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  • 15. Oktober 2014 16 4 Min.

Aufklärung über "Gay Cancer" im Schaufenster: Mark Ruffalo spielt den schwulen Drehbuchautor Ned, der zu Beginn der Aids-Krise zum Aktivisten wird (Bild: HBO)

Mark Rufallo im Kampf gegen die Ignoranz: Ryan Murphys ergreifendes Aids-Drama "The Normal Heart" feiert heute beim homochrom-Filmfest Deutschland-Premiere.

Von Bernd Rosenbaum

Fire Island, New York, 1981: Sonne, Strand, halbnackte und ganz nackte Männer räkeln sich in der Hitze am Pool. Die schwule Community feiert sich selbst mit White Parties im Sonnenuntergang und Sex on the Beach. Doch das Paradies wird jäh gestört von mysteriösen Erkrankungen, die gerade unter den jungen und augenscheinlich gesunden Männern die Runde machen.

Mit Husten und Schwächeanfällen geht es los, im fortgeschrittenen Stadium entwickeln immer mehr eine eigentlich seltene Form von Hautkrebs. Bald sterben die ersten Patienten. Der "Schwulen-Krebs" geht um, lange bevor der Begriff "Aids" geprägt wird. Denn noch weiß niemand, was diese neue Krankheit auslöst und wie sie übertragen wird.

Eine Ärztin rät Schwulen 1981 zur Enthaltsamkeit


Poster zum Film: Die Deutschland-Premiere bei homochrom ist ausverkauft, eventuell werden am Veranstaltungsabend allerdings nicht abgeholte Karten frei

Ned Weeks (Mark Ruffalo aus "Die Unfassbaren – Now You See Me" und "Marvel's The Avengers"), ein Drehbuchautor, der für seine lose Klappe bekannt ist, platzt mitten hinein in diese aufziehende Katastrophe. Doch niemand scheint die ausbrechende Epidemie ernst zu nehmen. Bis auf Dr. Emma Brookner (Julia Roberts aus "Pretty Woman" und "Erin Brockovich"), eine an den Rollstuhl gefesselte Ärztin aus New York, die offenbar als Einzige die drohende Gefahr erkennt. Sie sorgt bei den Schwulen für Unruhe, als sie vermutet, die Krankheit werde durch sexuelle Kontakte übertragen und den Männern daher vorübergehend zur Enthaltsamkeit rät.

Bald müssen die Mitglieder der Gay Community, zu denen auch Craig (Jonathan Groff aus "Glee" und "Taking Woodstock"), Bruce Niles (Taylor Kitsch aus "John Carter: Zwischen den Welten" und "Battleship"), Felix Turner (Matt Bomer aus "Glee" und "White Collar") sowie Tommy Boatwright (Jim Parsons aus "The Big Bang Theory") gehören, feststellen, dass sie auf sich allein gestellt sind. Sie gründen eine Aktivistengruppe namens "Gay Men's Health Crisis".

Doch solange nur Schwule erkranken, schaut die Öffentlichkeit weg, sieht der – heimlich selbst schwule – Bürgermeister keine Veranlassung, aktiv zu werden oder Geld in die Hand zu nehmen, um die Arbeit der Aktivisten zu unterstützen. Ned ist zunehmend frustriert von den mangelnden Fortschritten. Durch seine kompromisslose Art bringt er immer mehr Leute gegen sich auf – nicht nur in Verwaltung und Regierung, sondern zunehmend auch in den eigenen Reihen…



Filmadaption eines Theaterstücks von Larry Kramer

"The Normal Heart" ist die längst überfällige Filmadaption eines Theaterstücks von Larry Kramer aus dem Jahr 1985. Darin beschreibt der schwule Autor und Aktivist die Anfänge der Aids-Epidemie und verarbeitet seine eigenen Erlebnisse. Er selbst gründete die Gay Men's Health Crisis, verließ die Gruppe aber, um später die Organisation "Act Up" zu gründen, die durch spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam machte und dadurch maßgeblich an Änderungen in der öffentlichen Gesundheitspolitik der USA beteiligt war.

Bereits im August 2011 ließ Regisseur Ryan Murphy, der so bekannte Serien wie "Glee", "Nip/Tuck" und "American Horror Story" ins Leben rief, durchsickern, er plane, "The Normal Heart" zu verfilmen, mit Mark Ruffalo in der Hauptrolle. Allerdings fand sich zunächst kein Filmstudio, das die Produktion übernehmen wollte. "Allen sei es zu schwer, zu problembeladen gewesen", erzählte Rufallo in einem Interview. Schließlich ging das Projekt an den Kabel-TV-Sender HBO, der zuvor schon das Aids-Bühnendrama "Angels in America" erfolgreich in einen Fernseh-Mehrteiler transferierte und zuletzt mit der Verfilmung "Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll" für Furore sorgte.

