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"Demo für alle" freut sich
Niedersachsen: Schüler-Union gegen "ominöse sexuelle Vielfalt in Schulen"
- 12. November 2014 4 Min.

Der Landesvorsitzende Benedict Lösser befürchtet gar "sexuelle Übergriffe", sollten Aufklärungsprojekte mit Schülern alleine gelassen werden (Bild: Schüler-Union Niedersachsen)
Die CDU-nahe Vereinigung kritisiert, Schulaufklärung über Homosexualität führe zu "Übersexualisierung und Perversion" des Unterrichts".
Von Norbert Blech
Die Schüler-Union Niedersachsen hat sich in einer Pressemitteilung gegen Pläne der Landesregierung gewandt, in Schulen besser über Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle aufzuklären. Die Gruppierung ist eine CDU-nahe Vereinigung von Schülern.
"Die Schüler Union (SU) Niedersachsen spricht sich gegen die geplante Umstrukturierung der Lehrpläne zugunsten einer 'ominösen sexuellen Vielfalt in Schulen' aus", heißt es in der Pressemitteilung. Dieses Vorhaben führe laut SU "nicht zum gewünschten Ziel, sondern öffne vor allem einer 'Übersexualisierung und Perversion' des Unterrichts die Tür."
Warnung von "sexuellen Übergriffen"

So bebilderte die Schüler-Union ihre Pressemitteilung
Der Landesvorsitzende der Schüler-Union, Benedict Lösser, der zugleich stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Union Celle ist, sagte: "Laut der rot-grünen Logik wären selbst Mathebücher, in denen Textaufgaben mit einem 'normalen heterosexuellen' Paar und Kindern auftauchen, ohne irgendwelche Aufgaben mit homo- oder bisexuellen Eltern eine offene Diskriminierung. Bereits da muss man sich schon fragen: Wie angemessen sind diese Pläne der Landesregierung?"
Samuel Goldbuch, Pressesprecher der SU und ebenfalls Mitglied der Jungen Union, kritisierte auch die Einbeziehung von externen Aufklärungsprojekten: "Dabei ist zu beachten, dass die Lehrer hierbei heraus gebeten werden sollen und somit diese Organisationen ohne Aufsicht durch die Lehrkräfte ihre Programme durchziehen können – und das alles ohne irgendwelche Altersbegrenzungen. Die bekannten Methoden, wie die Präsentation verschiedenster 'Streichelintensitäten' oder das Erfinden neuer Sexualpraktiken sind jedenfalls sehr fragwürdig, besonders ohne Aufsicht."
Lösser ergänzte dazu: "Grundschüler bereits mit verschiedensten sexuellen Orientierungen zu konfrontieren wird die Kinder wohl eher überfordern und verwirren, anstatt sie zu toleranteren Menschen zu erziehen. Außerdem können einige angestrebte Projekte durchaus zu sexuellen Übergriffen führen."
Aus Shitstorm nichts gelernt

