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- 11. Oktober 2014 2 Min.

Nur wer sichtbar ist, kann für gleiche Rechte und Respekt eintreten (Bild: Patrick Hollow)
Heute ist Coming Out Day. Offen leben zu können, ist befreiend – und eine persönliche Begegnung bietet auch eine Chance, homo- und transphobe Vorurteile anderer zu überwinden.
Von Eva Henkel
Offen und selbstbewusst lesbisch, schwul, bisexuell oder transgeschlechtlich zu leben, beginnt mit einem Coming-out. Nur wer sichtbar ist, kann für gleiche Rechte und Respekt eintreten. Doch gerade für Jugendliche ist das Coming-out oftmals ein schwieriger Prozess, begleitet von der berechtigten Angst vor Ausgrenzung und Anfeindung – sei es im Freundeskreis, der Familie, im Sportverein, in der Schule oder am Ausbildungsplatz.
Gesellschaft, Schule und Politik stehen hier in der Pflicht. So bewirken Aufklärung und Bildung nachweislich, dass Homo- und Transphobie abnimmt. Daher müssen die Geschichte, der Alltag und die Lebensweisen von Homo-, Bisexuellen und Transgendern selbstverständlicher Teil der schulischen Wissensvermittlung werden.
Gleichstellung ist die Antwort auf Homo- und Transphobie

Unsere Gast-Kommentatorin Eva Henkel ist Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD) (Bild: LSVD)
Das Coming-out ist jedoch ein lebenslanger Prozess. Es bleibt eine bewusste Entscheidung, sich in der Begegnung mit neuen Menschen zu outen oder sich etwa als gleichgeschlechtliches Paar in der Öffentlichkeit zu zeigen. Offen leben zu können, ist befreiend, und eine persönliche Begegnung bietet auch eine Chance, homo- und transphobe Vorurteile anderer zu überwinden.
Andererseits besteht aber auch weiterhin das Risiko von Diskriminierung bis hin zu psychischer oder gar physischer Gewalt. Somit gehört dieses Wagnis zum Alltag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern.
In einigen Bundesländern treten Aktionspläne gegen Homo- und Transphobie einem Diskriminierungsrisiko mit einer Vielzahl an Maßnahmen entgegen. Das ist eine ermutigende Entwicklung, die in allen Bundesländern nachvollzogen werden muss. Zudem sollte die von der Bundesregierung versprochene Erweiterung des Nationalen Aktionsplans gegen Homophobie endlich angegangen werden.
Darüber hinaus muss die Bundesregierung aufhören, gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Adoptionsrecht und die Ehe zu verweigern. Denn Kanzlerin Merkel legitimiert mit ihrem Verweis auf ein ungutes Bauchgefühl Diskriminierung und Vorurteile im Alltag. Stattdessen ist jedoch vollständige Gleichstellung die zentrale Antwort auf gesellschaftlich nach wie vor präsente Homo- und Transphobie.















Ich glaube, ein Grund,weshalb wir noch nicht vollkommen gleichgestellt sind, ist dass zahlreichen Politikern, aber auch Bürgern immer noch nicht klar ist, wie viele wir sind.
Indem wir in unseren Familien und Freundeskreisen, in der Nachbarschaft, auf der Arbeit, an der Uni, etc. offen schwul sind und z.B. auch händchenhaltend durch die Stadt gehen, uns genauso selbstverständlich küssen wie Heteros, etc. zeigen wir, wie alltäglich und selbstverständlich Homosexualität ist. Wir zeigen erstens wie viele wir sind, zweitens wie vielfältig wir sind und drittens, dass wir uns nicht mehr unterdrücken lassen.
Wir haben genauso ein Recht auf Sichtbarkeit wie jeder andere auch! Aber das muss man dann auch nutzen!
Wenn wir wollen, dass Homosexualität ganz alltäglich wird und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wird, dann sind wir die ersten, die dazu beitragen können und beitragen müssen!