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10. Internationaler Aktionstag
Weltweiter Protest gegen Homopobie
- 16. Mai 2014 3 Min.

Es werden wieder Luftballons in Regenbogenfarben gen Himmel steigen (Bild: savv / flickr / by-sa 2.0)
Am Samstag gehen weltweit LGBT-Aktivisten auf die Straße, um gegen Homophobie und Transphobie zu demonstrieren. Allein in Deutschland gibt es Veranstaltungen in mehr als 40 Städten.
Von Dennis Klein
"Die Einstellung von Menschen zu verändern braucht Zeit, Aufwand und Ausdauer. Wir müssen uns alle gegen Homophobie wehren, auch wenn sie als harmloser Spaß oder kulturelle Eigenheit präsentiert wird. Homophobie ist aber kein Spaß, sondern Diskriminierung. Es liegt in unser aller Verantwortung, gegen Homophobie zu kämpfen, um in einer Welt zu leben, in der jeder die gleichen Rechte hat." Mit diesen Worten hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dieses Jahr für den Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie geworben, zu dem es Aktionen in mehr als 120 Ländern geben soll. Der Koreaner führte die traurigen Tatsachen auf, warum der Tag nach wie vor notwendig ist: So verbieten 77 Länder in der Welt Homosexualität, während es lediglich in 62 Staaten Antidiskriminierungsgesetze mit dem Merkmal sexuelle Orientierung gibt.
Dieses Jahr findet der Internationale Tag gegen Homophobie zum zehnten Mal statt. Er war 2005 vom französischen Aktivisten Louis-Georges Tin ins Leben gerufen worden – und verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die ganze Welt (seit 2009 mit dem Zusatz "Transphobie"). Ursprünglich stammt die Idee aber aus Kanada, wo bereits 2003 ein nationaler Tag gegen Homophobie abgehalten worden war.
Den 17. Mai wählten die Veranstalter aus, weil an diesem Tag im Jahr 1990 die Weltgesundheitsorganisation WHO entschieden hatte, Homosexualität von der Liste der Krankheiten zu streichen. Rein zufällig war der Ausspruch "Ich habe am 17.5. Geburtstag" bereits zuvor unter westdeutschen Schwulen ein Geheimcode, sich über über sexuelle Identität zu verständigen. Damit spielten sie auf den Paragrafen 175 an, mit dem Deutschland bis 1994 abertausende schwule Männer wegen ihrer Homosexualität verfolgen ließ.
LGBT-Aktivisten in Russland werden am Protest gehindert

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon setzt sich anlässlich des Aktionstages für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben ein
International gibt es große Unterschiede, wie der Aktionstag begangen wird: Während hierzulande die Beteiligung praktisch gefahrlos ist, werden LGBT-Aktivisten in anderen Ländern von Rechtsradikalen oder sogar von den Behörden bedroht und verfolgt, sollten sie für ihre Rechte auf die Straßen gehen. Beispiel Russland: Hier sind in mindestens elf russischen Städten Rainbow-Flashmobs geplant, die Luftballon-Aktionen haben sich als niedrigschwellige Alternativen zu Demonstrationen erwiesen. Aktivisten müssen sich trotzdem vor schweren Misshandlungen fürchten. In St. Petersburg war es beispielsweise vor zwei Jahren zu heftigen Ausschreitungen gekommen (queer.de berichtete).
In Deutschland finden dieses Jahr Kiss-ins, Demonstrationen, Rainbow-Flashmobs und Infostände in mehr als 40 Städten statt. In dBerlin gibt es etwa bereits ab 11 Uhr morgens eine Demonstration für Menschenrechte, die von "Enough is Enough" organisiert wird; via Facebook haben sich bereits rekordverdächtige 2.300 Menschen angemeldet. Sie stößt später am Nollendorfplatz auf eine Kundgebung und Mitmachaktion von LSVD und Bündnis gegen Homophobie an der Gedenktafel am Nollendorfplatz, von dort zieht man gemeinsam weiter Richtung Alexanderplatz.
In vielen weiteren deutschen Städten gibt es Aktionen, die Termine hat queer.de hier zusammengestellt.
Forderungen aus der Politik
Auch die Opposition im Bundestag stellt traditionell Forderungen an die Regierung zum Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie. So fordern die Grünen einen bundesweiten "Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie, der die Prävention an den Schulen, aber auch die Sensibilität bei Behörden und der Polizei stärkt", wie die Abgeordneten Volker Beck und Ulle Schauws in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilten. Die Linken fordern anlässlich des Protesttages, dass "die Diskriminierung von Lebensweisen auch politisch beendet wird", wie Parteivorstand Klaus Lederer erklärte.
Auch Johannes Kahrs, der Sprecher für Schwulen- und Lesbenpolitik in der SPD, forderte zur Teilnahme an Aktionen am Samstag auf. Allerdings klingt er dieses Jahr er ein wenig anders als noch zu Oppositionszeiten: 2012 nannte er anlässlich des Aktionstages die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung noch "gestrig und ignorant", weil sie die Ehe für Schwule und Lesben nicht öffnen wolle. Diese Einschätzung hat sich offenbar geändert, nachdem die Sozialdemokraten vor ein paar Monaten den Koalitionsvertrag unterschrieben haben.















Vor der Wahl die Union als ewig gestrig, ignorant und unanständig betiteln, weil die Union die Ehe nicht öffnen will, und nach der Wahl tragen er und die SPD die Diskriminierung von Homosexuellen im Eherecht mit, und Herr Kahrs ist ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht den Diskriminierungskurs gegen Schwule und Lesben zu verteidigen und zu rechtfertigen.