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Nach Etschenberg-Interviews

Manfred Bruns erklärt Austritt aus der DGSS

  • 05. Dezember 2014 32 2 Min.

Manfred Bruns, der vor wenigen Wochen 80 Jahre alt wurde, ist einer der wichtigsten deutschen LGBT-Aktivisten. Für besondere Verdienste um die Sexualreform wurde ihm 2002 von der DGSS die Magnus-Hirschfeld-Medaille verliehen (Bild: LSVD)

Die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung setzte sich früher für LGBT-Rechte ein – heute attackiert sie Bildungspläne zur sexuellen Vielfalt.

Aufgrund der Interviews von Vizepräsidentin Karla Etschenberg ist Manfred Bruns, Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD), aus der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) ausgetreten. Die pensionierte Erziehungswissenschaftlerin hatte u.a. in der extrem rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" Bildungspläne zur sexuellen Vielfalt kritisiert und vor einer "Umerziehung" und "Sexualisierung" von Kindern und Jugendlichen durch schwul-lesbische "Lobbyisten" gewarnt (queer.de berichtete).

Die DGSS-Vizepräsidentin habe sich mit ihren Äußerungen zur Kronzeugin einer "zutiefst homophoben und transphoben" Kampagne gemacht, kritisierte der ehemalige Bundesanwalt in seinem am Donnerstag abgeschickten Brief (PDF) an DGSS-Sekretär Wolfgang Gindorf. "Darauf hatte ich hingewiesen und erwartet, dass sich Frau Prof. Dr. Etschenberg in weiteren Interviews deutlich von den unwahren und verleumderischen Behauptungen der Kampagne abgrenzen würde. Das hat sie in ihrem jüngsten Interview nicht getan."

Bruns kritisiert "sehr reaktionäre" Ansichten


Gegen Homo-"Propaganda" an Deutschlands Schulen: DGSS-Vizepräsidentin Karla Etschenberg und DGSS-Präsident Jakob Pastötter (Bild: DGSS)

In einem am Mittwoch in der "taz" erschienenen Streitgespräch mit Jan Feddersen hatte Etschenberg lediglich erklärt, dass sie es "bedauere, dass es zu den aktuellen Irritationen gekommen ist", gleichzeitig aber klargetellt, dass der "Zweck" von Sexualität nun mal die Fortpflanzung sei (queer.de berichtete). Dies mute "sehr reaktionär" an, schreibt Bruns in seinem Austrittsbrief. "So etwas wurde uns in meiner Jugend in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beigebracht."

Der Brief von Manfred Bruns endet mit den Worten: "Da Frau Prof. Dr. Etschenberg Vizepräsidentin der DGSS ist, wird man aufgrund ihrer Interviews davon ausgehen, dass die Mehrheit der DGSS-Mitglieder genauso denkt. Ich möchte deshalb nicht als Mitglied der DGSS 'eingestuft' werden."

DGSS-Präsident Jakob Pastötter hatte sich bereits im vergangenen Monat auf Nachfrage von queer.de hinter Etschenberg gestellt (queer.de berichtete). Pastötter gehört auch zu Unterzeichnern der "Prinzipien Sexualpädagogik", in denen die heterosexuelle Kleinfamilie aus Vater, Mutter, Kind zur "Regel" erhoben und vor einer "Idealisierung" von Minderheiten sowie einer "Abwertung" von Mehrheiten gewarnt wird.

Noch vor wenigen Jahren war die Deutsche Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung ein verlässlicher Verbündeter im Einsatz für LGBT-Rechte. Die Organisation wurde 1971 von dem Sexualwissenschaftler, Homo-Aktivisten und heutigen Ehrenpräsidenten Rolf Gindorf gegründet, der Deutschlands erste Schwulen­beratung aufbaute und als einer der Pioniere der modernen deutschen Sexualforschung gilt. Die DGSS hat einen festen Sitz im Fachbeirat der Bundes­stiftung Magnus Hirschfeld, der von Karla Etschenberg wahrgenommen wird. (mize)

-w-

#1 PetrilloEhemaliges Profil
  • 05.12.2014, 08:40h
  • Bravo Manfred Bruns für die konsequente Haltung!

    Erschreckend, dass eine wie Karla Etschenberg in eine solche Position kommen kann wie die, die sie inne hat. Zeigt aber wieder eindrucksvoll, dass auch bei hoch dekorierten Akademikern letztlich nur Schei*e raus kommt, wenn sie die Hosen runter lassen...
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 05.12.2014, 09:08h
  • Ich finde den Schritt des sehr bedächtigen Manfred Bruns gut und richtig.

    Man muss bestimmte Dinge mal geraderücken.

    Dazu gehört, dass 'konservativ' nicht rechtsextrem ist und dass der NRW-Verfassungsschutz, der die JF jahrelang überwachte, das sicher nicht völlig grundlos getan hat.

    Dazu gehört auch, dass Sexualwissenschaftler kein Herrenrecht zur Deutungshoheit jenseits von Recht und Gesetz haben.

    Das galt früher für die stellenweise Verharmlosung von sexuellem (Macht-)Missbrauch, das gilt heute v.a. für die Abwertung von gleichgeschlechtlichen Menschen und ihren Partnerschaften/Ehen/Familien.

    Gleichheit ist eben keine 'Idealisierung', sondern ein Grundrecht.

    Das gilt dann auch für eine angemaßte Deutungshoheit über den 'Zweck' der Sexualität gegen die biologischen und fortpflanzungsmedizinischen Tatsachen.

    Und gegen die Menschlichkeit, für der Mensch nicht Zwecke erfüllt, sondern eine zweckfreie Würde hat.
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#3 MarekAnonym
  • 05.12.2014, 09:09h
  • Da kann ich ihn gut verstehen und das würde ich ganz genauso machen. Ich hoffe, dass ihm viele folgen werden!

    Wenn sich eine Organisation dermaßen zur faschistischen Hassorganisation wandelt, bleibt einem leider nichts anderes mehr übrig.
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