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Gegen "Gender-Ideologie"
Katholische Gruppe entdeckt LGBT-Film als Feindbild
- 19. Februar 2014 3 Min.

Frau ist Frau und Mann ist Mann. Basta!
In Frankreich will eine katholische Laien-Organisation verhindern, dass der Film "Tomboy" im Kulturkanal Arte ausgestrahlt oder in Schulen behandelt wird.
Religiös motivierte Homo-Hasser stacheln nicht nur in Deutschland ihre Anhänger mit Petitionen auf: In Frankreich wirbt das "Civitas-Institut" damit, den Film "Tomboy" nicht mehr öffentlich oder in der Schule aufzuführen. Der französische Film aus dem Jahr 2011, der mit einem Teddy-Spezialpreis ausgezeichnet wurde, handelt von einem zehnjährigen, jungenhaften Mädchen und ihren Identitätsproblemen (siehe queer.de-Rezension). Regisseurin ist Céline Sciamma, die bereits zuvor den Jugendfilm "Water Lilies" gedreht hatte.
Zur Ausstrahlung von "Tomboy" am Mittwochabend im deutsch-französischen Fernsehsender Arte (20.15 Uhr) hat die Gruppe zu Protesten aufgerufen und eine Briefkampagne ins Leben gerufen. Die katholischen Aktivisten behaupten ferner, dass Arte den Film "Tomboy" nicht ausstrahlen dürfe, weil sich der Fernsehsender verpflichtet habe, nur Programme "mit kulturellem Charakter" zu zeigen. Der 84-minütige Spielfilm sei hingegen ein Versuch, das christliche Menschenbild zu negieren.
Außerdem hatte das "Civitas-Institut" bereits im vergangenen Jahr Unterschriften dagegen gesammelt, dass der Film in Schulen gezeigt wird. Er ist dort für Schüler ab der 2. Klasse vorgesehen. Innerhalb weniger Woche haben bei Civitas mehr als 30.000 Menschen die Forderungen unterzeichnet.
Kampf gegen Gender-Theorie

"Tomboy" heimste Preise bei schwul-lesbischen Filmfestivals in Berlin, Torino, Philadelphia und San Francisco ein
Die katholische Organisation begründet ihren Einsatz damit, dass der Film Teil einer großangelegten "Gender-Theorie" oder "Gender-Ideologie" sei. Darunter verstehen die Aktivisten die Verwischung der "natürlichen" Unterschiede von Frau und Mann. Sie glauben, dass die sozialistische Regierung diese Ideologie durchsetzen wolle – etwa auch mit der Anweisung, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ausführlich in Grundschulen zu behandeln. Lehrer sollen etwa Jungs darauf hinzuweisen, dass sie auch mit Puppen spielen können und Mädchen statt Krankenschwester auch den Beruf Pilotin oder Feuerwehrfrau wählen dürfen. Dagegen protestierte Civitas ebenso wie gegen die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Im vergangenen Monat organisierte die Gruppe sogar einen Schulboykott von Grundschülern. In manchen Teilen des Landes blieb bis zu einem Drittel der Kinder deshalb zu Hause.
Die 1999 gegründete Gruppe Civitas steht den Piusbrüdern nahe, die 2009 vom damaligen Papst Benedikt XVI. wieder in die katholische Kirche eingegliedert wurde (queer.de berichtete).
Der Film "Tomboy" ist von den internationalen Prüforganisationen der Filmindustrie nie als jugendgefährdend eingestuft worden. In vielen Ländern wurde der Film sogar gänzlich ohne Altersbeschränkung freigegeben, darunter in Spanien, Großbritannien, Schweden, Norwegen, Belgien, den Niederlanden, Österreich und auch Frankreich. In Deutschland wurde der Film von der Freiwilligen Selbstkontrolle ab sechs Jahren freigegeben (die deutsche DVD/Blu-Ray ist wegen Zusatzmaterials allerdings ab zwölf). Einzig das LGBT-feindliche Singapur machte mit einer Freigabe ab 16 eine Ausnahme. (dk)















Außerdem ist dieser Sender mit seinem hervorragendem Programm, das immer wieder ganz selbstverständlich auch LGBT-Themen aufgreift, für diese Leute offensichtlich zu intellektuell und anspruchsvoll, als das Mann ihnen erlauben könnte sich in die Programmgestaltung einzumischen..