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Einzelkommentar zu:
Praunheims Schwulen-Schocker auf DVD


#63 SmileyEhemaliges Profil
  • 27.04.2014, 19:27h
  • Antwort auf #53 von sperling
  • »teils fand ich den aggressiven lästerton mitreißend erfrischend, aber diejenigen passagen, die über mich selbst sprachen, fand ich empörend unfair und gemein«

    Genau. Und der Moment wo Du Praunheim gerne einen auf's Maul hauen möchtest, das ist der Moment um den's geht. Dann weißt Du wie die anderen bei deren Abkanzelung Du diesen besserwisserischen patronisierenden nasalen Tonfall der Deine Nerven sägt noch erfrischend fandest sich fühlen. Du darfst Dir auch sicher sein daß viele andere bei der unfairen selbstgerechten Verächtlichmachung Deiner eigenen Abteilung sich denken, Mensch, mitreißend erfrischend eigentlich, dieser aggressive Lästerton. Dazu gehöre zum Beispiel ich, Du lächerliche Schwuchtel.

    Der Film stellt Schwule so dar wie Norbert Geis sie träumt, elende blöde lächerliche Stereotypen. Abziehbilder. Bindungsunfähige unzuverlässige egozentrische, egomanische Versager. Schwul ist Deformation. Genauso ihre selbstgeschaffene Lebensumwelt. Da steht er der albern aufgebrezelte schwule Narziß, im Pissoir schielt er auf des Nachbarn Schwanz, die Hundekacke vom cruisen im Stadtpark noch am Schuh und heute abend muß der alternde Wichser wieder Taschenbillard spielen. Allein. Keine Institution schwulen Lebens bleibt ungeschoren.

    Der Grund warum ein Wecker einen schäbigen nervigen Rappelton absondert ist der: sein Zweck ist Wachmachen, nicht Gefallen.

    Der heute befremdliche schulmeisterliche Tonfall ist wohl auch dem Zeitgeist geschuldet. Duktus und Stil kann man in den Endsechzigern überall finden. Sie wußten die geschichtliche Wahrheit auf ihrer Seite, sie hatten es ja schließlich irgendwo gelesen oder erzählt bekommen daß das jemand mal irgendwo gelesen habe, und belehrten nun die begeisterte Welt darüber wie man was richtig zu tun habe. Welterlösung. Das färbte damals die Sprache.

    Andererseits war dieser Film ja auch als herablassende Belehrung gemeint.

    Ja, natürlich ist das ein unsolidarischer Film. Das ist ja das Ziel. Er soll den Schwulen ins Gesicht schlagen. Ohrfeige. Und dann als Schlußbotschaft einen Weg aufzeigen: wenn Du zeigen willst daß Du nicht so bist wie Du hier dargestellt wirst, dann beweg' Dich. Oder wenn Du so bist, aber nicht länger zusammengefaltet leben möchtest, dann beweg' Dich. Lernt gefälligst endlich solidarisch sein, ihr asozialen unsolidarischen Scheißschwuchteln.

    Übrigens, was die stilistischen Mittel angeht, ich würde sage daß Praunheim aus der Not eines lächerlich kleinen Budgets eine Tugend, einen in der Form den Inhalt betonenden Film gemacht hat. Stumm übrigens, nachgesprochen, nicht synchronisiert. Hätte er die Chance gehabt schwarzweiß zu drehen, er hätte es nicht getan, weil es farbig viel klebriger wirkt.

    »im wohlwollendsten sinn war das das (oder jedenfalls ein) ziel: wut auslösen, die dann bewegung auslöst«

    Ich würde sagen daß man dem Film anmerkt daß da keinerlei Wohlwollen im Spiel war. Wut und Bluthochdruck. Nachgelagert, wenn sich denn was bewegt, vielleicht etwas Erleichterung?

    Rousseau? Der edle Schwule der seine Natur in schlichter einfältiger Unschuld lebt? Bricht das nicht schon angesichts der in der Schlußszene ganz besonders asynchronen Nachvertonung? Dieser juckreizende fleißheftchenmäßige Schülerton? Selbst dies, die Bekanntgabe des Rezepts für den Zaubertrank noch halb beleidigend.

    "Es ist Scheiße vorzugeben daß wir richtige Männer sind, denn wir sind es meistens nicht"

    Genau. Und in der Büxe habe ich eine Banane und zwei Pingpong .. äh .. Tennisbälle.
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