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- 27. November 2014 4 Min.

Verzauberte Pinguine: Conchita Wurst spricht Schneeeule Eva mit einem verführerischen russischen Akzent (Bild: Julian Laidig / DreamWorks Animation L.L.C.)
Im neuen Animationsfilm "Die Pinguine aus Madagascar" spricht Conchita Wurst eine Agenten-Eule. Ein Interview über Daniel Craig, Helden und Shitstorms.
Von Peter Fuchs
Conchita Wurst spricht die Eule Eva. Im witzigen Animationsfilm "Die Pinguine aus Madagascar", der am Donnerstag bundesweit im Kino startet, synchronisiert unser aller Conchita in einer kleinen, aber feinen Rolle eine tierische Geheimdienstagentin. Im Rahmen der Promotermine zum Film trafen wir die Sängerin im Berliner Hotel de Rome zum Interview.
queer.de: Die Agentin als Femme Fatale mit russischem Akzent ist Ihnen wunderbar gelungen…
Conchita Wurst: (schlägt die Augen nieder) Danke.
Wie groß ist Ihre Lust, mal ein Bond-Girl zu spielen?
Das klassische Bond-Girl wäre nicht meine Rolle. Ich wäre lieber eine Gegenspielerin von 007, die am Ende des Tages wahrscheinlich getötet wird. Obwohl: Die müssen ja immer dran glauben. Außer es gibt einen zweiten Teil (lacht). Eine Bösewichtin zu spielen, würde mir schon großen Spaß machen.

Die passende Synchronrolle für Conchita Wurst: Geheimdienstanalystin Eva ist eine Nervenkitzel suchende clevere Schönheit mit Killerinstinkt (Bild: 20th Century Fox)
Conchita Wurst gegen Daniel Craig?
Gegen Herrn Craig habe ich überhaupt nichts einzuwenden. Man möge ihm das bitte ausrichten (lacht). Als Schurkin sehr gerne, ich würde nur keine bartlose Frau spielen.
"Rise Like A Phoenix" klang ja schon fast wie ein Bond-Song, oder?
Den Titelsong biete ich dann natürlich auch gleich an (lacht).
Mit Ihrem neuen Song "Heroes" verlassen sie aber das große Orchestrale und lassen mit mehr Elektropop aufhorchen. Wohin führt die musikalische Reise von Conchita?
Ich habe musikalisch so viele Interessen. Was man beim Song Contest gehört hat, war das, mit dem ich aufgewachsen bin. Meine erste CD war eine Compilation von Filmmusik. Mir hat darauf nur ein Lied gefallen. Ich hatte keine Ahnung, in welcher Sprache die Frau da singt oder wer Shirley Bassey überhaupt ist, aber ich wusste sofort, dass "Goldfinger" eine sensationelle Nummer ist. Und für den Song Contest macht man keine Experimente. Man präsentiert, was man kann und liebt. Gut, wenn sich damit Erfolg einstellt. Wenn nicht, konnte man zumindest ehrlich dort stehen.
Aber wegen meiner vielen Interessen wird das kommende Album sicher eine neue Seite zeigen, einfach, weil ich mich auch weiterentwickle. Trotzdem werde ich das große Orchester nicht verlieren. Oder vielleicht doch? (lacht) Aber keine Sorge: Ich habe vor, noch mehrere Alben zu machen…
Wie kam es zur Idee, am Ende des Videos zu "Heroes" dem Bösewicht das Kreuz in die Hände zu legen?
Wir machen im Laufe des Videos einen Zeitsprung. Das Kreuz verbindet das Kind, welches ich zu Beginn im Arm halte, mit dem Erwachsenen, der mir am Ende gegenübersteht. Somit werden alle älter in diesem Video, nur ich nicht (lacht).
Was war Ihnen daran wichtig?
Meine Überzeugung zu zeigen, dass wir alle mit derselben Standardausrüstung an Emotionen und Unschuld geboren werden und uns Erziehung und Gesellschaft zu dem formen, was wir heute sind. Entscheidungen die man trifft, egal ob gute oder schlechte, sollte man also immer hinterfragen. Man sollte darüber nachdenken, wie sie entstehen. Nur so kann Respekt vor Menschen mit anderen Entscheidungen entstehen. Im Video zeigen wir eine Person, die in der Öffentlichkeit vielleicht viele Fehler gemacht hat. Prinzipiell glaube ich aber auch bei dieser Person daran, dass sie im Herzen ein guter Mensch ist.
Sind Sie eine Heldin?
Nein, glaube ich nicht. Ich bin nicht selbstlos. Heldinnen und Helden opfern sich auf.
Aber Sie kämpfen doch…
Ja, aber aus egoistischen Gründen. Ich mache alles, weil ich es will und tun muss, nicht um jemand anderen zu gefallen. Ganz im Gegenteil, ich gefalle ja ziemlich vielen Menschen nicht.
Wie gehen Sie persönlich mit Shitstorms um?
Oh, da bin ich unhöflich, weil sie mir egal sind. Ich nehme konstruktive Kritik gerne an, wenn ich einen Nutzen daraus ziehen kann. Was ich aber nicht verstehe ist, dass manche soviel Zeit investieren, sich mit etwas ganz intensiv auseinanderzusetzen, was sie so offensichtlich nicht mögen. Vermutlich bin ich ihnen so wichtig, dass sie gern ihre Zeit dafür aufbringen. Da fordert meine Erziehung dann doch Höflichkeit und ein Dankeschön von mir (lacht).
Im Ernst, ich weiß auch, dass viele Menschen von mir genervt sind. "Ah, sie schon wieder. Holt die Friedenstauben raus!" Mir ist das schon bewusst, aber ich werde trotzdem nicht müde, meine Sache immer wieder zu wiederholen, weil sich noch nicht alles zum Guten geändert hat. Aber ich kann versichern: Tante Wurst wäre schnell still, würden alle mal brav sein.
Links zum Thema:
» Offizielle Homepage zum Film
Mehr zum Thema:
» Videopremiere: "Heroes" von Conchita Wurst (21.11.2014)
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» auf sissymag.de
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