"The Normal Heart" ist ein ergreifender und rundum gelungener Film, der einer Post-Aids-Generation eindringlich vor Augen führt, wie es sich anfühlte, in einer Zeit zu leben, als HIV noch nicht behandelbar war und die Diagnose Aids einem sicheren Todesurteil gleichkam.

Schade, dass sich bislang kein Verleih für einen deutschen Kinostart gefunden hat. "The Normal Heart" wird allerdings voraussichtlich ab 30. November auf Sky Atlantic HD ausgestrahlt.

Vimeo | Original-Trailer zum Film. Bei homochrom wird eine deutsche Synchronfassung gezeigt
Infos zum Film

The Normal Heart. Drama. USA 2014. Regie: Ryan Murphy, Drehbuch: Larry Kramer. Darsteller: Mark Ruffalo, Julia Roberts, Taylor Kitsch, Matt Bomer, Alfred Molina, Jim Parson, Denis O'Hare, Jonathan Groff, Stephen Spinella. Laufzeit: 132 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Deutschlandpremiere: 15. Oktober 2014 im Rahmen des 4. Filmfestivals homochrom im Kölner Weisshaus-Kino.
Galerie:
The Normal Heart
10 Bilder
-w-

#1 AlexAnonym
  • 15.10.2014, 13:27h

  • Ich hoffe, dass dieser hochkarätig besetzte Film, der auf einer glänzenden Vorlage basiert dann auch bald deutschlandweit in den Kinos anläuft...
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#2 beständigAnonym
  • 15.10.2014, 14:13h
  • "Er selbst gründete die Gay Men's Health Crisis, verließ die Gruppe aber, um später die Organisation "Act Up" zu gründen, die durch spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam machte und dadurch maßgeblich an Änderungen in der öffentlichen Gesundheitspolitik der USA beteiligt war."

    "Was hat das New Queer Cinema begünstigt? Vier Elemente waren entscheidend: Die repressive Politik der Reagan/Thatcher-Regierungen; die verheerenden Folgen von Aids, das heißt sowohl die Todesfälle als auch das Stigma, das schnell mit der Krankheit verbunden wurde; die Erfindung von Camcordern und Videorekordern mit Kassetten, die schnell kopiert und über die neuen nachbarschaftlichen Videotheken in Umlauf kamen; und schließlich billige Mieten und eine vergleichsweise wohlmeinende Marktwirtschaft, die es jungen Leuten erlaubte, kreativ zu sein statt für die Tilgung ihrer Studienkredite zu schuften.

    Es gab kein Internet, kein iPhone, kein Snapchat, kein Netflix, kein Amazon, kein iTunes, kein Grindr. LGBT-Festivals waren der Ort, an dem man neue Filme und Videos sah, sich beim Schlangestehen verliebte und neue Communities bildete. Zwischen Demonstrationen, Versammlungen und Kneipenabenden boten Filme intellektuelle Nahrung, sie schoben Liebesbeziehungen an und sorgten dafür, dass sich Wut bündelte. Kulturelle und politische Welten waren nicht strikt getrennt, Energien floss beständig zwischen ihnen hin und her. "

    www.spiegel.de/kultur/kino/b-ruby-rich-ueber-25-jahre-new-qu
    eer-cinema-lesbisch-schwule-filmtage-a-996488.html#ref=rss
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#3 NicoAnonym
  • 15.10.2014, 15:16h
  • Ein sehr wichtiger Film!

    Nicht nur, weil HIV/AIDS nach wie vor unheilbar ist (die Therapie macht immer mehr Fortschritte, ist aber lästig und mit Nebenwirkungen verbunden). Sondern auch, um an diese so tragische Zeit zu erinnern, wo wir viele unserer Mitstreiter verloren haben. Und wo die Politik eklatant versagt hat.

    Ich glaube sogar, dass wir ohne AIDS schon viel weiter sein könnten, weil wir dann die letzten 30 Jahre noch viel mehr gewesen wären und noch viel mehr ihre Stimme erhoben hätten.

    Und in Zeiten, wo AIDS immer mehr aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet, die Politik immer weniger Geld in die Erforschung und Bekämpfung steckt, etc. ist so ein Film wieder überfällig...
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