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- 17. Dezember 2004 2 Min.
Die Deutsche Aids-Hilfe darf nicht mehr Info-Broschüren für Schwule auf ihrer Webseite veröffentlichen.
Von Dennis Klein
Schwule Lebenswelten finden auf der Webseite der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) nicht mehr statt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat die DAH gezwungen, die Broschüren, die sich direkt an Schwule wenden, nicht mehr öffentlich zugänglich zu machen. Internet-Nutzer können die Informationen nur noch auf der Webseite bestellen, sie werden dann per Post den Interessenten zugeschickt. "Die Bundeszentrale will nicht, dass Otto Normalverbraucher diesen 'Schweinkram' ansieht", erklärt Rainer Schilling von der DAH. "Das ganze ist ein Theater. In jeder Bravo steht ja mehr drin."
Die Aids-Hilfe war nach einem Bericht des SWR-Magazins "Report Mainz" vom 13. September unter Druck geraten. Darin hatte das Magazin der DAH vorgeworfen, Aids nicht hart genug zu bekämpfen (Bericht "Sex ohne Schutz - AIDS-Infektionen breiten sich wieder aus"). Die DAH wies die Anschuldigungen zurück. "Es gab nur eine verwirrende Textpassage in den Broschüren", so Reinhard Klenke von der Aids-Hilfe NRW. "Die Entscheidung, die schwulen Lebenswelten herunterzunehmen, ist zwar schon vor der Klamotte mit Report Mainz gefallen", berichtet Schilling, "allerdings hat das die Sache sehr beschleunigt."
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung argumentiert, dass die Broschüren nicht an die breite Öffentlichkeit gerichtet seien, sondern lediglich an eine kleine Zielgruppe - daher müssten sie "zielgruppengenau" abgegeben werden. "Wir müssten ein Internetportal schaffen, wo wir die Inhalte reinstellen können", so Schilling, "oder wir müssten mit anderen Anbietern verhandeln, so dass die unsere Inhalte hineinstellen." Außerdem steht es den lokalen Aids-Hilfen frei, eigene Inhalte für Schwule anzubieten. So bietet die Aids-Hilfe NRW auf ihrer Webseite eine viele Informationen für Schwule an. Klenke will das so beibehalten: "Die Befürchtungen sind ja völlig überspitzt. Es kann nicht sein, dass die Gruppe der Hauptbetroffenen nicht erwähnt wird."
Rainer Schilling hofft nun, dass es keine Probleme gibt, die Inhalte auf anderen Seiten zu veröffentlichen. "Vielleicht ist ja der nächste Schritt, dass unser Logo nicht mehr darunter stehen darf." Von der rot-grünen Bundesregierung fühlt er sich alleine gelassen: "Eine CDU-Regierung würde das tapferer durchstehen. Unter einem Herr Seehofer wäre so etwas nicht passiert."
17. Dezember 2004
Links zum Thema:
» Siehe auch: Homogurke für Ulla Schmidt














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