https://queer.de/?21571
Antidiskriminierungsstelle besorgt
Lüders warnt vor "neuer Homophobie" in Deutschland
- 14. Mai 2014 2 Min.

Christine Lüders sorgt sich insbesondere um Schüler, die wegen ihrer Homosexualität gemobbt werden (Bild: Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
Der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle macht die Homosexuellenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft Sorgen. Sie nennt einen Autor der "Welt" und Bildungsplan-Gegner als Beispiele.
Christine Lüders hat am Mittwoch vor einer "neuen Homophobie" in Deutschland gewarnt. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie, der alljährlich am 17. Mai veranstaltet wird, sagte die Chefin der 2006 eingerichteten Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sie sehe "besorgniserregende Anzeichen" für schwulen- und lesbenfeindliche Tendenzen "in allen Bereichen der Gesellschaft".
Als Beispiele nannte sie etwa "einen prominenten Publizisten", der den Satz "Ich bin wohl homophob. Und das ist gut so" geschrieben hat. Dabei handelt es sich um einen Meinungsartikel von Matthias Mattussek, der auf welt.de abgerufen werden kann.
Außerdem führte Lüders die Dresdner Rede von Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff als Anzeichen für die neue Homophobie auf. Sie kritisierte auch, dass bei der Debatte um den Bildungsplan in Baden-Württemberg über "negative Begleiterscheinungen des 'LSBTTIQ-Lebensstils'" schwadroniert werde. "Aus all diesen Äußerungen spricht eine tiefe Abneigung gegen Vielfalt. Das führt geradewegs zu Ausgrenzung und Abschottung gegenüber all denen, die vorgeblich nicht normal sind", sagte Lüders.
"Schwule Sau" an der Tagesordnung
Besonders schlimm sei die Situation an Schulen: "Junge Schüler bekommen das schon auf dem Schulhof zu hören, wenn sie mit 'schwule Sau' beschimpft werden", ergänzte Lüders. Die Antidiskriminierungsstelle plädiert deshalb unter anderem für die Einführung von Beschwerdestellen für Schüler auf Landesebene.
Lüders verwies auch auf den Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes an den Deutschen Bundestag vom vergangenen Herbst (queer.de berichtete). Darin wird beklagt, dass insbesondere in Bildungseinrichtungen und in Kirchen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben an der Tagesordnung sei.
Rehabilitierung von Opfern des Paragrafen 175 gefordert
Lüders rief darüber hinaus dazu auf, die Opfer des "Schwulen-Paragrafen" 175 des Strafgesetzbuches zu rehabilitieren und zu entschädigen. Das hatte noch 2011 die damalige schwarz-gelbe Regierungskoalition abgelehnt (queer.de berichtete). "Ich appelliere an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, aktiv zu werden, ehe die meisten Opfer verstorben sind", sagte Lüders.
Christine Lüders ist seit 2010 Chefin die Antidiskriminierungsstelle. Zuvor leitete sie unter anderem das Pressereferat des nordrhein-westfälischen Integrationsministeriums. (dk)
Links zum Thema:
» Antidiskriminierungsstelle des Bundes










www.queergeist.com/2014/05/14/homophobie-oder-die-frage-wovo
n-wir-eigentlich-reden/