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Drama von Tomasz Wasilewski
"Tiefe Wasser": Doppeltes Coming-out, kein Happy-End
- 26. Juni 2014 3 Min.

Leistungsschwimmer Kuba hat eine Freundin, mit der er zusammen bei Mutti wohnt. Doch dann lernt er in einer Galerie Michal kennen - und schwimmt sich frei (Bild: Edition Salzgeber)
Jetzt im Kino: Der polnische Spielfilm "Tiefe Wasser" zeigt, wie verkrampft unsere Nachbarn noch immer mit schwuler Liebe umgehen.
Nur wenige Monate nach "Im Namen des …" (queer.de berichtete) eröffnet mit "Tiefe Wasser" ein zweiter Film aus Polen tiefe Einblicke in eine Gesellschaft gleich nebenan, die ihre Verkrampfungen mit gelebter Homosexualität nicht ablegen kann.
Der Anfangzwanziger Kuba steht nach 15 Jahren hartem Training vor seinem Durchbruch als Leistungsschwimmer. Doch die Spitzenzeiten hat er vor allem seinen kleinen weißen Dopingpillen zu verdanken. Nicht sein einziges kleines Geheimnis: Mitunter treibt es ihn zum heimlichen Sex mit Männern aufs Klo der Trainingshalle.
Für die Außenwelt dagegen ist Kuba seit zwei Jahren halbwegs glücklich mit Sylwia liiert. Die Freundin hat sich in seinem Jugendzimmer eingenistet – ein steter Dorn im Auge von Mutter Ewa. Ständig ringen die beiden Frauen um die Oberhand.
Eindringliche Bilder aus dem Großstadtdschungel

Deutsches Kinoplakat: "Tiefe Wasser" läuft ab 26. Juni in ausgewählten Programmkinos
Eines Abends schleppt Sylwia ihren Freund mit zu einer Vernissage. Dort trifft Kuba auf Michal. Ein gemeinsamer Joint öffnet die Tür zu einer langsamen Annäherung. Erstmals entwickelt Kuba tiefere Gefühle zu einem Mann. Das bleibt auf Dauer weder Freundin noch Mutter verborgen. Derweil offenbart sich Michal seinen großbürgerlichen Eltern. Die wissen vor lauter Verklemmung so gar nicht, wie sie angemessen mit ihrem schwulen Sprössling umgehen sollen.
Auf Dauer glücklich sein darf keine der Figuren in "Tiefe Wasser". Regisseur Tomasz Wasilewski findet zur Illustration ihrer Einsamkeit so karge wie visuell eindringliche Bilder aus dem Großstadtdschungel.
Leider schleicht sich die eine oder andere Länge in die Erzählung. Und so richtig schlüssig geht es (gerade in den wenigen romantischen Momenten) nicht immer zu. Warum zum Beispiel treffen sich Kuba und Michal zum Stelldichein auf einen abgelegenen Bahnhof, besteigen einen anrollenden Güterzug und lassen sich damit in die Walachei transportieren, ohne sich Gedanken zu machen, wie sie wieder nach Hause kommen?
Zu allem Überfluss wird das für polnische Verhältnisse erstaunlich offen erzählte doppelte Coming-out am Ende einkassiert. Mutter und Freundin gelingt es, Kuba wieder einzufangen. Michal fällt Schwulenklatschern zum Opfer. Hetero macht auch nicht froh, aber ein glückliches Homo-Leben scheint ebenso undenkbar – eine zwiespältige Botschaft, mit der uns der Film da entlässt.
Die Darstellerinnen und Darsteller entschädigen ein wenig, allen voran Katarzyna Herman als klammerndes Muttertier Ewa und der schon sehr ansehnliche, dabei intensiv aufspielende Mateusz Banasiuk als Kuba. (to)
Tiefe Wasser (Originaltitel: Płynące wieżowce). Drama. Polen 2013. Regie & Buch: Tomasz Wasilewski. Darsteller: Mateusz Banasiuk, Bartosz Gelner, Marta Nieradkiewicz, Katarzyna Herman. Laufzeit: 93 Minuten. Polnische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Edition Salzgeber. Ab 26. Juni 2014 in ausgewählten Kinos.
Links zum Thema:
» Alle Kinotermine auf der Salzgeber-Homepage
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
04:35h, VOX:
Medical Detectives – Geheimnisse der Gerichtsmedizin
Folge 62: Motive – Ein schwules Paar wurde ermordet, die Ermittlungen führen die Polizei ins Milieu weißer Rassisten, doch konkrete Hinweise auf den Täter gibt es nicht.
Serie, USA 1996- mehr TV-Tipps »
















Walachei oder Malopolski?
de.wikipedia.org/wiki/Woiwodschaft_Kleinpolen
Tomasz Wasilewski (geb. 1980)