Karin Bertholdes-Sandrock (CDU) hatte bereits viel Kritik für ihre Kritik an den Aufklärungsplänen geerntet (Bild: Wiki Commons / Martin Rulsch / CC BY SA 3.0)
Mit dieser klaren Verknüpfung von LGBT-Aufklärungsprojekten mit Missbrauch geht die Schüler-Union weiter als die CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock, die bereits im September kritisiert hatte, dass Projekte wie SchLAu mit Kindern alleine gelassen werden sollen, und damit einen solchen Missbrauch angedeutet hatte (queer.de berichtete). Später hatte sie die Äußerungen revidiert und behauptet, sie sei generell dagegen, dass Projekte ohne Lehrer Zugang zu Kindern hätten.
Trotzdem hatte die Aussage zu einem Shitstorm und viel Kritik in den Medien geführt. Der Landesschülerrat hatte gar den Rücktritt der CDU-Bildungsexpertin gefordert (queer.de berichtete); der Landesjugendring, der 80 einzelne Jugendorganisationen und 200 kommunale Jugendringe vertritt, hatte die Äußerungen ebenfalls kritisiert und sich für die Aufklärung ausgesprochen (queer.de berichtete). In zahlreichen Interviews und einem Leserbrief hatte zudem das Schulaufklärungsprojekt SchLAu seine "Antidiskriminierungsarbeit" erläutert und verteidigt.
Dennoch hetzt die Schüler-Union einen Monat später gegen die Aufklärung. "Das gesamte Vorhaben ist eine einzige Farce. Wir sehen darin eine absolute Perversion und Übersexualisierung des Unterrichts, insbesondere in den Grundschulen", so Lösser in der Pressemitteilung. "Es muss eine eindeutige Privatsphäre der Schüler geben! Die Landesregierung muss endlich aufhören alle gesellschaftlichen Felder durch ihre ideologisierte Politik zu nivellieren!"
Die Pressemitteilung wurde bereits Ende Oktober verfasst, erzielte aber am Mittwoch durch eine Verbreitung durch die "Initiative Familienschutz" größere Aufmerksamkeit. Die Initiative organisiert nach zahlreichen Protesten in Stuttgart derzeit eine "Demo für alle" gegen die Schulaufklärung, die am nächsten Samstag (22. November) in Hannover stattfinden soll (queer.de berichtete). Inzwischen gibt es Pläne für eine Gegen-Demo (queer.de berichtete).
Update 13.11.2014: Reaktionen
In einer ersten Reaktion übte die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld scharfe Kritik an der Pressemitteilung der CDU-Nachwuchsorganisation. "Die Schüler-Union sollte erst einmal ihre Hausaufgaben machen und sich informieren, bevor sie einen solchen Unsinn verbreitet", erklärte der geschäftsführende Vorstand Jörg Litwinschuh gegenüber queer.de. Die Bildungsarbeit ist einer der Schwerpunkte der Stiftung, die vor drei Jahren ihre Arbeit aufnahm.
Update 11h: Schüler-Union äußert sich
Die Schüler-Union hat in der Nacht eine Stellungnahme "zu aktuellen Vorwürfen" veröffentlicht: "Zuerst einmal positionieren wir uns klar gegen Homophobie oder sonstige menschenverachtende Ansichten! Jegliche Handlungen, die gegen die Gleichberechtigung und zur Ausgrenzung unserer Mitschüler und Mitmenschen führen, werden von uns in keinem Fall toleriert!"
Zugleich betont die Union, dass man "eine sofortige Erneuerung der Lehrbücher nicht als notwendig" ansehe: "Toleranz wird nicht durch vermehrte Darstellung von jeglichen Sexualitäten in allen Lehrbüchern aufgebaut. Sie entsteht durch eine umfassende Aufklärung im Biologieunterricht, mitunter auch im Ethikunterricht und insbesondere durch die Eltern." Eltern müssten bei Programmen zur Bekämpfung der Diskriminierung in der Schule eingebunden werden.
Erneut sprach sich die Schüler-Union gegen Schulaufklärungsprojekte aus, die ohne Lehrer mit Schülern sprechen wollen: "Allerdings positioniert sich die Schüler Union Niedersachsen klar gegen Projekte zur sexuellen Aufklärung in der Schule unter explizitem(!) Ausschluss der Lehrkräfte! Diese sind aufsichtspflichtig und verantwortlich für ihre Schüler, wovon auch hier keine Ausnahme gemacht werden sollte! Unausgebildete Privatpersonen stehen nicht als Garant für eine größere Toleranz, hierzu muss mit den Lehrkräften zusammen gearbeitet werden, um die Schüler auch fachgerecht zu betreuen. Alle Kinder, ganz gleich welcher ethnischen – oder religiösen Gruppe, müssen sensibel behandelt werden können."














