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- 20. Oktober 2014 4 Min.

Auch unter Schwarz-Grün ganz der Alte geblieben: Hans-Jürgen Irmer schürt seit Jahren Ressentiments gegen Lesben und Schwule, Muslime sowie Roma und Sinti (Bild: Wiki Commons / Martin Rulsch / CC-BY-SA-4.0)
Im Koalitionsvertrag hatten sich Union und Grüne in Hessen darauf geeinigt, an den Schulen über sexuelle Vielfalt aufzuklären – doch Hans-Jürgen Irmer stellt sich quer.
Den vor einem knappen Jahr ausgehandelten schwarz-grünen Koalitionsvertrag hatten selbst die LGBT-Aktivisten von QueerNet Hessen gelobt (queer.de berichtete) – doch nun muss sich zeigen, ob er die Tinte, mit der er geschrieben wurde, auch tatsächlich wert ist. Von dem Vorhaben, an den Schulen über sexuelle Minderheiten aufzuklären, will zumindest der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Irmer, nichts mehr wissen.
Nachdem Hessens schwuler Grünen-Chef Klose Ende vergangener Woche in einem Interview mit HR-online die Umsetzung anmahnte, trat Irmer in der "Frankfurter Neuen Presse" sofort auf die Bremse. "Gut Ding will Weile haben. Innerhalb der beiden Regierungsparteien gibt es dazu derart unterschiedliche Grundsätze, dass dabei noch viel Klärungsbedarf besteht", sagte der weit rechts stehende Abgeordnete, der auch stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender ist. Er fügte hinzu: "Homosexualität ist nicht normal. Wäre sie es, hätte der Herrgott das mit der Fortpflanzung anders geregelt."
Irmer warb in der Vergangenheit auch für Homo-"Heilung"
In Hessen war Hans-Jürgen Irmer bereits mehrfach mit homophoben Tiraden aufgefallen. Queer.de hatte bereits 2004 berichtet, dass der CDU-Politiker in seiner eigenen Wahlkreiszeitung "Wetzlar Kurier" für eine Homo-"Heilung" wirbt – und das in seiner Partei geduldet wird (queer.de berichtete). In seinem Anzeigenblatt hatte der 62-jährige Ehemann und Vater zweier Kinder auch einmal die Entlassung eines Lehrers gefordert, weil dieser ein Profil in einem Homo-Dating-Portal angelegt hatte.
Von der hessischen Opposition wurde Irmer für seine neuen Ausfälle scharf kritisiert. Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, bezeichnete die "Hetzparolen" des CDU-Politikers gegenüber der "Frankfurter Rundschau" als "unerträglich". Es spreche Bände, dass ein Politiker wie Irmer auch unter der schwarz-grünen Koalition, die sich die Bekämpfung von Diskriminierung auf die Fahnen geschrieben habe, bildungspolitischer Sprecher der Union bleiben könne.
Homophobe Äußerungen hätten in der Bildungspolitik nichts zu suchen, sagte auch die Fraktionschefin der Linken, Janine Wissler. "Was 'normal' ist und was nicht, bestimmt zum Glück nicht Herr Irmer". Wissler forderte die Grünen auf, vom schwarzen Koalitionspartner "endlich Konsequenzen" einzufordern.
Die Grünen selbst bekräftigten den Willen der Landesregierung, "eine stärkere Sensibilisierung für unterschiedliche sexuelle Orientierungen anzustreben", so die parlamentarische Geschäftsführerin Angela Dorn. Wenn zwei Menschen, egal ob hetero- oder homosexuell, einander liebten, sei das "nicht nur normal, sondern auch gut so". Ohne Irmer namentlich zu erwähnen, meinte Dorn. "Nicht ganz so normal ist es, wenn einzelne das auch im Jahr 2014 immer noch nicht akzeptieren können."
Der Koalitionspartner versuchte unterdessen, den Streit etwas herunterzuspielen. Man werde das Thema Homosexualität im Schulunterricht "mit der notwendigen Sensibilität angehen und innerhalb der Legislaturperiode umsetzen", erklärte CDU-Geschäftsführer Holger Bellino gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Die Umsetzung des vereinbarten Koalitionsvertrages werde auch Irmer mittragen, gab er sich optimistisch. (cw)
Update 19:15 Uhr: LSU fordert Distanzierung der Gesamtpartei
Nach der Opposition haben auch die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) scharfe Kritik an dem CDU-Landtagsabgeordneten geübt: "Herr Irmer hat immer noch nichts dazu gelernt und hetzt weiterhin gegen Schwule und Lesben", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesvorsitzenden Alexander Vogt und des hessischen Landesvorsitzendem Rainer Zuber vom Montagabend. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn die hessische CDU auch deutlich machte, dass sie die wiederholten Hassparolen ihres Abgeordneten missbilligt und dieser nicht für die Gesamtpartei spricht." Die Union sei "schon längst viel weiter", so die LSU. (cw)
"Auf der Grundlage des bisher eingeschlagenen Weges und des 2014 erfolgenden Beitritts zur 'Koalition gegen Diskriminierung' werden wir zusammen mit den Selbstvertretungsorganisationen der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen einen 'Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt' erarbeiten. Dazu gehört insbesondere eine bessere Begleitung von jungen Menschen in der immer noch oftmals schwierigen Phase des 'Coming Out' und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen auf Basis der bereits vorhandenen SchLAu-Projekte. Eine gute Vernetzung in der Landesverwaltung wird ebenso angestrebt wie eine Zusammenarbeit mit benachbarten Ländern."














Irmer, Hans-Jürgen
Oberstudienrat a. D.
CDU, Wahlkreis: 17 - Lahn-Dill II
Anschrift:
Blankenfeld 47
35578 Wetzlar
Telefon: 06441/97170
Telefax: 06441/76612
E-Mail: hj.irmer@t-online.de
Geburtsdatum: 20.02.1952
Geburtsort: Limburg
Konfession: Römisch-katholisch
Familienstand: Verheiratet
2 Kind(er)
Wegen solcher Lehrer braucht dieses Land auch Projekte wie 'Schule ohne Homophobie'