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Schul-Diskussion der FDP NRW
Kauch distanziert sich von Rülke
- 11. April 2014 4 Min.

Teilnehmer der Diskussion über Homosexualität in der Schule v.l.n.r.: Gabriele Bischoff (Arcus-Stiftung), René Oehler (Verband Schwule und Lesben in der Psychologie), Michael Kauch (LiSL), Susanne Schneider (MdL FDP), Bodo Busch (Lehrer an Kölner Berufskolleg) (Bild: Norbert Blech)
Bei einer Diskussion der FDP im NRW-Landtag kritisierte der schwule Politiker das Vorgehen seines Parteikameraden gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg.
Von Norbert Blech
Michael Kauch, der ehemalige schwule Bundestagsabgeordnete und aktuelle Bundesvorsitzende der Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL), hat das Eintreten des baden-württembergischen FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke gegen Aufklärung über sexuelle Vielfalt an der Schule kritisiert.
Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Homosexualität und Schule im NRW-Landtag sagte Kauch am Dienstag, dass sich Rülke wie auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Hauk mit einem Grußwort an die Teilnehmer der bereits dritten Demo gegen den Bildungsplan gewandt hatte, sei "keine strategische Glanzleistung". Die Haltung von Rülke werde "weder von der Bundes-FDP noch von der FDP in Nordrhein-Westfalen geteilt".
Als Oppositionspartei in der Verantwortung

Michael Kauch sprach engagiert über die Anliegen von LGBT-Schülern. Mit der CDU hat er jedoch einen unsicheren Partner. (Bild: nb)
Zu der Podiumsdiskussion im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2014 hatte die NRW-Landtagsfraktion der FDP selbst geladen. Sie fand aus Platzgründen im Sitzungssaal der CDU statt, geschmückt mit Kreuz und Porträts "verdienter" Politiker wie dem letzten CDU-Ministerpräsidenten des Landes, Jürgen Rüttgers.
Als Schwarz-Gelb unter Rüttgers 2005 die Macht in NRW übernommen hatte, war dies selbst zu Lasten der Aufklärung über Homosexualität gegangen: Eine Handreichung für Lehrer zum Thema wurde aus dem Verkehr gezogen (queer.de berichtete). Dies sei die Verantwortung der CDU in der Koalition gewesen, sagte Kauch dazu. Er sagte nicht, ob sich die FDP bei erneuter Regierungsverantwortung mit dem Lieblingspartner mehr für die Sache einsetzen würde.
Immerhin hat die Partei in der Opposition kürzlich für Homo-Rechte gestimmt, nur die Union enthielt sich bei einem Antrag, die Verfolgung von LGBT in der Bundesrepublik zu erforschen (queer.de berichtete). Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Angela Freimuth sagte bei der Podiumsdiskussion, dass man auch weitere Initiativen unterstützen würde, etwa im Bereich der Bildung.
Alarmierende Berichte

René Oehler (l.) und Bodo Busch erzählten vom Schulalltag (Bild: nb)
Denn alarmierend ist es weiterhin, was man von schwulen und lesbischen (und noch viel zu wenig: von Trans-)Jugendlichen zu hören bekommt. René Oehler vom Verband von Lesben und Schwulen in der Psychologie referierte, während die größte Sorge bei heterosexuellen Schülern schlechte Note seien, hätten schwule und lesbische Jugendliche die größte Angst vor Ablehnung. Die Sorge ist leider nicht unbegründet: Durch ein Coming-out gingen noch immer ein Drittel bis zur Hälfte der Freunde verloren, so Oehler.
Mit 14 ahnten die meisten Jugendlichen etwas über sexuelle Orientierung, mit 17 seien sich die meisten sicher – eine Entwicklung mitten in der Schulzeit, die mit einem Anstieg von Suizid-Gedanken einhergeht. Zugleich outete sich noch heute jeder zweiter Schwule bis 25 nicht bei seinem Vater. Es sei wichtig, das Thema Homosexualität in der Schule aufzugreifen, so Oehler – aber nur, wenn der Lehrer seine Akzeptanz in einer positiven Grundhaltung vermittle und ausreichend informiert sein. "Gayfriendly reicht nicht".
Von den für die Runde vorgesehenen zwei Lehrern hatte einer absagen müssen, aber Bodo Busch vom Richard-Riemerschmid-Berufskolleg in Köln erfüllte die Rolle des informierten Ansprechpartners durchaus. In jeder zweiten oder dritten Klasse gebe es LGBT-Schüler, erklärte er die Notwendigkeit des Handels. Seine Schule ist einer der Projektpartner von "Schule ohne Homophobie" – am Dienstag war bereits im Schulministerium eine Ausstellung mit von seinen Schülern erstellten Plakaten zum Thema eröffnet worden (queer.de berichtete).
Die bisher sieben Schulen und Berufskollegs im Projekt müssen unter anderem ein entsprechendes Schild aufhängen, eine Selbstverpflichtung unterschreiben, Ansprechpartner für Schüler benennen und Lehrer weiterbilden. So hatte die Schule das Aufklärungsprojekt Schlau etwa nicht nur in Klassen, sondern auch ins Kollegium eingeladen. Busch beklagte, dass sich an dem Projekt weniger Schulen beteiligen als an "Schule ohne Rassismus".
Auch Kauch nannte das Projekt "Schule ohne Homophobie" eine hevorragende Initiative, die aber ein "Tropfen auf dem heißen Stein" sei. NRW müsse noch viel mehr tun, in Schulbüchern oder der Lehrerausbildung etwa. Auch dürfe die Aufklärung nicht an einzelnen engagierten Lehrern hängen, sondern müsse von oben herab kommen, so Kauch. Die Aufgabe sei wichtig und werde bleiben: "Wir wüssen Toleranz in jeder neuen Generation neu lehren".














