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In Deutschland nicht zugelassen
WHO empfiehlt Schwulen "Pille davor"
- 15. Juli 2014 3 Min.

Die Weltgesundheitsorganisation hat ihren Sitz im schweizerischen Genf (Bild: United States Mission Geneva / flickr / by-nd 2.0)
Die Weltgesundheitsorganisation will die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe populärer machen. Allerdings sind die Studien zum Thema noch nicht abgeschlossen.
Von Dennis Klein
Der New Yorker Governeur Andrew Cuomo hat vor kurzem einen ambitionierten Plan im Kampf gegen HIV vorgestellt: Neben Aufklärungsprogrammen will er insbesondere das antiretrovirale Medikament Truvada (mit den Wirkstoffen Tenofovir und Emtricitabin) einsetzen. Dieses Arzneistoff hemmt bei Positiven die Ausbreitung des Virus. In den USA ist Truvada aber bereits seit 2012 als Tablette für HIV-Negative zugelassen, um das Risiko einer Ansteckung zu senken. Diese sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Infektion selbst bei nicht-safem Sex erheblich.
Am Wochenende hat auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung für Truvada ausgesprochen: Sie empfiehlt in ihren neuen Richtlinien sexuell aktiven HIV-negative Schwulen, das Medikament einzunehmen. Kondome sollten aber weiter eingesetzt werden. Die WHO glaubt, dass durch die neuen Richtlinien eine Reduzierung von 20 bis 25 Prozent der Neuinfektionen erreichbar wäre, das wären innerhalb von zehn Jahren eine Million Menschen weniger, die sich anstecken.
Kein Wundermittel

Truvada-Pillen (Bild: Wiki Commons / Jeffrey Beall / CC-BY-SA-3.0)
Ein Wundermittel ist das Medikament freilich nicht: Zwar senkt es Studien zufolge die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung erheblich, in einer Studie des National Institute of Health der USA etwa um 99 Prozent. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um ein Tic Tac, sondern um ein starkes Produkt der Pharmaindustrie, das auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Magenprobleme mit sich bringt. Außerdem beklagen viele LGBT-Aktivisten, dass dieses Medikament Schwule in falscher Sicherheit wiegen und zu unsafem Sexverhalten verführen könnte – und damit sogar zu mehr HIV-Infektionen führen könne.
In Europa ist Truvada ohnehin noch nicht als "Pille davor" zugelassen worden. Die WHO-Entscheidung sieht Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aids-Hilfe, insbesondere als "politische Aussage", um das Medikament besser zu nutzen. Er rät gegenüber queer.de ohnehin zum Abwarten: Zuerst müsse die "Ipergay"-Studie beendet werden, die vor knapp zwei Jahren in Frankreich gestartet ist. Hier soll untersucht werden, ob das Medikament überhaupt sinnvoll für die schwule Zielgruppe ist – etwa wenn man es vor einer Sexparty am Wochenende einnimmt. Bei der Studie gibt es aber Probleme: Es finden sich zu wenige Teilnehmer.
Post-Expositionsprophylaxe bereits erhältlich
Außerdem verweist die Deutsche Aids-Hilfe darauf, dass es bereits die Post-Expositionsprophylaxe in Deutschland gebe, also die Behandlung nach einem Risikokontakt. Diese sollte aber schnell vonstatten gehen, idealerweise 24 Stunden nach der möglichen Ansteckung. Auch hier wird einen Monat lang Truvada eingesetzt in Kombination mit einem anderen Medikament. Die Kosten für die Behandlung haben es in sich: mehr als 1.000 Euro. Hier gab es in der Vergangenheit manchmal Probleme mit der Kostenübernahme durch Krankenkassen.
Weit mehr HIV-Infektionen könnten nach Ansicht der WHO ohnehin über eine Veränderung der Politik gegenüber Homosexuellen statt durch solche Medikamente verhindert werden. Schwule würden in vielen Ländern mit hohen HIV-Raten diskriminiert und hätten daher weder Zugang zu Informationen noch zu Medizin. Zielgruppenspezifische Prävention wird aber als wichtigster Faktor im Kampf gegen HIV angesehen.
Die neuen Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation sollen auf der am Samstag beginnenden 20. Internationalen Aidskonferenz im australischen Melbourne beraten und verabschiedet werden.















Ich denke, das führt noch häufiger dazu, dass ohne Gummi gepimpert wird. Dass es viele geben wird, die das Zeug schlucken und trotzdem noch ein Kondom verwenden, kann ich mir nur schwer vorstellen.