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Flagge zeigen gegen Homophobie
Homo-Orden für Stefan Schostok
- 23. November 2014 3 Min.

Hannovers Steintorplatz umringt von Regenbogenflaggen: Oberbürgermeister Stefan Schostok ließ sich für die homophobe "Initiative Familienschutz" einen ganz besonderen Willkommensgruß einfallen (Bild: LSVD/Axel Blumenthal)
Hannovers SPD-Bürgermeister empfing die Bildungsplangegner mit einem Meer aus Regenbogenfahnen – während sein grüner Stuttgarter Amtskollege Fritz Kuhn beim Engagement gegen Homophobie versagt.
Von Micha Schulze
Was für ein geniales Zeichen! Natürlich dürfen in einer Demokratie auch homophobe "Dumpfbacken" demonstrieren, wie Hannovers parteiloser Personaldezernent Harald Härke die Bildungsplangegner am Samstag nannte, aber man kann ihnen sehr deutlich zeigen, dass sie nicht willkommen sind. Auf Anweisung von Oberbürgermeister Stefan Schostok wurden am Veranstaltungsort der Einfalts-Demo, dem Steintorplatz, Dutzende Regenbogenflaggen gehisst. Dafür erhält der SPD-Politiker unseren Homo-Orden.
Bereits eine Woche zuvor in Dresden hatte sich CDU-Oberbürgermeisterin Helga Orosz von der homophoben Kundgebung der "Besorgten Eltern" distanziert und indirekt zu den erfolgreichen Gegenprotesten aufgerufen. "Zeigen Sie Gesicht! Setzen Sie sich ein für ein weltoffenes, vielfältiges und von Akzeptanz geprägtes Klima in unserer Stadt!", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Integrations- und Ausländerbeauftragten Kristina Winkler, der Gleichstellungsbeauftragten für Mann und Frau Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah sowie der Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Sylvia Müller, die Orosz' Büro am 12. November verschickte (PDF).
Distanzieren, isolieren und ihnen nicht die Straße überlassen

Stefan Schostok, Jahrgang 1964, ist seit Oktober 2013 Oberbürgermeister von Hannover. Von 2010 bis 2013 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag (Bild: SPD Hannover)
Hannover und Dresden zeigen vorbildlich, wie man auf die erstarkende homophobe Bewegung in Deutschland reagieren sollte. Die jeweilige Stadt muss sich klar von der homophoben Hass-Propaganda distanzieren und alles tun, um die gruselige Mischung aus fundamentalistischen Christen, Rechtspopulisten und Neonazis zu isolieren, damit sie nicht noch weiteren Zustrom erhält.
Gleichzeitig müssen die LGBT-Community und die Zivilgesellschaft Flagge zeigen und den Ewiggestrigen nicht die Straße überlassen. So wie an den letzten beiden Wochenenden: In Dresden wurde der homophobe Protest vorzeitig abgebrochen (queer.de berichtete), in Hannover jammerte die "Initiative Familienschutz" über die mangelnde Unterstützung durch die CDU und die Fahnen-"Provokation" von SPD-Oberbürgermeister Schostok (queer.de berichtete). Schauen wir mal, ob die Homo-Gegner wiederkommen….
Hannover und Dresden zeigen aber leider auch das große Versagen in Stuttgart, wo die Bildungsplangegner bereits fünfmal auf die Straße gingen, der Protest weiter zu wachsen scheint und kein Ende der unerträglichen Hetze in Sicht ist.
Die Stadt und die LGBT-Community tragen an dieser Entwicklung eine Mitschuld: Bis heute hat sich der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn nicht öffentlich vom homophoben Dauer-Aufmarsch in seiner Stadt distanziert, während die Schwulen und Lesben die Gegenproteste der linken Antifa überlassen und lieber zu Hause auf dem Sofa bleiben: "Die IG CSD Stuttgart e.V. hat sich in enger Absprache mit dem Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg sowie weiteren Gruppen, Vereinen und Organisationen aus dem Umfeld von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen dazu entschlossen, keiner weiteren Konfrontation auf der Straße Vorschub zu leisten", heißt es in einer Kapitulationserklärung des Stuttgarter CSD-Vereins, warum man seit April keine Gegenproteste mehr organisiert.
Vielleicht denken unsere Freunde im Alles-andere-als-Musterländle nach den Erfahrungen von Dresden und Hannover noch einmal neu nach! Oder muss "Enough is Enough" erst mehrere Busse nach Stuttgart organisieren?
















