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Kommentare zu:
Praunheims Schwulen-Schocker auf DVD


#11 sidekickAnonym
#12 ZeitfensterAnonym
  • 26.04.2014, 13:01h
  • Man kann ja über den Film streiten. Einige Schwule werden noch heute Schaum vor dem Mund haben, aber man kommt nicht umhin anzuerkennen, dass mit dem Werk die Schwulenbewegung in der Bundesrepublik initiiert wurde. Nach der Ausstrahlung hatten schwule Männer endlich den Mut, sich nicht länger zu verstecken. Sie organisierten sich, gründeten Aktionsgruppen und nahmen den Kampf für ihre Rechte und für ihre Freiheit auf. Dazu gehört auch das Treffen der Studentengruppen im April 1972 im westfälischen Münster, das mit einer Demonstration am 29. April in der Salzstraße einen Höhepunkt fand. Das war die erste Homosexuellen-Demonstration in der Bundesrepublik Deutschland. Heute würde man das wahrscheinlich CSD nennen. ;-)

    Für mich ist die DVD ein zeitgeschichtliches Dokument, deshalb werde ich sie auch kaufen. Es schadet auch nicht, wenn man sich gelegentlich daran erinnert, dass der Ursprung unserer Erfolge im Kampf um mehr Rechte nicht mit heirats- und adoptionswilligen Schwulen begann, die alle nur "normal" sein wollten, sondern durch Protest und Provokation. Oder wie es im Film so schön heißt:
    "Wir schwulen Säue wollen endlich wie Menschen behandelt werden!"
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#13 seb1983
  • 26.04.2014, 13:16h
  • Wenn man das sieht meint man tatsächlich die schwule Welt ist seit 50 Jahren stehen geblieben.

    Allerdings nicht nur die Spießer.
    Der oberflächliche Lifestyle, Klamotten, Kunst, Affektiertheit, die Karrikatur des "männlichen" als Lederbären, das Resteficken in der Travestie Bar etc. in einem Doppelleben...
    Man merkt das Budget war gering, aber Praunheim hat den Finger in fast jede schwule Wunde gelegt.

    Auch wenn es wohl ein Übersetzungsfehler war so passt es doch gut: Raus aus den Toiletten sind die meisten Schwulen immer noch nicht gekommen.
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#14 sperlingAnonym
  • 26.04.2014, 13:24h
  • ich habe den film vor einiger zeit auch wieder mal ausgegraben und kann nur zustimmen. da ist so vieles so aktuell, dass man sich immer wieder fragt, ob denn in den letzten vierzig jahren überhaupt nichts passiert sei.

    die kontroverse zwischen assimilatorischem und radikalem flügel zieht sich natürlich bis heute ungebrochen durch, allerdings mit einer entscheidenden verschiebung: die biedermeier_innen, die damals schlicht unsichtbar und politisch völlig inexistent waren, dominieren heute weitgehend die diskussionen und die politische strategie. ein zurückpendeln ins andere extrem ist m.e. nicht mehr zu erwarten und wird, wenn überhaupt, eher im bündnis progressiver lgbtiq* mit anderen progressiven gruppen als mit bürgerlichen homos geschehen.

    ein echtes schmankerl ist die diskussion im bonus-part. wenn man sich mal davon erholt hat, dass da inklusive moderator alle qualmen, als gäbe es kein morgen, dann kann man neben der spannenden inhaltlichen diskussion auch feststellen: damals hat man sich zeit genommen, um ein argument wirklich auszuführen, und die kontrahent_innen sind doch tatsächlich auf die argumente der anderen eingegangen, statt nur die eigenen parolen abzusondern. okay, nicht immer, aber jedenfalls erheblich öfter als heute.

    so ein fernsehen leisten wir uns heute nicht mehr.

    oder bin ich jetzt schon ein alter sack, der früher alles besser fand und sehe das ganz falsch?
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#15 sanscapote
  • 26.04.2014, 14:12h
  • Zitat queer: "Bei der um zwölf Monate verschleppten bundesweiten Ausstrahlung am 15. Januar 1973 im ARD-Nachtprogramm (minus BR) erzielte der Film überdurchschnittliche Einschaltquoten."

