https://queer.de/?21064
Drei Männer ermordet
Moskau: Haftstrafen für Schwulenmörder
- 18. Februar 2014 3 Min.

Zur Zeit gibt es in Russland einige Strafverfahren zu Taten mit homophoben Hintergrund
Drei Männer hatten Schwule bei Dates ausgeraubt und drei von ihnen getötet. Ein Überblick über aktuelle Verfahren.
In Moskau sind am Dienstag drei junge Männer zu Haftstrafen zwischen neun und 25 Jahren verurteilt worden. Die heute 22, 24 und 25 Jahre alten Männer hatten Schwule zu Sexdates in ein Apartment gelockt und dann ausgeraubt. Drei Männer haben sie dabei getötet.
Die Polizei konnte die Täter im März 2012 verhaften, nachdem sie auf dem Computer eines Ermordeten Chatprotokolle fanden. Die Männer, die in Moskau keine Arbeit fanden, hatten sich gezielt Schwule als Opfer gesucht, weil diese Scham hätten, zur Polizei zu gehen. Eines ihrer Opfer sagte im Prozess aber gegen sie aus. Die Täter gestanden die Tat, zeigten aber keine Reue.
Mordfälle aus dem letzten Jahr

Der Mord an Vlad Tornovogo hatte Russland aufgeschreckt
Bereits Anfang Februar hatte ein Gericht auf der Halbinsel Kamtschatka drei Männer zu Lagerhaftstrafen zwischen neun und zwölfeinhalb Jahren verurteilt (queer.de berichtete); sie hatten im letzten Mai den 39-jährigen Vizedirektor eines Regionalflughafens mit Tritten und Messerstichen in Brust, Gesicht und Nacken getötet.
Wenig Wochen zuvor war in Wolgograd der 23-jährige Vlad Tornovogo in Wolgograd durch vier Freunde brutal ermordet worden, nachdem er sich bei ihnen geoutet hatte (queer.de berichtete). Der Prozess gegen die geständigen Täter läuft noch, er findet auf Wunsch der Familie des Ermordeten teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Familie bestreitet eine Homosexualität von Vlad Tornovogo, der inzwischen zu einer Art Matthew Shepard Russlands geworden ist, und ärgerte sich öffentlich darüber, dass Elton John ihm ein Konzert in Moskau gewidmet hatte.
Occupy-Gruppen im Visier

Auch Neonazis dieser Gruppe aus Kamensk-Uralski, die Schwule in ihrem Apartment folterten, sind inzwischen in Untersuchungshaft
Mit Spannung wird im Ausland vor allem das Vorgehen gegen die "Occupy"-Gruppen verfolgt. Im letzten Jahr machten russische Neonazi-Gruppen weltweit Schlagzeilen mit Videos in sozialen Netzwerken, in denen sie sich über zu Dates gelockte Schwule lustig machten oder sie gar folterten (queer.de berichtete).
Initiator der Bewegung war Maxim Martsinkewitsch. Er sitzt derzeit in Moskau in Untersuchungshaft, nachdem Kuba den per internationalem Haftbefehl gesuchten und aus Russland geflüchteten Neonazi im Januar ausgeliefert hatte (queer.de berichtete). Ihm soll wegen mehrerer gewalttätiger Videos und der Anstiftung zum Rassenhass der Prozess gemacht werden, es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Zuletzt hatte ein Gericht die Untersuchungshaft bis April verlängert.
Anhand seines Beispiels hatten sich "Occupy"-Gruppen im ganzen Land gegründet. Wie queer.de erst jetzt erfuhr, wurden bereits im Dezember die Anführer einer "Occupy"-Gruppe aus Kamensk-Uralski verhaftet, deren Videos durch besondere Gewalt auffielen. Die zwei Männer könnten wegen Raub, Körperverletzung und Folter angeklagt werden; ihre Untersuchungshaft wurde zuletzt bis Mai verlängert.
Unklar ist das Vorgehen gegen den 16-jährigen Philip Razinsky. Der mit Martsinkewitsch befreundete Nationalist hatte es mit seiner Gruppe "Occupy Gerontophila" besonders auf junge Schwule abgesehen. Ende Dezember durchsuchten Beamte seine Wohnung in Moskau und bestellten ihn zum Verhör (queer.de berichtete). Eine Anklage wegen Volksverhetzung und menschenunwürdiger Erniedrigung stand Medienberichten zufolge in Vorbereitung, seitdem gab es dazu aber keine weiteren Berichte.
Auch gegen einzelne Mitglieder anderer "Occupy"-Gruppen wurde zuletzt wegen unterschiedlicher Vergehen ermittelt. Um die Bewegung ist es aber inzwischen ruhiger geworden. Es tauchen aber immer wieder neue Gruppen auf – und einige sind bislang unbehelligt. (nb)















www.n-tv.de/politik/Dunkelziffer-der-Nazi-Morde-wird-groesse
r-article11852936.html