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Beispielloser Schritt
Deutsche Aids-Hilfe stoppt Anzeigenschaltungen in "Männer"
- 24. November 2014 3 Min.

David Berger führt seit Mai 2013 das Magazin "Männer"
Unter Chefredakteur David Berger setze das Magazin auf Rechtspopulismus und spalte die Szene, anstatt sie zu stärken, kritisiert die Organisation.
Die bundesweite Präventionskampagne "Ich weiss was ich tu" (IWWIT) der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) schaltet ab sofort keine Anzeigen mehr im schwulen Magazin "Männer". "Prävention in einem redaktionellen Umfeld zu platzieren, das wesentlichen Anliegen der Kampagne zuwiderläuft, verbietet sich", so die DAH in einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung. Unter Chefredakteur David Berger provoziere das Magazin "mit teils rechtspopulistischen Aussagen".
IWWIT "ist eine Kampagne, die Vielfalt anerkennt, schätzt und fördert", so DAH-Pressesprecher Holger Wicht. "Die selbstgewählten Lebensweisen schwuler Männer gilt es zu respektieren und zu schützen, um Menschen stark zu machen – auch beim Schutz vor HIV. Gerade jene, die nicht dem Mainstream und Erwartungen von Gesellschaft und Szene entsprechen können oder wollen, gilt es zu unterstützen. David Berger tut das Gegenteil."
Schon seit längerer Zeit forciere der Theologe ein traditionelles Männlichkeitsbild und werte damit Menschen ab, die diesem Bild nicht entsprechen. Kritiker diskreditiere er als "Body-Phobiker", die ein Problem mit ihrem eigenen Körper hätten.
Bergers Kampf gegen "queere Ideologen"
Die DAH stützt ihre Kritik an Berger auf zahlreiche Beispiele: "In der August-Ausgabe der 'Männer' verfocht ein Autor eine drastische These: Schwule Männer selbst würden ihre Diskriminierung verstärken, wenn sie ihre Andersartigkeit betonten. In einem geschichtsklitternden Vergleich wurde Juden, 'Indianern' und Schwarzen eine Mitschuld an ihrer Verfolgung und Ermordung zugewiesen. Der Autor machte also Opfer zu Tätern."
Auf öffentliche Kritik von IWITT hatte Berger mit einem Gegenkommentar unter der Überschrift "Keine Denkverbote!" reagiert. "Damit argumentierte er auf Stammtischniveau nach dem Motto 'Man wird doch noch mal sagen dürfen…'", kritisiert die DAH.
"Immer wieder fällt Berger Vertreter_innen der LGBTI-Community in den Rücken, in der 'Männer' und in Online-Medien wie 'Huffington Post' und 'The European'", so die DAH. "Emanzipatorische Kräfte der 'Queer-Bewegung' beschimpft er als 'queere Ideologen" und 'queere Sexdiktatoren'. In einem Facebook-Post zu den homophoben Demonstrationen gegen Bildungspläne fragte er: 'Rächt sich jetzt die allzu enge Verquickung von wirren Queer/Gender-Theorien und dem Kampf gegen Homophobie, besonders bei Jugendlichen?'. Auch hier unterstellt er eine Mitverantwortung an der Diskriminierung schwuler Männer."
Populismus ohne Ende?

Die IWWIT-Kampagne setzt auf Vielfalt
Ferner kritisiert die DAH, dass Berger populistische Äußerungen "zumindest diskussionswürdig" findet – damit hatte er es gerechtfertigt, dem Lehrer Daniel Krause, der auf einer Kundgebung von Pro NRW sprach und "islamkritische" Bücher veröffentlicht, im Rahmen eines Pro & Contras ein Forum geschaffen zu haben. Allgemein würden Muslime "immer wieder pauschal als Urheber schwulenfeindlicher Gewalt dargestellt", so die DAH, die auch einen Text aus der aktuellen Ausgabe kritisiert. Er handelt von dem schwulen "Pro Köln"-Politiker Michael Gabel und ist überschrieben mit: "Ein schwuler Rechter, na und?"
"Wie bei den anderen Themen äußert Berger seine Ressentiments meist nicht offen, sondern kleidet sie in Fragen oder verweist scheinheilig auf seine journalistische Aufgabe, Debatten anzustoßen", kritisiert die DAH. "Haltung und Richtung sind trotzdem unübersehbar. Eine differenzierte Auseinandersetzung zum Thema Homophobie und Islam bleibt der Journalist schuldig. Der Beifall von rechts bleibt indes nicht aus."
Ein Ende sei nicht absehbar: "Fast täglich wartet David Berger mit neuen Angriffen auf. Die Deutsche AIDS-Hilfe zieht sich nach reiflicher Überlegung aus diesem inakzeptablen Umfeld zurück." Auch Banner auf der Webseite des Magazins werde man zunächst nicht mehr schalten. "Es bleibt die Hoffnung, dass sich die 'Männer' eines Tages wieder zu einem offenen und vielfältigen Magazin entwickelt, das die Identität und die Strukturen der Community stärkt, anstatt sie zu spalten", sagt Holger Wicht. "Daran wirken wir gerne mit." (nb/pm)
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Eine höchst willkommene und überfällige Entscheidung der DAH