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  • 01. Dezember 2014 22 3 Min.

Biedron nach dem Wahlsieg am Sonntag (Bild: Twitter)

Der 38-jährige Politiker und LGBT-Aktivist Robert Biedron erzielt in Slupsk als unabhängiger Kandidat einen überraschenden Erfolg.

Es galt bereits als Sensation, dass er in die Stichwahl kam. Nun hat sich am Sonntag bei der zweiten Runde der Kommunalwahlen in Polen der offen schwule Politiker Robert Biedron mit rund 57 Prozent der Stimmen als Bürgermeister im nordpolnischen Slupsk (Stolp) durchgesetzt.

Der 38-Jährige hatte seinen Mitbewerber der liberalkonservativen "Bürgerplattform" (PO) damit deutlich überholt. In der ersten Runde vor drei Wochen hatte Biedron mit rund 20 Prozent der Stimmen noch den zweiten Platz erzielt, und das mit nur knapp 500 Stimmen mehr als ein Kandidat der nationalkonservativen Partei PiS. Sein Konkurrent Zbigniew Konwinski erzielte damals 29 Prozent.

Biedron, der für seine unabhängige Liste "Endlich Wechsel" angetreten war, hatte dabei keine größere Unterstützung durch Gewerkschaften oder Parteien und nur ein kleines Wahlkampfbudget. Die römisch-katholische Kirche hatte gegen den überzeugten Atheisten mobilisiert; der Politiker setzt sich dafür ein, den Einfluss der Kirche auf die Politik zurückzudrängen.

Erster offen schwuler Politiker im Sejm

Der studierte Politikwissenschaftler und ehemalige Mitarbeiter des Europarats hatte seine Karriere 2006 als Abgeordneter in Olsztyn begonnen, damals für den Bund der Demokratischen Linken. 2011 schaffte er mit der linksliberalen Partei Twój Ruch (früher bekannt als Palikot-Bewegung) den Einzug in das polnische Parlament. An der Seite der transsexuellen Abgeordneten Anna Trodzka wurde er der erste offen schwule Abgeordnete des Sejm (queer.de berichtete). In diesem September wurde er für die Arbeit im Parlament vom Magazin "Polityka" als Politiker des Jahres ausgezeichnet.

Der Mitbegründer und Vorstand der polnischen Kampagne gegen Homophobie wurde häufig Opfer von anti-homosexuellen Übergriffen: Seine Büros wurden mehrfach beschmiert, er mehrfach beschimpft. Vier Mal wurde er körperlich angegriffen, darunter 2013 am Rande des CSDs in Warschau (queer.de berichtete). Danach ließ er trotzdem verlauten, er sei glücklich, dass die Parade ansonsten friedlich verlaufen war.

Slupsk in Pommern, eine Partnerstadt von Flensburg mit rund 94.000 Einwohnern, war zuletzt zwölf Jahre lang von einem Politiker der Demokratischen Linken regiert worden, der nicht mehr zur Wahl antrat. "Ich bin voller Hoffnung, endlich kommt es zum Wechsel, wir werden Slupsk zu einer besseren Stadt machen", sagte Biedron nach der Wahl. Er wolle die Stadt "moderat" regieren.

Neben einer Haushalts-Sanierung will Biedron die Region zu einer Art Silicon Valley für Erneuerbare Energien verwandeln, sagte er in einem Interview. Er wolle damit einen dringend notwendigen Strukturwandel vollziehen und Parteilinien durchbrechen. Auch werde er die drei Dienstlimousinen des Bürgermeisters abschaffen und seine Arbeit mit dem Fahrrad erledigen.

In vielen weiteren Städten Polens, darunter Warschau, Danzig, Breslau und Posen, konnte die liberale Bürgerplattform von Ministerpräsidentin Ewa Kopacz die Bürgermeisterwahlen gewinnen. Die Partei hatte im letzten Jahr einen Gesetzentwurf zur Einführung von Lebenspartnerschaften in den Sejm eingebracht, der nur knapp gescheitert war (queer.de berichtete). (nb)

-w-

#1 Robby69Ehemaliges Profil
  • 01.12.2014, 11:47h
  • Klasse! Herzlichen Glückwunsch, Robert Biedron, und viel Kraft weiterhin!
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#2 schwarzerkaterEhemaliges Profil
#3 Oliver43Anonym
  • 01.12.2014, 12:11h
  • Herzlichen Glückwunsch an Biedron !

    Hoffentlich kommt endlich auch in Polen zumindest ein Lebenspartnerschaftsinstitut für gleichgeschlechtliche Paare.
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