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Kommentare zu:
"Darkroom-Mörder" begeht Selbstmord


#31 sperlingAnonym
  • 04.04.2014, 00:15h
  • Antwort auf #29 von Mikesch
  • >"Geht es denn in erster Linie um Abschreckung oder Zweckmäßigkeit?"

    mir ist nicht ganz klar, was du jenseits der abschreckung mit "zweckmäßigkeit" meinst. ich weiß nicht, ob es "gerechtigkeit" herstellt, wenn man gewalt mit gewalt beantwortet.

    >"Mit welchem Recht kann jemand, der das Leben eines, mehrerer, hunderter oder gar zigtausender Menschen ausgelöscht hat, Menschlichkeit erwarten?"

    diese frage finde ich emotional sehr nachvollziehbar. ich halte es aber für eine sehr gute idee, die regeln unserer gesellschaft eben NICHT (nur) von emotionen, schon gar nicht in extremsituationen, bestimmen zu lassen, sondern es ganz rational als einen zentralen grundsatz zu vereinbaren, dass der staat grundsätzlich JEDEN menschen so human wie möglich behandelt und dass das recht auf eine humane behandlung auch ganz grundsätzlich niemandem entzogen werden kann.

    es gibt m.e. schon allzuviele andere fälle, in denen wir von einem humanen staat nicht mehr uneingeschränkt reden können. wir müssen wirklich nicht auch noch damit anfangen, menschen umzubringen.
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#32 MikeschAnonym
  • 04.04.2014, 11:49h
  • Antwort auf #31 von sperling
  • Das mit der "Zweckmäßigkeit" hattest doch du im 2. Abs. der Nr. 22 geschrieben.

    Man kann sich gar nicht ausmalen, was da los wäre, wenn es wirklich mal zu einem Ereignis mit zigtausenden Toten käme, wogegen Norwegen harmlos wäre.
    Ich denke, aufgrund des öffentlichen Drucks würde so manches, was du unter den beiden letzten Absätzen geschrieben hast, über den Haufen geworfen.

    Eines muss man sich immer vor Augen halten:
    Die Mörder haben ihre Strafe irgendwann verbüßt, die Ermordeten sind jedoch ewig tot.
    Insoweit kann man das auch kaum mit anderen schweren Delikten vergleichen.

    Und das muss ich jetzt auch noch sagen:
    Wenn man nicht direkt betroffen ist, ist es Theorie. Stell' dir mal vor, deinem geliebten Partner, falls du einen hast, würde aus Geldgier, Schwulenhass oder sonstigen niedrigen Beweggründen das Leben genommen. Da wird der Hass wohl grenzenlos sein, und auf eine humane Behandlung des Mörders würdest du spucken.

    Ich weiß, es ist ein heikles Thema.
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#33 sperlingAnonym
  • 04.04.2014, 12:32h
  • Antwort auf #32 von Mikesch
  • ich hatte in #22 "zweckmäßig" synonym mit "abschreckend" gemeint. andere zwecke einer bestrafung leuchten mir nämlich nicht recht ein.

    >"Die Mörder haben ihre Strafe irgendwann verbüßt, die Ermordeten sind jedoch ewig tot."

    das ist unbestreitbar richtig, daraus folgt aber nicht automatisch irgendein schluss, was die beste gesellschaftliche regelung zum umgang mit kriminalität ist. von "auge um auge, zahn um zahn" haben wir uns ja aus guten gründen verabschiedet.

    meine frage, ob "gerechtigkeit" in einer verdoppelung des schadens bestehen kann, ist damit nicht beantwortet.

    >"Stell' dir mal vor, deinem geliebten Partner, falls du einen hast, würde aus Geldgier, Schwulenhass oder sonstigen niedrigen Beweggründen das Leben genommen. Da wird der Hass wohl grenzenlos sein, und auf eine humane Behandlung des Mörders würdest du spucken."

    es ist immer schwierig, das eigene verhalten in extremsituationen einzuschätzen. ich glaube aber, dass ich auch als selbst betroffener noch in der lage wäre, zwischen meinen gefühlen und dem zu unterscheiden, was ich als gesellschaftliche regelung für sinnvoll halte. denn, wie bereits gesagt, es geht hier nicht darum, dass der staat vor allem oder sogar ausschließlich den gefühlen der opfer rechnung tragen sollte, sondern darum, dass wir als gesellschaft sinnvolle, also vor allem rationale regelungen festlegen müssen.

    nur, wenn mein kopf vor zorn völlig ausgeschaltet wäre, würde ich das humanitätsgebot unseres staates in frage stellen. ob das passieren könnte, weiß ich nicht. eigentlich glaube ich es nicht. wir sollten unsere gesetze aber auf keinen fall von menschen festlegen lassen, die nicht klar denken können. (das passiert ja leider schon oft genug...)

