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- 14. Dezember 2004 - 3 Min.
Sieg für Justin D.: Das Mainzer Amtsgericht hat entschieden, dass der Transsexuelle unrechtmäßig aus der Mombacher Prinzengarde ausgeschlossen wurde.
Von Jürgen Friedenberg
Der Transsexuelle Justin D., früher Stephanie D., gehört nach wie vor als Mitglied mit allen Rechten und Pflichten der Mombacher Prinzengarde an, sein vom Vereinsvorstand verfügter Ausschluss ist unwirksam. Das hat das Mainzer Amtsgericht mit Urteil vom 14. Dezember festgestellt. Die von der Mombacher Prinzengarde für Justins Ausschluss genannten Gründe seien nicht so schwerwiegend, um seinen Ausschluss zu rechtfertigen. Der Ausschluss von Justins Eltern war nicht Gegenstand des Verfahrens. Die Mombacher Prinzengarde kündigte gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil Berufung an.
Justin D., der seit Januar 2003 seine Geschlechtsoperation betreibt und im kommenden Jahr operiert werden soll, hatte Schwierigkeiten mit dem Fastnachtsverein bekommen, nachdem er den Wunsch geäußert hatte, künftig im Trommlercorps nicht mehr als Mädchen, sondern in Männeruniform anzutreten (queer.de berichtete). Als ihm dies verweigert wurde, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, in denen der Vereinsvorstand ein "vereinsschädigendes Verhalten" sah. Justin D. hingegen ist davon überzeugt, dass seine Geschlechtsanpassung der eigentliche Grund für den Rausschmiss war, zumal ihm und seinen Eltern gegenüber herabwürdigende Äußerungen gefallen seien. Genau dies wurde und wird erneut von dem Vereinsvorstand bestritten. Der Vorgang hat in Mainz und weit darüber hinaus Aufsehen erregt. Kritiker werfen dem Vorstand der Mombacher Prinzengarde mangelnde Toleranz gegenüber dem Transsexuellen vor. Mit Justin zusammen waren seine Eltern und einige Sympathisanten aus dem Verein, dem sie seit vielen Jahren angehörten, ausgeschlossen worden. Ihnen hatte der Vorstand unter anderem die Absicht unterstellt, "einen Verein im Verein" bilden zu wollen.
14. Dezember 2004
Mainzer Narretei
Da dürfte manchen Mainzer Narren das Lachen vergehen: ein mutiger transsexueller junger Mann hat der traditionsreichen Mombacher Prinzengarde gezeigt, wo es lang geht, und vom Mainzer Amtsgericht bestätigt bekommen, dass sein Rausschmiss nicht gerechtfertigt ist. Zwar hat das Gericht lediglich festgestellt, dass die vom Vereinsvorstand für den Ausschluss geltend gemachten Gründe – "vereinsschädigendes Verhalten" – für einen Entzug der Mitgliedschaft nicht ausreichten. Doch dürfte die durch wortwörtliche Zitate gestützte Argumentation des Klägers, der in dem Rauswurf eine Diskriminierung seiner Person als Transsexueller sieht, bei der Urteilsfindung eine gewichtige Rolle gespielt haben.
Ob dem Verein durch das Verhalten des Klägers, seiner Eltern und Freunde tatsächlich Schaden drohte oder ob der Vorstand seine Entscheidung aus einer Voreingenommenheit gegen dem Transsexuellen traf, wird kaum jemals zu klären sein. Da Justin D. aber unmittelbar nach dem Urteilsspruch seine Absicht bekräftigte, dem Verein, an dem sein Herz hänge, treu zu bleiben, wäre jetzt, vor Beginn der fünften, der karnevalistischen Jahreszeit der richtige Zeitpunkt für einen Friedensschluss, Doch offenbar verstehen die Mombacher Narren keinen Spaß: sie wollen in die Berufung gehen. Fragt sich nur, ob und wie lange die Mitglieder der Mombacher Prinzengarde diese Narretei noch mitmachen wollen.
Im übrigen darf man darauf gespannt sein, ob und wie die Mainzer Fasssenacht sich dieses Themas annehmen wird. Im allgemeinen gelten die Mainzer als tolerant und humorvoll – sind es die überwiegend konservativen Vereinsoberen der närrischen Korporationen aber auch?
Links zum Thema:
» Website der Mombacher Prinzengarde














