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  • 27. November 2014 152 4 Min.

Birgit Kelle bei einer "Demo für alle" in Stuttgart

Die umstrittene Autorin, die gegen eine "Homo-Lobby" kämpft, darf bei einem Talk in Berlin zum Thema Familie sprechen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat für nächsten Montag, den 1. Dezember, zu einer Gesprächsrunde zum Thema Familie in ihr Berliner Büro eingeladen. Einer der Gäste im Veranstaltungssaal an der Friedrichstraße ist die umstrittene Autorin Birgit Kelle, Vorsitzende des Vereins Frau 2000plus.

Die 38-Jährige, die vor allem mit dem anti-feministischen Buch "Dann mach doch die Bluse zu!" bekannt wurde, gilt auch als Gegnerin von Homo-Rechten: Die von der "Jungen Freiheit" ausgezeichnete Journalistin lobte kürzlich in der zwischen konservativ und rechtsextrem pendelnden Postille die Bewegung gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg, der Schüler besser über sexuelle Vielfalt aufklären soll, und gab der niedersächsischen CDU-Politikerin Bertholdes-Sandrock mit der Aussage Recht, es sollte keine externen Schulaufklärungsprojekte über Homosexualität geben, wenn kein Lehrer dabei wäre.

"Griff nach den Kindern" beklagt

An einer "Demo für alle" in Stuttgart hatte Kelle selbst als Rednerin teilgenommen. Im "Focus" kritisierte sie zum Bildungsplan, "dass der Schüler einen Transsexuellen jetzt ganz normal finden soll, obwohl dieser doch laut WHO auf der Liste der psychisch Kranken mit Geschlechtsidentitätsstörung steht". Der Bildungsplan sei Beispiel der Ideologie des "Gender Mainstreaming", "die jetzt nach unseren Kindern greift" und "an der Verwirrung", der 'Entnaturalisierung' der Geschlechter arbeitet".

Im ARD-Presseclub hatte sie einst erklärt, dass es keine Diskriminierung sei zu sagen, dass nur Heterosexuelle mit Kindern eine Familie sein können, "weil es nun einmal die Auffassung der Mehrheit ist". In der Talkshow Maischberger sprach sie sich für Toleranz gegenüber LGBT aus, aber gegen Akzeptanz. Zugleich beklagte sie in Medien immer wieder, von "Schreihälsen der Homo-Lobby" als homophob bezeichnet zu werden.

Kelle dürfte bei dem Talk (Infos und Anmeldung hier) zumindest Widerspruch erwarten: Eingeladen sind neben ihr Constanze Körner, Leiterin des Regenbogenfamilienzentrums Berlin-Schöneberg, Sigrid Klebba, SPD-Staatssekretärin für Jugend und Familie im Berliner Senat sowie Dr. Christian Schmitt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Lehrstuhl für Familiendemographie der Universität Rostock und am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Bundeszentrale in Kritik

Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet auf ihrer Webseite ein umfassendes Infopaket zu LGBT-Themen. 2008 sorgte die Zentrale allerdings für einen Skandal, als sie sich bei Evangelikalen für einen Artikel in der von ihr geförderten Schülerzeitung Q-Rage entschuldigte.

Die Schüler berichteten in dem Artikel über das "Christival" in Bremen, bei dem es ursprünglich Seminare zur Homo-"Heilung" und gegen Abtreibung geben sollte. Nach scharfer Kritik aus Reihen der Evangelischen Allianz, die auch Homo-"Heiler"-Organisationen vertritt und öffentlich verteidigt, entschuldigte sich der Präsident Thomas Krüger in einem Schreiben an alle Schulen, an dem die Zeitung aulag, für "eine Gleichsetzung der evangelikalen Bewegung mit dem christlichen Fundamentalismus" und distanzierte sich von dem Artikel. Es sei "wichtig, differenziert über politische und religiöse Phänomene zu berichten", zugleich sei es "Aufgabe der politischen Bildung, kontroversen Positionen Raum zu geben".

