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Porno-Industrie im Aufruhr
Kalifornien: Parlament stimmt für Bareback-Verbot in Pornos
- 28. Mai 2014 2 Min.

Auf DVD-Covers werben Pornofirmen wenig subtil für Filme, in denen keine Kondome verwendet werden
Die Nutzung von Kondomen soll künftig in Pornofilmen Pflicht sein, wenn es nach den kalifornischen Abgeordneten geht.
Das Repräsentantenhaus von Kalifornien hat am Dienstag mit deutlicher Mehrheit das Gesetz AB1576 verabschiedet, das bei der Produktion von Pornos eine Kondom-Pflicht auferlegt. 41 Abgeordnete stimmten für die Vorlage des Demokraten Isadore Hall, zwölf Parlamentarier waren dagegen.
Laut Hall soll das Gesetz die Gesundheit der Darsteller schützen. "Ob sie in der Landwirtschaft, der Industrie, im Krankenhaus, im Lebensmitteleinzelhandel oder wo auch immer arbeiten – jeder hat ein Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen", sagte Hall.
In Anhörungen hatte sich die Porno-Industrie zuvor gegen ein Bareback-Verbot ausgesprochen und mit dem Wegzug aus Kalifornien gedroht. Die Lobbyisten argumentieren, dass die Selbstverpflichtung der Pornoindustrie bereits jetzt die Darsteller ausreichend schütze. Mehrere Darsteller haben ebenfalls die Politiker aufgefordert, das Gesetz nicht einzuführen, weil es ihre Jobs vernichten könnte.
Eine derartiges Bareback-Verbot war bereits 2012 im Bezirk Los Angeles eingeführt worden (queer.de berichtete). Ein Verband der Porno-Industrie hatte daraufhin gegen das Gesetz geklagt, weil es das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verletze (queer.de berichtete).
Derzeit setzt Kalifornien acht Milliarden Dollar im Jahr mit homo- und heterosexuellen Pornos um. In den meisten anderen US-Staaten ist dagegen die Produktion von Pornografie verboten. Allerdings ist insbesondere bei Low-Budget-Filmen, die etwa in Motel-Zimmern gedreht werden, eine Kontrolle schwierig bis unmöglich.
Bareback-Verbot wird bereits umgangen

Der Demokrat Isadore Hall hatte den Gesetzentwurf ins Parlament von Sacramento eingebracht (Bild: California State Assembly)
Inzwischen versucht die Porno-Industrie, das Bareback-Verbot zu umgehen: So brachte Falcon Anfang des Jahres einen "safe" aufgenommenen Film heraus, aus dem die Kondome später digital entfernt wurden (queer.de berichtete). Andere Pornolabel experimentieren mit unsichtbaren Kondomen. Mehrere Aids-Aktivisten befürchten aber, dass derartige Pseudo-Barebackfilme unsafen Sex verherrlichen und die Zuschauer dazu verleiteten, ebenfalls keine Kondome zu benutzen.
In der Vergangenheit gab es bereits mehrfach Drehpausen, nachdem sich Darsteller mit dem HI-Virus infiziert hatten. So stand die Industrie 2004 zwei Monate still, nachdem mehrere Pornodarsteller positiv getestet worden waren. Zudem verhängte die kalifornische Gesundheitsbehörde in den letzten Jahren sechsstellige Strafzahlungen an Firmen, die sich nicht an die Gesundheitsauflagen hielten.
Die große Mehrheit der amerikanischen Porno-Filme – schwul und hetero – wird im San Fernando Valley im Nordwesten von Los Angeles gedreht. Zwar ist Bareback in der etablierten schwulen Pornoszene in den USA bereits jetzt verpönt, beispielsweise werden bei den jährlich vergebenen GayVN-Awards Filme automatisch disqualifiziert, bei denen keine Kondome verwendet werden. Allerdings produzieren gerade kleine Pornofirmen gerne Bareback-Filme, da insbesondere in Europa eine große Nachfrage nach diesen Filmen besteht. So ist etwa in der Top-10 des britischen Pornoversenders "Homoactive" keine einzige DVD vertreten, die ausschließlich Safer Sex zeigt. (dk)














