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Kommentare zu:
Praunheims Schwulen-Schocker auf DVD


#61 RobbyEhemaliges Profil
  • 27.04.2014, 18:49h
  • Antwort auf #55 von sanscapote
  • Ich gebe Dir durchaus Recht. Ich habe vieles nicht mehr selbst miterlebt, da ich erst 1976 geboren wurde. Trotzdem habe ich auch selbst etliches erlebt und hatte auch ein paar Lover, die teiweise um 30 Jahre älter waren als ich. Ich denke, ich muß etwas weiter ausholen, um es zu verdeutlichen, warum ich so argumentiere, und wie ich denke und fühle. Einer dieser Lover, Egon, wurde 1967 nach dem § 175 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er hat mir offen und ehrlich erzählt, was damals passiert ist, wie sich seine Frau - ja, er hatte auch "pro forma" geheiratet - von ihm hat scheiden lassen, als das mit seinem Schwulsein rauskam und wie er nach seiner Entlassung mit der ganzen Situation umgegangen ist. Der beste Freund - und 1967 auch Lover - von Egon wollte der Gefängnisstrafe damals entgehen und hat sich der dieser Zwangshormontherapie unterzogen. Ich habe selbst gesehen, was diese "Therapie" bei diesem Menschen angerichtet hat. Es war zum Kotzen. Er hat sich nie wieder davon erholt und ist inzwischen verstorben. -

    Ich stelle gar nicht in Abrede, dass ich vieles wegen meines Geburtsjahres nicht wissen kann und auch nur durch Freunde, Lover und meinen Onkel mitbekommen habe. Aber trotzdem möchte ich Dir sagen - und das tue ich bewußt auch ganz offen - dass auch ich bis zum Jahr 1994 mehrmals wegen dem §175 verurteilt wurde. - Mag sein, dass meine Offenheit manchen "angepassten" Usern nicht gefallen wird, aber darauf kommt es mir nicht an. - Ich möchte einfach, dass Du besser verstehen kannst, warum ich wie argumentiere. Seitdem ich 14 war, bin ich in der Szene unterwegs und wurde dadurch natürlich auch öfter mal auf Klappen und in Cruising-Areas von den Bullen erwischt. - Bleibt ja meistens nicht aus... - Und da meine jeweiligen Sexpartner älter waren als ich, ergab sich dann nach so einer Razzia immer dieses Problem, wer nun WEN geküsst und verführt hat und so weiter. Ich denke, Du weißt, was ich meine und ich muß das hier nicht im Detail ausführen. - Und auch mit dem sogenannten "Kuppelparagraphen" mußte ich mich in diesem Zusammenhang vor Gericht ab und zu mal rumschlagen. Ich bin in der Hinsicht also kein unbeschriebenes Blatt mehr, wenn man das mal so salopp bezeichnen kann. Und ich stehe auch offen dazu. -
    Ich bin froh, dass 1994 dieser § 175 völlig abgeschafft wurde und für mich ist dies auch nicht selbstverständlich, denn ich weiß, dass der "Dicke" nie vor hatte, ihn abzuschaffen, sondern das nur in Zusammenhang mit der "Vereinigung" passiert ist. - Und ich denke, sobald die homophobe Regierung die Möglichkeit hat, diesen Paragraphen wieder einzuführen, wird sie es auch tun. Da habe ich keine Illusion. - Die Homophobie der bayerischen Polizei hat seit Anfang der 90er eigentlich auch eher zu- als abgenommen. Ich weiß nicht, wie das in anderen Bundesländern so ist. Aber ich denke mal, wahrscheinlich ähnlich.
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#62 sanscapote
#63 SmileyEhemaliges Profil
  • 27.04.2014, 19:27h
  • Antwort auf #53 von sperling
  • »teils fand ich den aggressiven lästerton mitreißend erfrischend, aber diejenigen passagen, die über mich selbst sprachen, fand ich empörend unfair und gemein«

    Genau. Und der Moment wo Du Praunheim gerne einen auf's Maul hauen möchtest, das ist der Moment um den's geht. Dann weißt Du wie die anderen bei deren Abkanzelung Du diesen besserwisserischen patronisierenden nasalen Tonfall der Deine Nerven sägt noch erfrischend fandest sich fühlen. Du darfst Dir auch sicher sein daß viele andere bei der unfairen selbstgerechten Verächtlichmachung Deiner eigenen Abteilung sich denken, Mensch, mitreißend erfrischend eigentlich, dieser aggressive Lästerton. Dazu gehöre zum Beispiel ich, Du lächerliche Schwuchtel.

