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Antidiskriminierungsstelle besorgt

Lüders warnt vor "neuer Homophobie" in Deutschland

  • 14. Mai 2014 58 2 Min.

Christine Lüders sorgt sich insbesondere um Schüler, die wegen ihrer Homosexualität gemobbt werden (Bild: Anti­diskriminierungs­stelle des Bundes)

Der Leiterin der Antidiskriminierungsstelle macht die Homosexuellenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft Sorgen. Sie nennt einen Autor der "Welt" und Bildungsplan-Gegner als Beispiele.

Christine Lüders hat am Mittwoch vor einer "neuen Homophobie" in Deutschland gewarnt. Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie, der alljährlich am 17. Mai veranstaltet wird, sagte die Chefin der 2006 eingerichteten Antidiskriminierungsstelle des Bundes, sie sehe "besorgniserregende Anzeichen" für schwulen- und lesbenfeindliche Tendenzen "in allen Bereichen der Gesellschaft".

Als Beispiele nannte sie etwa "einen prominenten Publizisten", der den Satz "Ich bin wohl homophob. Und das ist gut so" geschrieben hat. Dabei handelt es sich um einen Meinungsartikel von Matthias Mattussek, der auf welt.de abgerufen werden kann.

Außerdem führte Lüders die Dresdner Rede von Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff als Anzeichen für die neue Homophobie auf. Sie kritisierte auch, dass bei der Debatte um den Bildungsplan in Baden-Württemberg über "negative Begleiterscheinungen des 'LSBTTIQ-Lebensstils'" schwadroniert werde. "Aus all diesen Äußerungen spricht eine tiefe Abneigung gegen Vielfalt. Das führt geradewegs zu Ausgrenzung und Abschottung gegenüber all denen, die vorgeblich nicht normal sind", sagte Lüders.

"Schwule Sau" an der Tagesordnung

Besonders schlimm sei die Situation an Schulen: "Junge Schüler bekommen das schon auf dem Schulhof zu hören, wenn sie mit 'schwule Sau' beschimpft werden", ergänzte Lüders. Die Antidiskriminierungsstelle plädiert deshalb unter anderem für die Einführung von Beschwerdestellen für Schüler auf Landesebene.

Lüders verwies auch auf den Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes an den Deutschen Bundestag vom vergangenen Herbst (queer.de berichtete). Darin wird beklagt, dass insbesondere in Bildungseinrichtungen und in Kirchen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben an der Tagesordnung sei.

Rehabilitierung von Opfern des Paragrafen 175 gefordert

Lüders rief darüber hinaus dazu auf, die Opfer des "Schwulen-Paragrafen" 175 des Strafgesetzbuches zu rehabilitieren und zu entschädigen. Das hatte noch 2011 die damalige schwarz-gelbe Regierungskoalition abgelehnt (queer.de berichtete). "Ich appelliere an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, aktiv zu werden, ehe die meisten Opfer verstorben sind", sagte Lüders.

Christine Lüders ist seit 2010 Chefin die Antidiskriminierungsstelle. Zuvor leitete sie unter anderem das Pressereferat des nordrhein-westfälischen Integrationsministeriums. (dk)

-w-

#1 CharlieAnonym
  • 14.05.2014, 18:06h
  • Der Begriff 'Homophobie' greift meiner Ansicht nach zu kurz, indem wir ihn ausschließlich als Gewalt gegen Schwule oder auch Schwule und Lesben begreifen. Andere Formen ähnlich motivierter Gewalt geraten damit schnell aus dem Blickfeld und verschleiern die Dimension 'homophober' Gewalt gegen Bisexuelle aber auch gegen Trans* und Interpersonen - übrigens auch innerhalb der schwul-lesbischen Community.

    www.queergeist.com/2014/05/14/homophobie-oder-die-frage-wovo
    n-wir-eigentlich-reden/
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#2 SchleicheR74
  • 14.05.2014, 18:48h
  • Antwort auf #1 von Charlie
  • Hm, ich finde den Begriff Homophobie eigentlich ganz treffend und recht weitreichend. Von der Bedeutung her heißt es einfach "Angst vor Gleichgeschlechtigkeit" und daraus motivierte Taten können "harmlose" Beschimpfungen sein und eben auch Todesdrohungen.
    Mit etwas Ironie kann man Homophobie auch mit irrationalen Ängsten auf eine Stufe stellen und auch mal seelische Schwäche ´attestieren´, wie z.B. bei Arachnophobie oder simpler Platzangst oder Angst vor Höhe.
    Wenn jemand sagt, er sei homophob, dann könnte man ihm vielleicht Hypnose empfehlen oder einen richtigen Psychiater um diese ´seelische Störung´ zu beseitigen *fg*. Das würde Leid auf beiden Seiten beseitigen *g*
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#3 Monster_BabyEhemaliges Profil
  • 14.05.2014, 18:50h
  • Gut, dass Frau Lüders Homo- und Transphobie in das Bewusstsein der deutschen Gesellschaft bringt - und das sogar mit deutlichen Beispielen wie Matussek. Sicher hat Kommentator 'Charlie' recht, dass der Begriff Homophobie auch innerhalb der Szene zu kurz gegriffen ist. Aber man sollte bedenken, dass sich die Worte von Frau Lüders an die Durchschnittsgesellschaft richtet und Teile dieser Gesellschaft sind ja schon mit der Existenz von Schwulen überfordert. Es ist ein Anfang, ein guter Anfang, denn sogar Transphobie wird benannt. Es ist unmöglich in einem verständlichen Statement alle Aspekte der LGBTI-Feindlichkeit anzusprechen - der Text würde so lange, dass die meisten sowieso nach der Hälfte geistig abschalten würden, vorausgesetzt sie lesen den Text überhaupt. Ich bin jedenfalls positiv von den Worten von Frau Lüders überrascht und auch dankbar.
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