Der SPD-Politiker, der ursprünglich in einem Begleitschreiben zu der Zeitung geschrieben hatte, dass sie "interessante Informationen [biete], wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte infrage stellen, Jugendliche umwerben", ist noch heute im Amt. Er wird am Montag eine Eröffnungsrede halten. (nb)


Kai Gehring

 Update  28.11., 20h: Kuratoriumsmitglied fordert Ausladung

Kai Gehring, grüner Bundestags­abgeordneter und Kuratoriumsmitglied der Bundeszentrale für politische Bildung, hat die Einladung Kelles kritisiert: "Wer Schwulen, Lesben, Trans­sexuellen und Regenbogen­familien wiederholt gleiche Rechte und Gleichwertigkeit zu heterosexuellen Lebensweisen abspricht, diskriminiert Menschen und hat auf einem Podium der Bundeszentrale für politische Bildung nichts verloren. Bereits bekannte intolerante und fundamentalistische Äußerungen von Frau Kelle sind unerträglich und auch unvereinbar mit dem Kontroversitätsprinzip politischer Bildung. Die BpB käme wohl auch nicht auf die Idee, einem Rechtsextremen ein Forum in einer Debatte über die Lage des Judentums in Deutschland zu bieten."

Der Abgeordnete, der selbst in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, kritisierte weiter, dass Kelle "mit rechtskonservativen Kampfbegriffen von 'Homolobby' bis 'Genderwahn'" einen "Feldzug für die eigene Profilierung und gegen gleiche Rechte und die Gleichwertigkeit homo- und heterosexueller Menschen" betreibe. "Ich kann der BpB nur raten, diese Referentin auszuladen – erst recht am 'Internationalen Weltaidstag', der symbolträchtig für Solidarität statt Minderheitenhass steht, so Gehring. "Demokratinnen und Demokraten sollten sich jeder Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entgegnen stellen – von der Bundeszentrale erwarte ich daher, dass sie Mitstreiterin für Akzeptanz von Vielfalt bleibt."

Im NRW-Magazin "Fresh" hatte der Abgeordnete bereits die "Angstmacherei" rund um die Proteste gegen Bildungspläne kritisiert.

-w-

#1 et34zuhgfAnonym
  • 27.11.2014, 21:18h
  • Ich weiß, die Kelle ist einfach nur scheiße (und kommt sich dabei noch neunmalklug vor -_- Die Tussi hat überhaupt kein Schamgefühl, so peinlich is die). Protestiert ruhig gegenüber der Bundeszentrale für politische Bildung wegen der Einladung einer homophoben Tussi.

    Morgen finale Abstimmung über Eheöffnung im finnischen Parlament ab 12 Uhr deutscher Zeit im Livestream hier:
    areena.yle.fi/tv/2498501

    2015 folgen dann Irland, Australien und USA.
  • Direktlink »
#2 matt_e
  • 27.11.2014, 22:05h
  • Frau Kelle... In meinen Augen ein ganz furchtbare Person. Erst diese Woche sah ich sie bei "hart aber fair" (ARD) und fand sie unmöglich. Sie hat irgendwie eine sehr unsympathische Art, auf mich wirkt sie fast aggressiv (Ausstrahlung) und voller Vorurteile.

    Warum lädt die Bundeszentrale für politische Bildung eine christliche Fundamentalistin (ist Fr. Kelle m.M. nach) ein? Völliges Unverständnis!
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#3 AlexAnonym
  • 27.11.2014, 22:21h

  • Soweit sind wir in Deutschland schon, dass Homohassern ganz selbstverständlich ein Forum zum Verbreiten ihrer kruden Theorien geboten wird.

    Vor zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es nochmal so weit kommt - und dann noch so schnell...

    Wenn wir nicht endlich an einem Strang ziehen und ganz schnell was gegen den konservativen Rollback unternehmen, wird das noch ein schlimmes Ende nehmen. Für uns alle! Und schneller als viele ahnen!
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