Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?22455

Die "grüne Inge" ist tot

Nürnberg: Trauer um Jürgen Wolff


Nürnbergs schwul-lesbische Community hat Jürgen Wolff viel zu verdanken (Bild: gaycon.de)

Der langjährige schwule Stadtrat der Grünen ist am Mittwochabend im Alter von 73 Jahren im Nürnberger St. Johannis-Stift gestorben.

Bereits seit vielen Monaten konnte er wegen seines schlechten Gesundheitszustands das Nürnberger Seniorenwohnheim St. Johannis-Stift nicht mehr verlassen, nun hat sich Jürgen Wolff endgültig von seiner Stadt verabschiedet. Der langjährige Kommunalpolitiker und LGBT-Aktivist ist am Mittwochabend gestorben. Er wurde 73 Jahre alt.

Wolff, der 1960 als 19-Jähriger aus der DDR geflohen war, war 39 Jahre Mitglied des Nürnberger Stadtrats. 1972 wurde er erstmals für die Sozialdemokraten in das Kommunalparlament gewählt, trat jedoch 1981 aus der Partei aus. Zunächst engagierte er sich bei der Unabhängigen Alternativliste, seit Frühjahr 1983 dann bei den Grünen. Vor drei Jahren legte er sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen nieder.

- Werbung -

In der schwulen Szene nannte man Jürgen Wolff die "grüne Inge"


Jürgen Wolff (re.) mit Oberbürgerneister Ulrich Maly und Dragqueen Ellen Lang beim Empfang zu seinem 70. Geburtstag (Bild: Grüne Nürnberg)

Der gelernte Malermeister engagierte sich vor allem in der Kultur und war als Verleger und Galerist tätig. "Wolffs Markenzeichen waren die bunten Hosenträger und sein entwaffnendes Lächeln. Wo immer er auftrat, hatte der leidenschaftliche Fotograf auch seine Kamera dabei und dokumentierte das Geschehen in Nürnberg", schreibt nordbayern.de über den bekannten Kommunalpolitiker.

Nach seinem Coming-out im Jahr 1982 war Wolff der wichtigste Ansprechpartner im Stadtrat für die Nürnberger Lesben- und Schwulenprojekte. Er kämpfte für deren finanzielle Absicherung und Maßnahmen gegen Homophobie. In der Szene der Lebkuchenstadt fühlte sich Wolff zu Hause – dort kannte man ihn als die "grüne Inge".

"Männern wie Jürgen haben haben wir es zu verdanken, dass wir heute in weiten Bereichen gleichberechtigt schwul leben können", würdigte das Nürnberger Portal gaycon.de Wolff nach einem Hausbesuch im Seniorenwohnheim vor knapp drei Jahren. "Es war eine Epoche des Aufbruchs", erinnerte sich dort der Stadtrat an die 1980er Jahre. "Die Aids-Problematik brachte schlimme Vokabeln in die Sitzungen." So hatte damals etwa ein CSU-Vertreter die "Nürnberger Schwulenpost" mit RAF-Flyern verglichen.

Mittlerweile habe sich vieles zum Guten geändert, sagte Wolff gegenüber gaycon.de: "Diese kleinen Erfolge stimmen mich froh, die Schritte gewagt und dazu beigetragen zu haben, dass die 'Schwulen- und Lesbengala' heute ein gesellschaftlicher Höhepunkt ist und dass Homo­sexuelle mit oder ohne Partner in Nürnberg ganz selbstverständlich leben können." (cw)

-w-

-w-

-w-

#1 FinnAnonym
  • 09.10.2014, 13:06h
  • Schade, dass er die Eheöffnung nicht mehr erlebt hat.

    Er hat sich schon zu Zeiten für Homorechte eingesetzt, als die Forderungen für viele nicht nur lächerlich waren, sondern als solch ein Engagement sogar gefährlich werden konnte und man nicht nur aus der Union beschimpft wurde.

    Nürnberg, die Grünen und alle Schwulen und Lesben haben einen verdienstvollen, aufrichtigen und engagierten Menschen verloren.

    Möge er in Frieden ruhen.
  • Direktlink »
#2 Just meAnonym
  • 09.10.2014, 14:22h
  • Toller Mensch. Ich habe größten Respekt vor dem, was er für uns alle getan hat.

    Trotzdem muss ich ihm in einem Punkt widersprechen. Er meint: "Diese kleinen Erfolge stimmen mich froh, die Schritte gewagt und dazu beigetragen zu haben, dass (...) Homosexuelle mit oder ohne Partner in Nürnberg ganz selbstverständlich leben können."

    Das stimmt so leider nicht. Selbstvetrständlichkeit bedeutet auch Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Und die ist alles andere als vorhanden. Nicht in Nürnberg, nicht in Berlin, nicht in Hamburg etc. Verglichen mit den 1970ern hat sich sicher vieles zum Positiven geändert, aber von Selbstverständlichkeit können wir noch lange nicht reden...
  • Direktlink »
#3 FoXXXynessEhemaliges Profil