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- 17. November 2014 3 Min.

Der LSVD möchte mit den Gläubigen ins Gespräch kommen - doch nach homophoben türkischen Presseberichten will die Moschee-Führung nichts mehr vom Treffen wissen (Bild: 30845644@N04 / flickr / by-sa 2.0)
Nachdem die Neukölner Şehitlik-Moschee LGBT-Aktivisten einen Korb gegeben hat, will der LSVD keine Alternativveranstaltung unterstützen, weil diese Berliner Muslime nicht erreichen würde.
Zu Update springen: Leadership Berlin hält an Alternativveranstaltung fest (16.40 Uhr)
Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg will nach der Absage eines Treffens zwischen Vertretern der LGBT-Community und der "DITIB-Şehitlik Türkisch Islamische Gemeinde zu Neukölln e.V." in der Şehitlik-Moschee keine "Alibiveranstaltung" unterstützen, die ohne Berliner Muslime stattfinden soll. Das teilte LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert am Montag gegenüber queer.de mit. "Uns geht es um den Dialog mit der Moschee aus Berlin", so Steinert.
Das für den 24. November geplante Treffen war von der Moschee-Führung vor wenigen Tagen abgesagt worden, nachdem in Teilen der türkischen Presse eine Kampagne gegen "anormale Homosexuelle" in der Moschee geführt worden war (queer.de berichtete). In einer Pressemitteilung erklärte die Moschee, mit der Ausladung der Homo-Vertreter "eine mögliche Provokation" verhindert zu haben. Laut Presseberichten soll sich die türkische Regierungspartei AKP als auch DITIB Deutschland – ein vom türkischen Staat abhängiger Verein, dem deutschlandweit 900 Moscheen unterstehen – gegen den direkten Dialog mit Homosexuellen in der Moschee ausgesprochen haben.
"Keine Alternative für eine Begegnung vor Ort"
Der Verein Leadership Berlin, der in der Vergangenheit beispielsweise Imame und Rabbiner zum Dialog zusammengebracht und den Moschee-Besuch angeregt hatte, hat am Wochenende als Alternative eine Veranstaltung an einem neutralen Ort angeregt, an dem die Berliner Moschee nicht mitwirken wird. Stattdessen soll aus dem 500 Kilometer entfernten Köln ein Vertreter der DITIB nach Berlin reisen, um über Islam und Homosexualität zu sprechen. Von dieser Idee distanzierte sich Steinert energisch und erklärte, mit der nicht abgesprochenen Veranstaltung habe Leadership Berlin sein "Mandat überschritten".
"Dafür steht der LSVD nicht zur Verfügung, da die geplante Veranstaltung keine Alternative für eine Begegnung vor Ort ist. So verändert sich nichts für homosexuelle Muslime", erklärte Steinert. Schließlich gebe es schon seit Jahren Fachtagungen über das Verhältnis von Homosexualität und deutschem Islam – beispielsweise seit 2008 mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Dann redet man über das Thema, aber erreicht nicht die Menschen, die diese Religion ausüben", so Steinert. (dk)
Update 16.40 Uhr: Leadership Berlin sieht Vorteile im neuen Format
Leadership Berlin hat die Alternativveranstaltung gegenüber queer.de verteidigt. Sprecher Bernhard Heider erklärte, man wolle die große Medienaufmerksamkeit nutzen, die nach der Ankündigung des Moschee-Treffens am Thema bestehe. Zudem sei es ein Vorteil, wenn jetzt ein DITIB-Vertreter eine "öffentliche Definition" zum Thema Homosexualität abgebe. Die Veranstaltung sei nur ein "Zwischenschritt" zum Moschee-Besuch, der nach wie vor angestrebt werde. Heider bot dem LSVD an, dann wieder der Initiative beizutreten.
Die Veranstaltung werde auf jeden Fall am 24. November um 19.30 Uhr stattfinden, der Ort werde noch bekannt gegeben. Als Teilnehmerin bereits zugesagt hat Barbara John von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Auch der Völklinger Kreis hält an der Unterstützung der Veranstaltung fest.
Links zum Thema:
» Leadership Berlin
» LSVD Berlin-Brandenburg
Mehr zum Thema:
» Moschee lädt Lesben und Schwule ein (10.11.14)















AKP:4
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-nachwuchs-erdogan-will-das-100-millionen-volk/10923982.html