Ansehen unserer Stadt" beschädigen.
Am Dienstag schlug Evers zurück: Auf seiner "Facebook"-Seite erklärte der 34-jährige Vizefraktionschef, dass er das Auftreten des CSD-Geschäftsführers "mit zunehmender Sorge" betrachte. Für Kritik sei Kastl "ungefähr so empfänglich wie unser Regierender Bürgermeister", stichelte der CDU-Politiker. Er bezeichnete es als "völligen Quatsch", dass er und Schreiber sich gegen eine stärkere Politisierung des CSDs ausgesprochen hätten und betonte, dass die Veranstaltung ein "Gemeingut mit weltweiter Ausstrahlung" sei.
Erst im vergangenen Jahr hatte der Hauptadt-CSD für Empörung bei Christdemokraten gesorgt, als die CDU von der Parade ausgeschlossen wurde (queer.de berichtete). Kastl argumentierte damals, dass die Parade eine Veranstaltung für gleiche Rechte sie, die Bundespartei diese aber ständig verhinderten. Später wurde ein Wagen der Lesben und Schwulen in der Union genehmigt (queer.de berichtete). (dk)














