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- 05. Januar 2005 3 Min.
Mit Retro-Ostblockcharme und unbeschwerten Partys lockt Bulgarien mehr und mehr schwule Touristen ins Land - und entwickelt sich zu einer Alternative zu Mallorca und Co.
Von Mathias Unger (Varna-Bulgarien.com).
Meine Liebesaffäre mit Bulgarien begann bereits 2001. Mit Freunden wollte ich im Sommer kurzfristig ein paar Tage Urlaub machen. Nachdem mir ein Kumpel von Bulgariens Schwarzmeerküste vorgeschwärmt hat, war für uns das Ziel klar: Wir flogen in einer alten russischen Tupulew direkt nach Varna. Untergebracht waren wir im Goldstrand-Ressort im Hotel Pliska, das wie die meisten Gebäude in Bulgarien einen Retro-Ostblockcharme hat. Das Beste am Hotel war die Lady-Bar, die sich im Keller befindet. Dort gab es, zu unserem Erstaunen, Bulgariens erste und einzige Travestieshow. Und das zu einer Zeit als Homosexualität in Bulgarien noch unter Strafe stand.
Die "Tamara Night Show" wird gehosted von Elsa Pariny. Sie ist Bulgariens bekannteste Transe und hat dort sogar ihre eigene Fernsehshow. Die Travestieshow ist ein wilder Mix aus bulgarischen und englischen Stücken. Die Kostüme sind farbenfroh, fantasievoll und trashig - einfach so, wie es sich für eine gute Travestieshow gehört. Sämtliche Gäste werden mehr oder minder freiwillig auf die Tanzfläche geholt, um mit den Ladys einen typisch bulgarischen Volkstanz zu tanzen - je nach Nationalität der Zuschauer kommuniziert man in Bulgarisch, Russisch oder Englisch. Ähnlich wie beim Zirtaki halten sich alle im Kreis an den Händen, die Schrittfolge ist aber so unbegreiflich, das man je nach Alkoholpegel schnell einen Knoten in den Beinen hat.
2002 eröffnete Elsa Pariny zudem den "Mix Club Parfum", den ersten schwulen Club in Varna - in einer äußerst skurrilen Kulisse: einem alten Strandbad mit Sprungturm. Den Club gibt es zwar nicht mehr, aber die Strandpromenade am Seepark, ist auch heute noch die Partymeile von Varna mit Restaurants, Bars und Discos, in denen sich auch viele Schwule im Rhythmus wiegen. Wenn man etwas abseits des Tourismus und mehr wie die Bulgaren feiern möchte, ist das genau der richtige Ort.
Die schwul-lesbische Bewegung in Bulgarien ist noch in ihren Anfängen. Erst seit 2002 ist Homosexualität nicht mehr strafbar die Rechtslage wurde seit dem schrittweise an die EU-Richtlinien angeglichen. Bulgarien holt sehr schnell auf: 2003 haben sich mehrere kleinere schwule Gruppen zum Dachverband Queer Bulgaria zusammengeschlossen und 2004 hatte mit Ivelin Jordanov auch der erste Politiker sein Coming-out.
Die Gay-Szene ist noch am Wachsen: In Großstädten wie Sofia und Plovdiv gibt es schwul-lesbische Bars und Diskotheken, an der Schwarzmeerküste sieht es noch relativ düster aus. Durch den Tourismus ist vieles einfacher und lockerer, nur die Wintermonate überleben die meisten Locations ohne Tourismus nicht. Aber das geübte Auge findet trotzdem schnell die "schwulen Ecke", die es in fast allen angesagten bulgarischen Clubs gibt. Gleiches gilt auch für die Clubs in den touristischen Badeorten wie Sonnenstrand, Albena und Goldstrand.
Es ist üblich, dass jemand, der offensichtlich schwul ist, von Frauen angesprochen wird. Es handelt sich meistens um den Versuch, mit ihrem besten schwulen Freund bekannt gemacht zu werden. Andere Treffpunkte für Gays sind wie in anderen Urlaubsorten die allseits beliebten FKK-Strände sowie die Dünen, Parks oder Wälder, die dahinter liegen.
Bulgarien ist nicht nur eine sehr preiswerte Alternative zu Mallorca und Co. Vor allem die ungespielte Ehrlichkeit und die Gastfreundschaft sind erfrischend anders.
5. Januar 2005
Links zum Thema:
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Günther von
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