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Homosexuelle – gut oder böse?
Widersprüchliche Signale aus dem Vatikan
- 16. Oktober 2014 3 Min.

Der Chef der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, möchte Homosexuelle weiterhin als Sünder ansehen und Homo-Partnerschaften verurteilen
Sind Homo-Paare generell "ungeordnete" Sünder oder ist das gegenseitige Einstehen füreinander etwas wert? Die katholischen Bischöfe geben unterschiedliche Antworten.
In der Sondersynode des Vatikans zu Familie und Sexualität sucht die katholische Kirche weiterhin nach einer Einordnung für Schwule und Lesben. Am Montag hatte Kardinal Peter Erdö einen Zwischenbericht vorgestellt, in dem die Kirche eingestand, dass es positiv sei, wenn Homo-Paare füreinander Verantwortung übernehmen (queer.de berichtete). Zwar ändert das Papier nichts daran, dass sexuell aktive Schwule und Lesben generell als Sünder verurteilt werden, dennoch geht der Schritt vielen der Kirchenfürsten zu weit, wie viele in den letzten Tagen in Interviews erklärten.
So sagte der Chef der mächtigen Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, das von Erdö vorgestellte Dokument sei "unwürdig, schändlich, vollkommen falsch", wie "Spiegel Online" berichtet. Es könne keine Rede von einer Änderung der kirchlichen Regeln in Bezug auf gleichgeschlechtliche Paare sein. Demnach habe Erdö einfach Stimmen von erbitterten Homo-Gegnern unterschlagen.
Auch Glaubensvertreter aus anderen Ländern machten ihrem Unmut gegenüber der Akzeptanz von Homosexuellen Luft. "Der Bericht wurde offensichtlich unter Druck zusammengestellt, was leicht zu Fehlinterpretationen führen kann", sagte der britische Kardinal Vincent Nichols.
Der südafrikanische Kardinal Wilfrid Fox nannte den Bericht "problematisch". "Ich bin besorgt, dass eine Botschaft an die Öffentlichkeit gegangen ist, die nicht wahr ist". Jetzt müsse man sich in "Schadenskontrolle" üben.
Auch der Chef des obersten Gerichtshofs des Vatikans, der amerikanische Kardinal Raymond Burke, erklärte die Positionen in dem Zwischenbericht als "inakzeptabel". Kirchliche Würdenträger könnte diese Ansichten ebensowenig gut heißen wie die "Herde" der Gläubigen.
Schönborn: Homo-Paare können "wunderbar, menschlich wie christlich" sein

Kardinal Schönborn erklärt, dass es auch in Homo-Beziehungen menschlich zugehen kann (Bild: Wiki Commons / Th1979 / CC-BY-SA-3.0)
Allerdings gab es vereinzelt auch versöhnliche Töne. So würdigte der österreichische Christoph Schönborn in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" gleichgeschlechtliche Partnerschaften, "die auf lebenslanger Treue und gegenseitiger Sorge beruhen". Der Erzbischof von Wien erklärte, er selbst kenne in der österreichischen Hauptstadt ein homosexuelles Paar, das gemeinsam eine schwere Erkrankung durchstand. "Es war wunderbar, menschlich wie christlich", so Schönborn.
Der deutsche Kardinal Walter Kasper forderte gegenüber der Zenit-Nachrichtenagentur sogar, dass sich reformfeindliche afrikanische Bischöfe aus der Homo-Frage heraus halten sollten. "Afrika ist völlig anders als der Westen. Ebenso Asien und muslimische Länder, besonders in Bezug auf Homosexuelle. Darüber kann man mit Afrikanern und mit Menschen aus muslimischen Ländern nicht sprechen", ist sich der 81-Jährige sicher. "Es ist unmöglich. Es ist ein Tabu. Wir für uns sagen, wir sollten nicht diskriminieren, in mancherlei Hinsicht wollen wir nicht diskriminieren."
Am Samstag werden die Bischöfe auf der Sondersynode ein neues Dokument absegnen. Allerdings ist es nicht bindend. Bislang ist nur geplant, im kommenden Jahr im nächsten Treffen der rund 200 Bischöfe weiter zu diskutieren.
Im derzeit für Katholiken bindenden Katechismus wendet sich die Kirche noch aggressiv gegen Homosexuelle: Schwule und Lesben verstießen demnach "gegen das natürliche Gesetz", Homosexualität sei "objektiv ungeordnet", heißt es in dem Werk aus den Neunzigerjahren. "Homosexuelle Handlungen" seien zudem "in keinem Fall zu billigen". Immerhin erkennt das Handbuch für Gläubige an, dass Homosexuelle ihre Veranlagung nicht selbst wählen würden. Schwulen und Lesben müsse daher mit "Achtung, Mitleid und Takt" begegnet werden. (dk)















Haben die bei der angeblichen Aufklärung der systematischen Kinderschändungen ähnlich gemacht und wie erfolgreich die Aufklärung war, sehen wir ja...