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Nach sechsmonatigem Koma
Chile: Schwuler nach homophober Attacke gestorben
- 11. April 2014 2 Min.

Wladimir Sepúlveda war offenbar wegen seiner sexuellen Orientierung so sehr zusammengeschlagen worden, dass er an den Verletzungen starb
Im Oktober letzten Jahres erschütterte ein brutaler Überfall auf einen 21-Jährigen Chile. Nach einem halben Jahr im Koma ist das Opfer vor wenigen Tagen verstorben.
Wladimir Sepúlveda ist am Sonntag im Krankenhaus der Stadt Rancagua seinen schweren Kopfverletzungen erlegen. Das berichtet die Zeitung "La Tercera". Der junge Schwule war vor knapp einem halben Jahr aus Homo-Hass von mindestens vier Männern zusammengeschlagen worden und lag seither im Koma (queer.de berichtete).
Ein Sprecher der chilenischen Regierung sprach Freunden und Verwandten sein Mitgefühl aus: "Diese Tod zeigt, dass wir noch sehr viel mehr als Gesellschaft tun müssen." Man hoffe, "dass der Gerechtigkeit genüge getan wird und die Fakten auf den Tisch kommen".
Juristische Aufarbeitung schleppend
Sepúlvedas Familie und die LGBT-Organisation Movilh haben angekündigt, dass sie gegen alle Verdächtigen Anklagen wegen eines Hassverbrechens anstrengen wollen. Nur ein Jahr zuvor hatte das Parlament ein Gesetz beschlossen, das die Strafen für Verbrechen erhöht, die aus Hass auf Homosexuelle begangen werden. Grund war der Hass-Mord am Schwulen Daniel Zamudio (queer.de berichtete).
Bislang ist allerdings nur ein Mann wegen des Vorfalls angeklagt worden. Er behauptet, sich lediglich selbst verteidigt und Sepúlveda "nur sanft geschlagen" zu haben. Für Empörung unter LGBT-Aktivisten sorgte Richter Pablo Aceituno, der die Version des Angeklagten offenbar glaubte und entschieden hatte, dass es sich bei dem Fall nicht um ein Hassverbrechen handele.
Richter: Homofeindliche Hänseleien "normal"
Richter Aceituno behauptete etwa, dass es "normal" unter jungen Menschen sei, sich wegen ihrer sexuellen Orientierung während eines Streits zu hänseln. Der Angeklagte ist daher nicht in Untersuchungshaft, sondern steht lediglich unter Hausarrest. Movilh hat den Richter wegen seiner Haltung öffentlich kritisiert und erklärt, dass der Angeklagte lediglich sich und seine Komplizen decken wollte.
Die Täter hatten Sepúlveda im Oktober 2013 in San Francisco de Mostazal angegriffen, weil der junge Schwule Arm in Arm mit männlichen Freunden durch die Stadt gelaufen war. Sie beschimpften das Opfer zunächst als "Schwuchtel" und boxten Sepúlveda anschließend nieder. Am Boden liegend traten sie ihn mehrfach gegen den Kopf.
Kritik gab es auch an der langsamen Reaktion des Notfalldienstes, der mehr als eine halbe Stunde auf sich warten ließ. Außerdem hatte der erste behandelnde Arzt eine Fehldiagnose gestellt und Sepúlveda nur leichte Verletzungen attestiert. Die chilenische Regierung lässt den Vorfall untersuchen. (dk)














