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Homophobie im Rap

"Schwule Rapper, wo seid ihr?"

  • 24. April 2014 15 3 Min.

Refpolk verbindet eine politische Message mit der Liebe zu Rap. Im Dezember 2012 ist sein erstes Solo-Album "Über mich hinaus" erschienen (Bild: Sandra Rokahr)

Was kann man dem sexistischen und homophoben Macho- und Gangster-Rap entgegensetzen, fragte ein Workshop mit Sookee und Refpolk in Münster.

Von Caroline Frank

Mit einem Rap-Workshop, einem Vortrag und einem anschließenden Konzert der Rapperin Sookee und des Rappers Refpolk beging die Kampagne "anders und gleich – Nur Respekt Wirkt" das Osterfest. Welche Rapper andere als "schwul" bezeichnen und warum und was Männlichkeitskontruktionen und Kapitalismus damit zu tun haben – darum ging es am Ostersamstag im Rahmen der Hirschfeld-Tage NRW im Gleis22 in Münster.

Zehn Menschen nahmen an dem Rap-Workshop teil, der sich den Bedürfnissen und Fragestellungen der 19- bis 53-Jährigen damit gut anpassen konnte. Manche wollten etwas über Homophobie in der HipHop-Kultur erfahren, andere konkret an ihren Texten arbeiten, wieder andere interessierten sich als Sozialarbeiter für die problematischen Aspekte dieser Jugend-Szene.

Homophobie ist im Rap zum Stilmittel geworden


Refpolk und Sookee beim Workshop in Münster (Bild: Caroline Frank)

Sookee und Refpolk nahmen sich aller Fragen souverän an und schafften den Bogen von den historischen Anfängen der Rap-Musik in den USA über problematische Begriffe wie "bitch" oder "no homo" hin zur konkreten Textarbeit. Am Ende trugen einige Workshop-Teilnehmer sogar eigene Texte vor.

Um die Texte anderer ging es dann im abendlichen Vortrag zum Thema "Männlichkeitskonstruktionen, Sexismus und Homophobie im deutschsprachigen Rap". Es war kein reiner Vortrag, den die rund 100 Zuhörenden erlebten. Sookee und Refpolk banden das Publikum mit ein.

Besonders aufrührend wurde es, als einzelne ihre Eindrücke zu den gezeigten Rap-Videos von Bushido, KIZ, Cro und Schwester Ewa schilderten. In den Videos wimmelt es nur so von sexistischen und homophoben Sprüchen.

"Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass Homophobie im Rap zu einem Stilmittel geworden ist", sagte Sookee. Damit solle unter keinen Umständen gerechtfertigt werden, dass die Verwendung diskriminierend sei, fügte Refpolk hinzu. Allerdings könne der Umstand, dass es als Synonym für "schlecht" oder "schwach" verwendet werde, nicht ignoriert werden.

Youtube | Trailer zur Veranstaltung

Der negative kommerzielle Einfluss der Musikindustrie


Rap ohne Diskriminierung: Zum Abschluss von Workshop und Vortrag gaben Refpolk und Sookee ein Konzert (Bild: Caroline Frank)

Was steht dahinter, wenn schwul als schwach gilt? Die Bildsprache vieler Videos gibt hier deutliche Antworten: Männer, die ihre Muskeln spielen lassen, Klimmzüge machen, sich mit vielen leicht bekleideten Frauen umgeben, die jederzeit für sie verfügbar sein sollen – dieses Bild ist ein gewohntes in der Rap-Szene und brennt sich ein. Das Klischee des Schwulen, der als weich, feminin und nicht als "echter Mann" gilt, hat hier keinen Platz.

Historisch hat die HipHop-Kultur eigentlich das Anliegen gehabt, sich für die Schwachen und sozial Benachteiligten einzusetzen. Dass sich die Szene von diesem Grundgedanken entfernt hat, liege vor allem an den kommerziellen Einflüssen der Musikindustrie, so der Vortrag. Sie fordere immer härtere und skandalösere Bilder.

Umso wichtiger war für Sookee und Refpolk die Frage: "Schwule Rapper, wo seid ihr?" Denn wenn die queere Szene ihrerseits einen Kontrapunkt zu dem sexistischen und homophoben Macho- und Gangster-Rap setzen könne, wäre bereits viel erreicht.

Im Anschluss an den Vortrag begeisterten die Sookee und Refpolk mit ihren Konzerten die rund 170 Gäste. In ihren Texten griffen die beiden ihre Gesellschafts- und Kapitalismus-Kritik auf und zeigten dem Publikum auf beeindruckende Art und Weise, wie cool Rap ohne Diskriminierung und Ausgrenzung sein kann.

Youtube | Refpolk feat. Sookee "Mehr als genug" vom 2012er Album "Über mich hinaus"
-w-

#1 m123Anonym
#2 SmileyEhemaliges Profil
  • 24.04.2014, 08:17h
  • »Historisch hat die HipHop-Kultur eigentlich das Anliegen gehabt, sich für die Schwachen und sozial Benachteiligten einzusetzen«

    Ah.

    Da habe ich doch bislang immer den dann wohl unzutreffenden Eindruck gehabt es ginge darum mir auf die Nerven zu fallen und das schöne Wort "motherfucker" möglichst inflationär ..

    motherfucker motherfucker motherfucker

    »Dass sich die Szene von diesem Grundgedanken entfernt hat, liege vor allem an den kommerziellen Einflüssen der Musikindustrie, so der Vortrag«

    Ja, das ist immer der Teufel selbdritt. Diese verdammte Musikindustrie, die den armen kleinen Künstler mit vorgehaltener Waffe ein Häufchen Dollars aufnötigt. Wenn so ein .. Künstler .. da doch nur irgendwie ein Mittel fände dieser Schmach zu entgehen ..

    motherfucker motherfucker motherfucker

    »wenn die queere Szene ihrerseits einen Kontrapunkt zu dem sexistischen und homophoben Macho- und Gangster-Rap setzen könne, wäre bereits viel erreicht«

    Ich setze bereits seit langer Zeit einen Kontrapunkt zu dem sexistischen und homophoben Macho- und Gangster-Rap:

    Ich scheiße drauf.

    motherfucker motherfucker motherfucker
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#3 FoXXXynessEhemaliges Profil
  • 24.04.2014, 08:33h
  • Antwort auf #1 von m123
  • Textauszug aus dem Song "OMG" von Marteria:

    "Fahr mit 'nem eigenem Wagen über den CSD,
    schmeiß' Gummis in die Menge und schrei "Gay, okay!"."

    Ein Anfang ist gemacht.
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