    Der Film stellt Schwule so dar wie Norbert Geis sie träumt, elende blöde lächerliche Stereotypen. Abziehbilder. Bindungsunfähige unzuverlässige egozentrische, egomanische Versager. Schwul ist Deformation. Genauso ihre selbstgeschaffene Lebensumwelt. Da steht er der albern aufgebrezelte schwule Narziß, im Pissoir schielt er auf des Nachbarn Schwanz, die Hundekacke vom cruisen im Stadtpark noch am Schuh und heute abend muß der alternde Wichser wieder Taschenbillard spielen. Allein. Keine Institution schwulen Lebens bleibt ungeschoren.

    Der Grund warum ein Wecker einen schäbigen nervigen Rappelton absondert ist der: sein Zweck ist Wachmachen, nicht Gefallen.

    Der heute befremdliche schulmeisterliche Tonfall ist wohl auch dem Zeitgeist geschuldet. Duktus und Stil kann man in den Endsechzigern überall finden. Sie wußten die geschichtliche Wahrheit auf ihrer Seite, sie hatten es ja schließlich irgendwo gelesen oder erzählt bekommen daß das jemand mal irgendwo gelesen habe, und belehrten nun die begeisterte Welt darüber wie man was richtig zu tun habe. Welterlösung. Das färbte damals die Sprache.

    Andererseits war dieser Film ja auch als herablassende Belehrung gemeint.

    Ja, natürlich ist das ein unsolidarischer Film. Das ist ja das Ziel. Er soll den Schwulen ins Gesicht schlagen. Ohrfeige. Und dann als Schlußbotschaft einen Weg aufzeigen: wenn Du zeigen willst daß Du nicht so bist wie Du hier dargestellt wirst, dann beweg' Dich. Oder wenn Du so bist, aber nicht länger zusammengefaltet leben möchtest, dann beweg' Dich. Lernt gefälligst endlich solidarisch sein, ihr asozialen unsolidarischen Scheißschwuchteln.

    Übrigens, was die stilistischen Mittel angeht, ich würde sage daß Praunheim aus der Not eines lächerlich kleinen Budgets eine Tugend, einen in der Form den Inhalt betonenden Film gemacht hat. Stumm übrigens, nachgesprochen, nicht synchronisiert. Hätte er die Chance gehabt schwarzweiß zu drehen, er hätte es nicht getan, weil es farbig viel klebriger wirkt.

    »im wohlwollendsten sinn war das das (oder jedenfalls ein) ziel: wut auslösen, die dann bewegung auslöst«

    Ich würde sagen daß man dem Film anmerkt daß da keinerlei Wohlwollen im Spiel war. Wut und Bluthochdruck. Nachgelagert, wenn sich denn was bewegt, vielleicht etwas Erleichterung?

    Rousseau? Der edle Schwule der seine Natur in schlichter einfältiger Unschuld lebt? Bricht das nicht schon angesichts der in der Schlußszene ganz besonders asynchronen Nachvertonung? Dieser juckreizende fleißheftchenmäßige Schülerton? Selbst dies, die Bekanntgabe des Rezepts für den Zaubertrank noch halb beleidigend.

    "Es ist Scheiße vorzugeben daß wir richtige Männer sind, denn wir sind es meistens nicht"

    Genau. Und in der Büxe habe ich eine Banane und zwei Pingpong .. äh .. Tennisbälle.
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#64 2014Anonym
  • 27.04.2014, 19:48h
  • "Schwulen-Schocker" gibt es nicht mehr oder sind jedenfalls kaum noch wahrnehmbar.

