https://queer.de/?21559
Homophobe Gewalt
Maneo: Berlin "nicht gefährlicher" als andere Großstädte
- 13. Mai 2014 2 Min.

Laut Maneo hat sich die Zusammenarbeit mit den Behörden erheblich verbessert (Bild: schw0schl0 / flickr / by 2.0)
Das schwule Antigewaltprojekt meldet zwar für 2013 mehr homophobe Übergriffe als im Jahr zuvor, weist aber darauf hin, dass in Berlin mehr Fälle öffentlich werden als anderswo.
Im vergangenen Jahr wurden laut dem am Montag vorgestellten Bericht des Antigewaltprojekts Maneo (PDF) in der Bundeshauptstadt 259 Fälle von homophoben Übergriffen festgestellt, die meisten davon richteten sich gegen Schwule. Das ist eine Zunahme von mehr als 25 Prozent gegenüber 2011. Zudem gab es 23 transphobe Delikte.
Laut Maneo-Leiter Bastian Finke ist die Zunahme kein Zeichen dafür, dass Berlin gefährlicher wird, sondern dass in der Hauptstadt das Thema immer ernster genommen werde. Sein Verein habe geholfen, die oft verheimlichten Fälle "aus dem Dunkelfeld herauszuholen". Damit sei der Anstieg auch mit der besseren Öffentlichkeitsarbeit und einer besseren Zusammenarbeit mit Polizei und Staatsanwaltschaft zu erklären. "Dass in Berlin mehr Fälle als in anderen deutschen Regionen bekannt werden, erklären wir damit, dass hier wirksamere Strukturen vorhanden sind, die Vorfälle sichtbar machen", so Finke. Er versicherte: "In Berlin ist es für LSBT nicht gefährlicher als in anderen deutsche Großstädten. Die Vorfälle erfordern es, Homophobie und Transphobie als gesamtgesellschaftliche Herausforderung ernst zu nehmen".
Die am häufigsten gemeldete Deliktform sind dem Bericht zufolge Raubstraftaten mit einem Anteil von 28 Prozent. Auf Platz zwei und drei folgen Körperverletzung und einfache Beleidigung, die jeweils ein Fünftel der Meldungen ausmachten. 14 Prozent der Fälle waren Nötigungen oder Bedrohungen.
Meiste Fälle aus Schöneberg
Der Bezirk mit den häufigsten Meldungen ist Schöneberg mit ganzen 43 Prozent. Danach folgen abgeschlagen Tiergarten (9 Prozent), Kreuzberg (8 Prozent) und Neukölln (7 Prozent). Die auffällige Zunahme von Vorfällen in Schöneberg bzw. im Schöneberger Regenbogenkiez hatte Anfang des Jahres zu Gesprächen zwischen Maneo und der Polizei geführt, die in Folge verstärkt Präsenz zeigte. Dadurch konnte die Zahl der Übergriffe im Laufe des Jahres reduziert werden.
Vier von zehn Delikten ereigneten sich auf offener Straße. In jedem fünften Fall war eine Privatwohnung der Tatort, in neun Prozent Cruisingorte wie Parkanlgaen oder Waldgebiete.
Maneo fordert "sichtbare und mutige Signale", um Hassgewalt entgegen zu treten. Dazu gehörten öffentlichkeitswirksame Aktionen, die Homo- und Transsexualität entabuisieren sollen. Außerdem sei Aufklärungsarbeit an Schulen, in Sportvereinen und in Unternehmen wichtig.
In Berlin sorgen Übergriffe aus homo- und transphoben Motiven seit Jahren für Schlagzeilen. Daher hat die Landesregierung 2012 eine Spezialabteilung gegründet, die homophobe Straftaten gesondert bearbeitet (queer.de berichtete). (dk)
Links zum Thema:
» Maneo














