Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?22761

Kalugin (l.) bei seiner Festnahme zum Internationalen Coming-out-Tag 2013

Kirill Kalugin machte sich mit mutigen Aktionen in St. Petersburg einen Namen. Zuletzt wurde er vom Inlandsgeheimdienst verhört und von seiner Uni exmatrikuliert.

Von Norbert Blech

Der russische LGBT-Aktivist Kirill Kalugin hat am Dienstag in Dortmund einen Antrag auf Asyl gestellt. Der 22-Jährige war mehrfach bei Aktionen in seiner Heimatstadt St. Petersburg festgenommen worden; er gilt als einer der bekanntesten Aktivisten Russlands sowohl im In- als auch im Ausland.

Es war zunächst ein mutiger Einzelprotest, der ihm in August 2013 in die Öffentlichkeit brachte: Am Tag der Luftlandetruppen protestierte er mit einer Regenbogenflagge an einem zentralen Platz, wo sich die Soldaten trafen. Sie umzingelten und demütigten ihn, bis die Polizei eingriff (queer.de berichtete).

Das hielt Kalugin nicht davon ab, den Protest in diesem Jahr zu wiederholen (queer.de berichtete). Er wurde festegnommen, wie bei vielen andern Aktionen: Im letzten Herbst ging auch ein Bild um die Welt, wie er sich während der Verhaftung bei einer Aktion zum Internationalen Coming-out-Tag mit einem Freund küsst (queer.de berichtete). Auch beim Hochhalten einer Regenbogenflagge beim Vorbeizug des Olympischen Fackellaufes in St. Petersburg war er festgenommen worden.

Youtube | Kalugin bei seinem Protest vor der Eremitage in St. Petersburg 2013

- Werbung -

Vom Geheimdienst verhört


Protest gegen die Annexion der Krim

Kalugin war nicht nur für LGBT-Rechte aktiv, im Frühjahr nahm er etwa an einem Protest gegen die Annexion der Krim teil. Das hatte wohl auch die Behörden aufhorchen lassen: Im August wurde er von der politischen Polizei Russlands in ein Auto gezerrt und zu einem Verhör gebracht. Eine Mitaktivistin sprach später von einer "Entführung" (queer.de berichtete).

"Der Grund für meine Flucht ist ein viel zu reges Interesse seitens des Innenministeriums für meine Person", sagte Kalugin am Dienstag gegenüber queer.de. "Der Entführungsversuch von Männern in Zivil aus diesem Ministerium war einfach zuviel. Einzelheiten habe ich noch niemanden mitgeteilt."

Kalugin sagt, er habe die Flucht schon länger geplant. Ein weiterer Grund: "Nach einer Demo wurde ich zu den Prüfungen an der Staatlichen Polytechnischen Universität Sankt Petersburg, wo ich Biophysik studierte, nicht zugelassen und schließlich exmatrikuliert."

Der Aktivist erfährt am Nachmittag, in welches Flüchtlingslager er zunächst kommt. "Auf Wiedersehen, Russland. Willkommen in Deutschland", schrieb er am Dienstag in seinem Profil auf Facebook.

Exodus aus Russland

Erst gestern hatten ein TV-Journalist aus St. Petersburg, der wohlwollend über die LGBT-Bewegung des Landes berichtet hatte, und sein Lebensgefährte einen Asylantrag in Deutschland gestellt (queer.de berichtete), bereis zuvor waren einige LGBT-Aktivisten aus Russland nach Deutschland geflohen, darunter Pawel Lebedew, Dimitri Tschunosow und Iwan Jarzjew. Andere hatten unter anderem in Spanien, Finnland und den USA Asylanträge eingereicht.

Ein Asylverfahren dauert in Deutschland mehrere Monate, die Behörden treffen letztlich Einzelfallentscheidungen. Mehr zu LGBT-Flüchtlingen in Deutschland, ihren Beweggründen und den Problemen, die auf sie warten, findet sich in diesem Bericht über eine Tagung in Düsseldorf. Regina Elsner berichtete damals von rund 20 Flüchtlingen seit 2013, um die sich ihr Verein Quarteera kümmere. Drei sind inzwischen anerkannt, bei zweien gilt ein Abschiebeverbot.

-w-

-w-

-w-

#1 goddamn liberalAnonym
  • 25.11.2014, 11:40h
  • Wenn er da nicht mal vom Regen in die Traufe kommt.

    Deutschland ist ja doch schlechter als sein Ruf.

    Ich wünsch ihm von Herzen alles Gute!
  • Direktlink »
#2 RobinAnonym
  • 25.11.2014, 11:46h
  • "von seiner Uni exmatrikuliert."

    Wenn sogar schon die Unis vom Faschismus erfasst sind, ist es dort schon weitgekommen.
  • Direktlink »
#3 Sabelmann
  • 25.11.2014, 12:21h
  • Na dann liebe Deutsche...behandelt sie besser als ihre Heimat.
    Es kann für die "Flüchtlinge" nur besser werden oder? Auch wenn ich hier schon Haarsträubendes gelesen habe.
  • Direktlink »