    Dabei wären sie in Zeiten der immer aggressiveren Reproduktion der herrschenden Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse gerade über die zentrale stützende Säule der (noch nie so allgegenwärtigen) Heteronormativität/-sexismen so dringend nötig wie nie zuvor.

    Keine sexuelle Befreiung ohne soziale Revolution!

    Keine soziale Revolution ohne sexuelle Befreiung!
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#65 embeddedAnonym
  • 27.04.2014, 20:05h
  • Trotz heftigster Kritik aus den Reihen der Kirchen, der Politik, der Bürgerlichen - es hagelte viele Anzeigen wegen Verbreitung pornographischer Schriften, die Kirchen sahen die abendländischen Werte gefährdet - ließ Kolle sich nicht beirren und kämpfte weiter für ein Lebensgefühl, das man bis dahin gefälligst zu unterdrücken hatte: die Lust an der Liebe.

    In Dein Kind - das unbekannte Wesen führt OSWALT KOLLE Aufklärungsgespräche mit seinen beiden Söhnen, mit seiner Tochter spricht er über Verhütungsmethoden und redet ebenso mit seinen Kindern ganz offen über Selbstbefriedigung und Homosexualität.

    Aber KOLLE musste sich gegen heftige Widerstände wehren: die FSK wollte den Film auf den Index setzen, ein Staatsanwalt versuchte ihn mit allen Mitteln hinter Gitter zu bringen, und die studentische Linke hatte für ihn nur Spott und Verachtung übrig.

    www.oswaltkolle.de/40-jahre-oswalt-kollefilme.php
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#66 TheDadProfil
  • 27.04.2014, 20:10hHannover
  • Antwort auf #53 von sperling
  • ""einige wollten ohnehin nichts über dieses schmuddelthema bringen, andere aber hatten das gefühl, man müsse die schwulen vor den unflätigen angriffen, die sich ja wirklich durch den gesamten film ziehen, in schutz nehmen.""..

    Bist Du dir da sicher mit der "Inschutznahme" ?

    Die Vehemenz mit der sich der BR gegen die Ausstrahlung stellte, ergab sich meiner Meinung nach aus einem ganz anderem Faktum heraus, nämlich dem, des durch den Titel feststehenden "Bildungsauftrages"..

    Kaum 3 Jahre zuvor konnte Mann diese Perversen noch in´s Gefängnis stecken, und nicht nur in HH gab es dieses Unding der Zwei-Wege-Spiegel und der Provokateuere auf den Klappen, die teils bezahlte Spitzel, teils tatsächlich auch Polizisten waren, und nun sollte das Bildungsfernsehen der Bevölkerung erklären, das sie selbst Schuld an der Lebenswirklichkeit der Schwulen sein sollen..

    Diese Ungeheuerlichkeit paßte weder in die Gedankenwelt der BR-Oberen, noch in die anderer Fernsehanstalten..
    Leider kann ich mich nicht erinnern wer zum Zeitpunkt der versuchten Erstausstrahlung, die dann mit der Verbannung in den WDR endete, den ARD-Vorsitz führte..
    Mann möchte behaupten das es ein WDR-Intendant war, oder vielleicht sogar einer vom damaligem SFB..

    Ich hatte das große Glück mit einer Mutter gesegnet zu sein, die ihren Kindern Bildung nicht vorenthielt, und so konnten wir, meine beiden älteren Geschwister und ich, den Film sehen, auch Dank der Tatsache das wir in einer Arbeitersiedlung in Bremen wohnten, die von der gewerkschaftseigenen Gewoba errichtet, und diese Wohnungen mit einer Gemeinschaftsantenne ausgestattet waren, die den Empfang von WDR und DDR-Fernsehen gestattete..

    Der Montag als Ausstrahlungstermin wurde gewählt um das Publikum gering zu halten..

    Einen Tag zuvor gab es einen Aufstand in Derry, den die britische Armee niederschlug..

    www.youtube.com/watch?v=LQZLPV6xcHI
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#67 SmileyEhemaliges Profil
#69 netzhautAnonym
  • 27.04.2014, 21:11h
  • Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten im Wohnzimmer das Deutungsmonopol mittels bewegter Bilder.
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#70 klimareportAnonym

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