    du argumentierst hier ausschließlich aus der perspektive der opfer heraus. natürlich müssen wir diese perspektive berücksichtigen, und vielleicht sollten wir wirklich mehr über hilfen für opfer nachdenken als bisher. aber die gefühle der opfer sind trotzdem nicht das einzige, was hier zählt.

    außerdem: ob die bestrafung der täter_innen das einzige ist, womit wir den opfern helfen können, bezweifle ich vehement. du scheinst davon auszugehen, jedes opfer eines verbrechens habe automatisch rachegedanken der_m täter_in gegenüber. das ist sicher in sehr vielen fällen so, vielleicht sogar in den meisten, aber es gibt auch viele dokumentierte fälle, in denen den opfern der gedanke an rache oder "vergeltung" völlig fremd war, obwohl sie schrecklich litten.
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#34 sperlingAnonym
  • 04.04.2014, 12:50h
  • Antwort auf #33 von sperling
  • ein nachtrag: ich weiß gar nicht genau, was unser staat an opferhilfen leistet (vielleicht kann dazu jemand anders etwas sagen). ich könnte mir aber vorstellen, dass z.b. eine kompetente psychologische betreuung für verbrechensopfer hilfreicher ist als die bloße bestrafung des_r täters_in.
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#35 RobbyEhemaliges Profil
  • 04.04.2014, 18:11h
  • Antwort auf #25 von daVinci6667
  • Da hast Du ganz Recht, 'daVinci'. - Hier in Deutschland ist es leider immer noch so, dass derjenige, der einem Todkranken seinen ausdrücklichen Wunsch - die "lebensverlängernden" Apparate abzuschalten - erfüllt, wegen fahrlässiger Tötung angezeigt wird. - Ich habe selbst mehrmals aidskranke Freunde elendig im Krankenhaus zugrunde gehen sehen, ohne die Möglichkeit, hilfen wirklich zu einem würdevollen Sterben verhelfen zu können. - Das wirklich perverse an dieser medizinischen Regelung - das Leben eines Patienten um jeden Preis zu erhalten - ist meiner Meinung nach, dass das das Leiden der Betroffenen teilweise "unendlich" verlängert, obwohl sie OHNE diese Apparate längst hätten sterben können. Gleichzeitig haben die Ärzte und Schwestern gefühllos darüber diskutiert, wie lange es noch dauern wird, bis das Immunsystem und die Organe endgültig kollabieren, damit sie das Bett wieder belegen können. -
    Das hat mich jedesmal total fertig gemacht und ich fragte mich, ob die überhaupt noch begreifen, dass da ein MENSCH vor ihnen im Bett liegt...

    Genau aus diesem Grund war ich damals auch sehr gerne bereit, den Wunsch meines AIDS-kranken Lovers zu erfüllen, als er mir gesagt hat, dass er diesen ganzen Krankenhaus-Wahnsinn nicht will und deshalb zu Hause sterben möchte. Ich werde nie diese unglaubliche Erleichterung und die stumme Dankbarkeit in seinen Augen vergessen, als ich ihm gesagt habe, dass ich immer für ihn da sein werde und ihm angeboten habe, mich bis zum Schluss um ihn zu kümmern und ihn zu pflegen. Durch diese einfache Geste sind wir uns noch näher gekommen und ich habe es nie bereut, dass ich mich so entschieden habe. Er war ein sehr wertvoller und einzigartiger Freund für mich, den ich nie vergessen werde. Ich habe ihn damals in seiner Todesstunde in meinen Armen gehalten und es hat sich für uns beide so richtig angefühlt. - Wenn ich heute wieder vor so einer Entscheidung stehen würde, weiß ich, dass ich mich wieder genauso entscheiden würde.

    Ich denke, dass hier in Deutschland noch ein gewaltiger Prozeß des Umdenkens notwendig ist, damit die Entscheidungsträger begreifen, dass jeder selbst entscheiden sollte, wann und wie er sterben möchte.
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#36 TheDadProfil
  • 04.04.2014, 21:53hHannover
  • Antwort auf #32 von Mikesch
  • Die "Zweckmässigkeit" hat sich zuletzt im Vorfeld des 11.September erledigt, denn das Wissen darum, das die Tat entweder mit der Todesstrafe, oder wie im Falle bin Laden´s mit einem entsandtem Killer-Komando´s erledigt würde, war den Tätern und Hintermännern vor der Tat klar, hat sie dennoch nicht abgeschreckt..

    Q.E.D.
    Die Todesstrafe schreckt nicht ab, ist damit sinnlos, und nichts weiter als eine barbarische Form gesellschaftlicher Rache, die nicht einmal zielführend als "Gefühl der Gerechtigkeit" bei den Angehörigen der Opfer ankommt, was diverse Studien dazu belegen..

    Insofern hat sich auch die Diskussion erledigt, wenn sich nicht auch in diesem gesamtgesellschaftlichem Zusammenhang mal wieder überwiegend Konservative weigern würden, die Tatsache anzuerkennen, das selbst ein Täter über Menschenrechte verfügt, die ihm nicht verweigert werden dürfen..

