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Tabubruch auf leisen Sohlen
Filmpremiere "Geron": Verliebt in einen "uralten Sack"
- 29. September 2014 3 Min.

Im Altenheim lernt der 18-jährige Lake (Pier-Gabriel Lajoie) den 62 Jahre älteren Mr. Peabody (Walter Borden) kennen und lieben (Bild: Pro-Fun Media)
Bruce LaBruce hat schon viele Tabus gebrochen. Diesmal überrascht der kanadische Regisseur mit einer Liebesgeschichte zwischen einem 18- und einem 80-Jährigen.
"Gerontophilia", so heißt der Film im Original. Der Begriff "Gerontophilie" umschreibt laut Wikipedia "das dauernde überwiegende Interesse an älteren Menschen", oft aber "nur die sexuelle Fixierung eines jüngeren Menschen auf ältere Menschen".
In Hal Ashbys Tragikomödie "Harold and Maude" von 1971 verliebt sich der leicht morbid angehauchte 18-jährige Harold in die lebenslustige 79-jährige Maude, umschmeichelt durch Songs von Cat Stevens. Bruce LaBruce liefert nun über drei Jahrzehnte später eine schwule Variante nach.
Das Altenheim als Männerparadies

Deutsche Kino-Premiere von "Geron" ist am 29. September in Berlin. Vor dem offiziellen Kinostart am 30. Oktober ist der Film auf einigen Festivals zu sehen
Der 18-jährige Lake (Debütant Pier-Gabriel Lajoie) lebt noch bei seiner leicht dysfunktionalen Mutter Anne (Marie-Hélène Thibault) und ist offiziell mit der exzentrischen Desiree (Katie Boland) zusammen. Doch nach und nach entdeckt er eine Vorliebe für ältere, genauer gesagt: sehr viel ältere Männer. Seine vielversprechende Karriere als Bademeister endet abrupt, als er bei der Mund-zu-Mund-Beatmung eines Senioren etwas zu sichtbaren Enthusiasmus zeigt. Die nichtsahnende Anne bringt ihn als Pflegehelfer in einem Altenheim unter. Lake fühlt sich wie im Paradies.
Als er bei einem Frühdienst den 80-jährigen Mr. Peabody (Walter Borden) zum Waschen zugeteilt bekommt, ist es um ihn geschehen. In langen, gemeinsamen Nachmittagen legt der einstige, noch immer charismatische Künstler sein Misstrauen ab und lässt sich auf Lake ein. Nach einem gemeinsamen Spaziergang folgt der erste Kuss. Leider bleibt der nicht unbeobachtet. Zur Strafe für seinen Verstoß gegen die Hausordnung wird Mr. Peabody sediert und am Bett fixiert.
Das kann Lake nicht zulassen. Er befreit seinen Geliebten aus dem Heim und macht sich mit ihm im geliehenen Auto auf eine Reise quer durch Kanada auf. Denn Mr. Peabody hegt einen letzten Herzenswunsch: noch einmal den Pazifik sehen…
Tabubruch dank Zurückhaltung
In seiner langen Laufbahn hat Bruce LaBruce schon viele Hürden gerissen und in seinen Filmen unter anderem S/M ("Hustler White"), Sex mit Einbeinigen ("Skin Flick"), Zombies ("Otto") und Knarren ("The Raspberry Reich") gezeigt. Die Handlung blieb meist dünner Kitt, um die eindringlich-expliziten Szenen beisammen zu halten.
Diesmal überrascht der kanadische Autor, Regisseur und Fotograf mit einer sensiblen Romanze und fast schon zurückhaltender Körperlichkeit. Bei der Schilderung einer generationsübergreifenden Liebe habe er "so weit als möglich gehen" wollen, "ohne gesetzliche Grenzen zu überschreiten", so LaBruce. "Doch selbst der sensibelste und sanfteste Umgang mit diesem noch immer tabuisierten Thema verstört viele Menschen zutiefst." In seinen charismatischen Hauptdarstellern, dem erfahrenen Walter Borden und dem Debütanten Pier-Gabriel Lajoie, fand der Regisseur geeignete "Botschafter".
Die selbst auferlegte Zurückhaltung zahlt sich aus: "Geron" zählt zu den Höhepunkten in der schon 27 Jahre umfassenden Filmografie von Bruce LaBruce und zu den eindrucksvollsten "schwulen" Neuerscheinungen der letzten Jahre. Sehr sehenswert! (to)
Geron (Originaltitel: Gerontophilia). Tragikomödie. Kanada 2013. Drehbuch: Bruce LaBruce, Daniel Allen Cox. Regie: Bruce LaBruce. Darsteller: Walter Borden, Pier-Gabriel Lajoie, Marie-Hélène Thibault, Katie Boland. Laufzeit: 83 Minuten. Sprache: Englisch. Untertitel: Deutsch. Verleih: Pro Fun Media. Deutsche Kinopremiere mit Gästen am 29. September 2014 um 22 Uhr im Berliner Kino International. Bundesweiter Kinostart: 30. Oktober 2014. Zuvor läuft der Film bei den Lesbisch-schwulen Filmtagen Karlsruhe, beim Internationalen Filmfestival Potsdam, beim Perlen Queer Film Festival Hannover und beim Internationalen Queer Filmfestival Hamburg.
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Ich selbst könnte mir das nicht vorstellen, aber jeder nach seiner Facon. Solange niemand zu was gezwungen wird, was er nicht will oder zu Schaden kommt, habe ich auch gegen solche Beziehungen nichts.