    Seinerzeit war es in einem anderen Bundesland nicht moeglich bei wdr den Film anzusehen. Der BR weigerte sich, den Film auszustrahlen, ebenso das ZDF. Ich erinnere mich noch gut, dass der im spaeten Nachrprogramm bei ARD die Strassen von Schwulen leerfegte bzw. in die Kneipen hineinzog, die per TV den Film anboten.

    Der Film wurde ausfuehrlich in der "Du & Ich" besprochen, welche damals noch unter dem Ladentisch verkauft wurde.

    Telefon- und Mundprogagande machten ein uebriges, um die Ausstrahlung bekannt zu machen.
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#16 WolfgangProfil
  • 26.04.2014, 14:23hBielefeld
  • Jetzt weiß ich auch, woran mich das neue Photo von Herrn Ilg erinnern sollte...sieht aus, als wäre er Rosas Film entstiegen und predigt noch immer die Anpassung ans Spießertum...
    Timm Johannes hat ja kein Phot...muß auch nicht sein...
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#17 -hw-Anonym
  • 26.04.2014, 14:40h
  • Antwort auf #15 von sanscapote
  • Mit Freunden konnte ich am Ende der 70er die Vorführung in einem städtischen Jugendzentrum durchsetzen. Und zwar mit Kommunisten-Angst.

    Wir baten zwei Wochen zuvor die örtliche SDAJ geräuschvoll das Naturfreundehaus für den geplanten Vorführungsabend anzumieten und ebenso geräuschvoll einen der wenigen tauglichen Projektoren im Ort. Und natürlich überall zu verkünden, dass im Falle von Verboten, Absagen oder "techn. Schwierigkeiten" im nahegelegenen Naturfreundehaus statt fände. Selbstverständlich unter Androhung üppiger Anprangerung von Zensur und allem Bösen.

    Das funktionierte so gut, dass die Verwaltung eigens einen "Schwulenvertreter" aus Frankfurt organisierte, der dann wenigstens in den Verlauf der anschließenden Diskussion systemstabilisierend eingreifen sollte. War ein süßes Kerlchen. Sah aus wie Cat Stevens damals so aussah, nur ca. halb so lang (Körpergröße).

    Es war nach der Aufführung dann noch ein stimmungsvoller Abend mit Sieges- und Freudentaumel. Und grölendem Gelächter über die Winkelzüge der Verwaltung. Viel Gras und Bier waren auch dabei.

    (Die SDAJ brachte es im Städtchen allerdings ein Jahr zuvor schon zu Protestaktionen mit ca. 400 Teilnehmern (inkl. kurzzeitiger Rathausbesetzung) gegen die Entlassung von beliebten Mitarbeitern des JUZ.)
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#18 -hw-Anonym
#19 antosProfil
  • 26.04.2014, 15:32hBonn
  • Nach zigfachem Betrachten dieses Films wird mir immer schleierhafter, warum der hier - und überhaupt heute noch - so hochgelobt wird. Hat das vielleicht damit zu tun, dass der sarkastisch-besserwisserische Erzählton einem das gute Gefühl vermittelt, etwas zu 'durchschauen' und auf der 'richtigen Seite' zu stehen?

    Welche aber wäre die richtige Seite? Die Antwort gibts natürlich im Film: die der Echtheit und Natürlichkeit. Damit weiß sich der Film - der in dieser Hinsicht völlig unkritisch, ja, erstaunlich blind daherkommt - eins mit jedem x-beliebigen Homophoben, ob in den 70ern oder heute.

    Praunheims Film stellt die damals wie heute noch gängigen heterosexuellen Zerrbilder von Schwulen 1:1 nach und bestätigt sie - unter dem Deckmantel der 'emanzipatorischen Anklage' mit Aufrüttelwunsch. Da gibt es die Mode-, Tanznachmittags- und Klappenschwuchteln - die sind, so vermittelt es uns dieser Film süffisant, allesamt unecht, unnatürlich, weibisch oder sonstwie falsch männlich [weil hypermaskulin, siehe die im Film mit Leder Verkleideten], ja, degeneriert.

    Gegengruppe zu diesen 'degenerierten Schwuchteln' sind - siehe Bild oben - die natürlichen, natürlich-männlich-haarigen Schwulen, die sich jetzt, also im Film, endlich mal gemeinsam nackt hinhocken, um mit tiefer Stimme supi entspannt über eine bessere Zukunft zu diskutieren.

    Fällt uns da gar nichts auf - an diesem billigen rousseauschen Schema?
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