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- 30. Juni 2014 2 Min.

Was führt Silvio Berlusconi jetzt wieder im Schilde? (Bild: Global Panorama / flickr / by-sa 2.0)
Jahrelang machte er sich über Homosexuelle lustig, jetzt tritt der frühere italienische Ministerpräsident für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben ein.
Silvio Berlusconi hat die italienischen Medien am Sonntag überrascht, als der 77-Jährige seine Unterstützung für Homo-Rechte bekannt gab: "Bürgerrechte für Homosexuelle sind ein Kampf, für den sich in einem wahrhaft modernen und demokratischen Land jeder verantwortlich fühlen sollte", sagte Berlusconi nach Angaben von "La Repubblica". "Als Liberaler glaube ich, dass wir mit einer umfassenden Debatte etwas zugunsten der Gerechtigkeit und der Zivilisation erreichen können".
Der mehrmalige Ministerpräsident Italiens und Chef der konservativen Partei "Forza Italia" hatte seine Aussage offenbar nicht mit Parteifreunden abgesprochen. Viele äußerten sich überrascht über den Meinungswandel des Multimilliardärs, der seit einer Verurteilung im letzten Jahr wegen Steuerbetrugs zwei Jahre nicht mehr öffentliche Ämter antreten darf. So erklärte der "Forza Italia"-Senator Maurizio Gasparri: "Wir müssen die Rechte aller respektieren und Diskriminierung verhindern. Aber ich bleibe dabei, dass die Homo-Ehe und Adoptionen durch Homo-Paare keine gute Sache sind. Ich lehne das daher ab. Das war gestern so und hat sich heute nicht verändert."
Berlusconi-Freundin tritt LGBT-Gruppe bei
Die Äußerungen von Berlusconi wurden nur wenige Stunden nach dem Beitritt seiner 28-jährigen Freundin Francesca Pascale zur LGBT-Gruppe Arcigay bekannt. Auch der Direktor der Berlusconi-Zeitung "Ill Giornale", Vittorio Feltri, wurde Mitglied der Organisation. Er schrieb in einem Kommentar: "Wir sind für Freiheit ohne Diskriminierung und davon überzeugt, dass wir Vorurteile beseitigen müssen". Arcigay begrüßte die neuen Mitglieder, erklärte aber auch, dass nun ein messbares "Engagement" für die Gleichstellung von beiden erwartet werde.
Berlusconi war in der Vergangenheit immer wieder durch homophobe Sprüche aufgefallen. So sagte er 2010 etwa: "Es ist besser, leidenschaftlich über schöne Mädchen zu sein, als schwul" (queer.de berichtete). Er hatte sich auch immer wieder gegen die Gleichbehandlung von Homosexuellen eingesetzt und erklärt, dass gleichgeschlechtliche Paare "nie auf einer Stufe mit traditionellen Familien" stehen werden würden (queer.de berichtete). Erst 2013 deutete er im Wahlkampf einen vorsichtigen Meinungsumschwung an, den er aber nie konkretisierte.
Außerdem verhinderte Berlusconi die Einführung von eingetragenen Lebenspartnerschaften in seinem Land. Italien ist damit das einzige Gründungsmitglied der Europäischen Gemeinschaft, das Homo-Paare nicht anerkennt. Der Konservative war von 1994 bis 1995, von 2001 bis 2006 und von 2008 bis 2011 italienischer Regierungschef.
Zuletzt lief es für "Forza Italia" bei Wahlen nicht mehr so gut wie in der Vergangenheit: Bei der Europawahl im Mai landeten die Konservativen nur auf Rang drei hinter den Sozialdemokraten und der Protestpartei "Fünf-Sterne-Bewegung", die sich im Europaparlament der rechtspopulistischen Fraktion angeschlossen hat. (dk)














