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Hirschfeld-Stiftung für öffentliche Debatte
Schwule und Lesben diskutieren über die "Mohrenstraße"
- 23. August 2014 3 Min.

Auf einem älteren Pressefoto posiert Jörg Litwinschuh, geschäftsführender Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, vor dem U-Bahnhof Mohrenstraße
Mit einem Straßenfest fordern antirassistische Gruppen eine Umbenennung der Berliner Straße. Dort hat auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ihren Sitz.
"Wegen Rassismus geschlossen", heißt es auf einem Flyer für das "Straßen-Umbenennungsfest" am Samstagnachmittag in der Berliner Mohrenstraße. Seit mehreren Jahren fordert die Aktionsgruppe M-Straße (AMS) mit Unterstützung u.a. des Afrika-Rats Berlin-Brandenburg, der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und dem Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag einen neuen Namen für die kurze Straße in Berlin-Mitte sowie den gleichnamigen U-Bahnhof.
"Der jetzige Name der Straße, in der versklavte Minderjährige aus Afrika lebten, die am brandenburgisch-preußischen Hof dienen mussten, basiert auf einer rassistischen Fremdbezeichnung und verletzt die Würde schwarzer Menschen", begründet Yonas Endrias vom Global Afrikan Congress die Forderung nach einer Umbenennung. Um das Jahr 1700 habe Preußen fast 20.000 Menschen in die amerikanische Plantagensklaverei deportiert sowie minderjährige "Hof- und Kammer-Mohren" an den Berliner Hof entführt, argumentiert die Aktionsgruppe. Die Beibehaltung des Straßennamens deute auf eine unzureichende Aufarbeitung der problematischen Geschichte hin. Als Alternative schlägt die Initiative den Namen Nelson-Mandela-Straße vor.
Das Datum für das Straßenfest wurde nicht zufällig gewählt: Der 23. August ist der Internationale Tag zur Erinnerung an den Handel mit Versklavten und an seine Abschaffung.
Hirschfeld-Stiftung fordert gesellschaftliche Diskussion

Flyer für das Straßenfest am 23. August
Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die seit 2011 ihren Sitz in der Mohrenstraße hat, beteiligte sich bislang nicht an den Aktionen für eine Straßenumbenennung. Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh zeigte sich jedoch nachdenklich: "Vieles über die Mohrenstraße wusste ich bisher nicht, obwohl einige unserer Fachbeiräte den Ort als Stiftungsadresse missbilligten." Er wolle sich nun "rasch mit der Geschichte befassen" und sich ein eigenes Urteil bilden.
Auf der Facebook-Seite der Hirschfeld-Stifung mit knapp 5.000 Fans veröffentlichte Litwinschuh am Samstag als bezahlten Post eine diplomatische Stellungnahme: "Es ist wichtig, dass wir über die Geschichte, die hinter dieser Straßenbenennung steht, diskutieren", heißt es dort. "Die Gesellschaft muss mit den Behörden diskutieren, ob eine Umbenennung stattfinden soll oder nicht."
Bei den Kommentaren unter dem Post stößt die Forderung nach einer Umbenennung der Mohrenstraße allerdings bislang durchweg auf Ablehnung. Die Meinungen reichen von "Blödsinn" , "Man kann es auch einfach nur übertreiben" bis zu "Mich wundert es, dass angesichts dieses unglaublichen, alle anderen weltpolitischen Vorkommnisse in den Schatten stellenden Skandals noch kein Volksaufstand ausgebrochen ist."
Straßenumbenennungen sind in Berlin nichts Unübliches. Dort war erst kürzlich ein Teil der Einemstraße in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße umbenannt worden (queer.de berichtete). Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) war der erste bekannte Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen, während der preußische Kriegsminister Karl von Einem (1853-1934) als Wegbereiter der Nazis gilt. (cw)
Links zum Thema:
» Homepage der Aktionsgruppe M-Straße