    Dazu gehört das Verbot der Folter..
    Das zumeist jahrelange Warten auf die Hinrichtung in der Isolation in den Todeszellen amerikanischer Gefängnisse ist bereits mehrfach als Folter deklariert worden..

    ""Eines muss man sich immer vor Augen halten:""..

    Genau..
    Menschenrechte sind nicht teilbar !
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#37 MikeschAnonym
  • 04.04.2014, 22:58h
  • Antwort auf #36 von TheDad
  • Ich möchte mich wegen der Brisanz der Angelegenheit nicht weiter äußern, kann nur noch mal auf #29 Abs. 3 Satz 1 sowie #32 Abs. 3 und 4 hinweisen. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Fragen für einen persönlich nie stellen werden.
    Unabhängig davon halte ich es grundsätzlich für falsch, Täter- über Opferschutz zu stellen.
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#38 daVinci6667
  • 05.04.2014, 14:19h
  • Antwort auf #35 von Robby

  • "Das wirklich perverse an dieser medizinischen Regelung - das Leben eines Patienten um jeden Preis zu erhalten - ist meiner Meinung nach, dass das das Leiden der Betroffenen teilweise "unendlich" verlängert, obwohl sie OHNE diese Apparate längst hätten sterben können. Gleichzeitig haben die Ärzte und Schwestern gefühllos darüber diskutiert, wie lange es noch dauern wird, bis das Immunsystem und die Organe endgültig kollabieren, damit sie das Bett wieder belegen können."

    Was du beschreibst ist meiner Meinung nach reinste Folter und Sadismus, nichts anderes. Warum sollte man sonst, wenn keine Hoffnung mehr besteht, das Leiden eines Menschen künstlich verlängern?

    Als meine Schwester mit Krebs im Sterben lag hat sie zum Schluss nur noch starke Schmerzmittel bekommen und durfte so innert weniger Tage sterben. Sie wollte keine sinnlosen Therapien mehr. Wir haben auf ihren Wunsch die Maschinen schliesslich ganz abgestellt. Ganz legal. In Deutschland wäre das womöglich Mord gewesen.

    Die Ärzte meinten sie hätte sonst noch vielleicht 2-3 Monate länger leiden müssen. Wozu? Ich, wir alle in der Familie hätte genau so entschieden wie meine Schwester.

    Das Leben ist schön, wertvoll und das kostbarste überhaupt. Wer das Leben liebt und es selbstbewusst gestaltet, will am Ende des Lebens auch entscheiden wann es genug ist. Das ist unser ureigenstes Recht!
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#39 TheDadProfil
  • 05.04.2014, 21:34hHannover
  • Antwort auf #37 von Mikesch
  • ""Ich möchte mich wegen der Brisanz der Angelegenheit nicht weiter äußern""..

    Wieso kommt mir das jetzt bei Dir so bekannt vor !?

    Niemand hat hier den "Täter-Schutz" erwähnt, und schon gar nicht über den Opfer-Schutz gestellt..

    Allerdings denken Menschen die für die Todesstrafe plädieren, diejenigen die dagegen seien, würden es aus "Täter-Schutz-Gründen" sein..

    Das ist falsch..
    Und noch einmal :
    Menschenrechte sind nicht teilbar !

    Getötete Opfer lassen sich nicht wiederbeleben, auch durch die Hinrichtung des Täters nicht..

    Muß wirklich schwer sein das zu kapieren..

    Und was den Rest betrifft..
    Auch die meisten Täter haben Angehörige, die dann durch den Mord des Staates zu Hinterbliebenen, und damit zu Opfern werden..

    Mann muß aber die Zahl der Opfer einer Straftat nicht auch noch durch pure Dummheit und billige Rache vergrößern..

    Was Deine Fragestellung in den Kommentaren 29 und 32 angeht..

    Die ist ebenso dumm wie die Frage bei der ehemaligen "Gewissensprüfung für Kriegsdienstverweigerer"..

    Ich laufe weder "zufällig" mit einer Waffe durch den Park, darauf wartend das jemand angegriffen wird, noch will ich, das jemand, aus welchen Gründen auch immer, einen Menschen tötet..
    Auch kein Richter und kein Henker !
    Wir haben andere Mittel der Strafe..
    Und denen sind die Möglichkeiten der Therapien, der Sühne durch Täter-Opfer-Ausgleich, durch Schadensersatz, und vor allem durch geänderte Erziehung hinzuzufügen..

    Das so etwas funktiniert kann Mann in anderen Ländern sehen, die eine deutlich geringere Kriminalitätsrate als Deutschland oder gar die USA haben..

    Der Fall Breivik war deshalb so ungewöhnlich, weil Norwegen die geringste Mordrate und die geringste Kriminalitätsrate in ganz Europa hat..

    Woher dieser Mensch seine Motivation für seine Tat genommen hat, ist allerdings auch ziemlich eindeutig..
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#40 MikeschAnonym

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