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Baden-Württemberg
Bildungsplan-Gegner starten neue Petition
- 20. Juni 2014 3 Min.

Bei Demos gegen den Bildungsplan wird "krankhafte" Homosexualität immer wieder mit Pädophilie gleichgesetzt. (Bild: Kevin Edwards / flickr / by 2.0)
Homosexuelle im Unterricht als gleichwertig zu beschreiben, sei verfassungswidrig, argumentieren Homo-Hasser in Baden-Württemberg in einer neuen Petition.
Die Organisatoren der homofeindlichen "Demo für alle" sammeln erneut Unterschriften gegen den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung, weil dieser vorsieht, das Thema "sexuelle Vielfalt" fächerübergreifend im Unterricht zu behandeln. In der Petition wirft das christliche Aktionsbündnis der Regierung vor, dass "der Bildungsplan parteipolitische und ideologische Vorstellungen auf dem Rücken der Kinder exekutiert".
In dem an Kultusminister Andreas Stoch (SPD) gerichteten Schreiben heißt es, der Bildungsplan sei nicht grundgesetzkonform: "Das Einfordern von Akzeptanz generell verstößt gegen das Indoktrinationsverbot und ist deshalb verfassungswidrig". Dabei berufen sich die Homo-Gegner auf den Rechtswissenschaftler Professor Ulrich Palm von der Universität Stuttgart-Hohenheim. Er hatte im Mai vor der CDU-Fraktion im Landtag behauptet, dass der Staat auf die weltanschaulichen Überzeugungen der Eltern Rücksicht nehmen müsse und daher keine Akzeptanz von Kindern gegenüber Nicht-Heterosexuellen einfordern dürfe.
Die Homo-Gegner argumentieren insbesondere, dass von Schülern nicht wie im Bildungsplan vorgesehen Akzeptanz für Homosexuelle verlangt werden könne, sondern höchstens Toleranz. Grund: Akzeptanz setze einen "positiven Zustimmungsakt voraus" – und dieser könne von bibeltreuen Christen wegen der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit nicht verlangt werden.
Freilich wird der Begriff "Akzeptanz" bereits jetzt in Schulen eingefordert, wenn es um andere Minderheiten geht: So verlangt etwa das bayerische Kultusministerium "gegenseitige Toleranz und Akzeptanz" von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund. Bislang hat die "Demo für alle" jedoch noch nicht die Akzeptanz von Ausländern mit nichtchristlichen Wurzeln als "Indoktrination" kritisiert.
Homosexualität als "krankhafte Variante sexueller Identität"
In Kommentaren unter der Petition werden die Motive und Vorurteile der Homo-Gegner deutlich: Dort wird Homosexualität etwa als "krankhafte Variante sexueller Identität" bezeichnet. Die regierenden Grünen werden außerdem als "Verderber der Jugend" und als "Kindersexpartei" diffamiert.
Die Gegner des Bildungsplans wollen am 28. Juni wieder in Stuttgart protestieren (queer.de berichtete). Bei den drei vorangegangenen Demos hatten jeweils bis zu 800 Menschen vor dem Stuttgarter Schloss demonstriert.
Die "Demo für alle" ist ein Bündnis mehrerer christlicher Gruppen wie der "Initiative Schützt unsere Kinder" oder dem "Forum deutscher Katholiken" sowie Einzelaktivisten wie Gabriele Kuby. Auch die Union mischt bei dem Homo-Hassern mit: So ist auch der Evangelische Arbeitskreis der CDU-Kreisverbände Heilbronn, Mannheim und Rems-Murr Mitglied im Bündnis. Die Stuttgarter CDU hatte zudem Anfang des Monats dem politischen Gegner vorgeworfen, Störaktionen bei der "Demo gegen alle" zu planen (queer.de berichtete). Auch die FDP spricht sich im Land gegen den Bildungsplan aus und lehnt eine bessere Aufklärung über sexuelle Vielfalt an öffentlichen Schulen im Land ab.
Bereits im April feierten die Homo-Gegner einen ersten Erfolg, nachdem die Landesregierung den Bildungsplan um ein Jahr auf die Zeit nach der Landtagswahl 2016 verschoben hatte (queer.de berichtete). Kultusminister Stoch erklärte damals, die Proteste hätten mit der Verschiebung nichts zu tun – es sei lediglich notwendig, weitere Praxistests durchzuführen. (dk)
Links zum Thema:
» Petition der "Demo für alle"















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